Der Waldgang des Stadtrats Ebern vermittelte diesmal nicht nur Einblicke in die Arbeit der Waidmänner, sondern auch in die Geschichte. Neben den waldbaulichen Informationen von Forstoberrat (FOR) Jürgen Hahn und Forstamtsrat (FAR) Wolfgang Gnannt vom Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt, berichtete Revierförster Gnannt den 17 Teilnehmern um Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) und Altbürgermeister Robert Herrmann (CSU) einiges zur Geschichte des Distrikts "Wüstenhof."


Seit 65 Jahren

Hahn und Gnannt skizzierten anhand von Kartenmaterial die Entwicklung des Walddistrikts "Wüstenhof" für den Zeitraum seit 1950. Dieser habe eine Fläche von 95 Quadratkilometer und sei ein naturbelassener nadelholzbetonter Mischwald im Bereich des Eichelbaches. "Hier haben wir auch eine Eigenjagd", sagte Gnannt.
Dort, im dem relativ feuchten Gebiet, seien mehrere Biotope angelegt, wo sich auch "größere Vögel" aufhalten und Nahrung finden würden. In weit zurückliegenden Jahren habe das Gebiet für die Wasserversorgung von Reutersbrunn eine wesentliche Rolle gespielt. Der Bereich "Erlenhutwiesen" war bis 1970 Wiesengelände, erläuterte Gnannt. Danach wurde die Fläche mit Fichten und Erlen aufgeforstet. Fichten, so berichtete er, habe man gepflanzt, um Christbäume und Schmuckreiser zu bekommen. "Heute ist der Bestand 45 Jahre alt", sagte Gnannt und im sogenannten "Erlenbruchwald" erreichten die Bäume ein "gigantisches Wachstum", was an den teils stattlichen Stämmen zu sehen war. Es sei "etwas ganz Naturnahes" entstanden.


Unte ständiger Beobachtung

Forstoberrat Jürgen Hahn erläuterte, dass Pappeln eine gute Massenleistung hätten, aber gegenwärtig am Markt schlecht zu verkaufen seien. Dieser Standort müsse nach den Worten des Forstmannes ständig beobachtet werden. "Deshalb, weil wir bei diesen Standortbedingungen angepasst reagieren müssen."
In der hier vorhandenen extremen Vegetation sei die Fichte nicht der richtige Baum, wo auch Eiche, Bergahorn und die Weißtanne als Naturverjüngung vorhanden wären. Im Wüstenhof sei der höchste Nadelholzanteil der Stadtwaldungen von Ebern zu finden. Jürgen Hahn vermutete, dass der Name Erlenhutwiese sich von Erlen und der "Hutung" (hüten) ableite.


Wilderer in "Hasenzelten"

Wolfgang Gnannt sagte, dass früher ein großer Ort mit dem Namen "Hasenzelten" vorhanden gewesen sei, der im zwölften Jahrhundert aufgegeben wurde. Später habe dort nur noch eine Wildererfamilie ihr Unwesen getrieben. Diese habe sich gegen die Obrigkeit vehement gewehrt bis schließlich ihr Anwesen angezündet worden und die Familie darin verbrannt sei.


Zum "Hexenhäuschen"

Weiter ging der Weg zur "Halbinsel Erlenbach", wo auch das sogenannte "Hexenhäuschen" vor sich hin dämmert. Ortssprecher Bernd Ebert aus Eichelberg erinnerte sich, dass er in seiner Kindheit mit anderen Kindern dieses oft aufgesucht habe. Das Gelände dort ist sehr feucht, teilweise sumpfig.
Wolfgang Gnannt sagte, dass dieses "Hexenhäuschen" früher den Pflanzfrauen aus Eichelberg als Schutzhütte gedient habe. Er hatte ein dickes Lob für die Pflanzfrauen aus Eichelberg. "Das sind die besten, die wir im Stadtwald hatten."


Ein Schwarzstorch

Über eine Besonderheit berichtete er noch. Am 14. Juli habe er dort auf einem seiner Reviergänge den Schwarzstorch entdeckt. Begeistert erzählte Gnannt, dass dieser aufgrund des geringen "freien Luftraumes", wie ein Hubschrauber landete und startete. "Der Schwarzstorch ist ein typischer Waldbewohner und entscheidend für sein Vorkommen ist die absolute Ruhe", ergänzte Jürgen Hahn. Deshalb und weil es an den Biotopen auch nicht ganz ungefährlich ist ("da kann man schnell reinrutschen und unter Wasser kommen"), sollten diese von den Menschen gemieden werden. "Wir haben hie und da auch entsprechende Schilder aufgestellt", sagte Gnannt.


Köstliche Quelle

Ganz versteckt liegt das "Hasenbrünnle", welches man an einem großen rechteckigen Stein erkennt, unterhalb einer steilen Böschung, direkt neben einem Waldweg. Beim Vorbeifahren kann man diesen nicht erkennen. Die Quelle am Hasenbrünnle bringt eiskaltes und trinkbares Wasser hervor. Stadträtin Isabell Kuhn und Ortssprecher Bernd Ebert füllten sich mit diesem köstlichen Nass ihre Trinkflaschen.
"Tanne und Douglasie sind hier der Pepp im Mischwald", sagte Hahn und gab neben einem imposanten Stamm eine "Unterrichtstunde" über diese Baumart und auch über die Esche, die im sogenannten "Langen Grund" zu finden sind. Bedauerlich sei, dass seit etwa zehn Jahren die Esche von einer Pilzkrankheit befallen sei, welche bei jungen Pflanzen rasch zum völligen Absterben führe. Bei älteren Bäumen komme es zu einer Verbuschung der Krone, ein längerer Absterbeprozess sei die Folge.


Gefragte Kräfte

Der Beruf des Forstwirts wurde von Wolfgang Gnannt angesprochen. "Gut ausgebildete und einsatzfreudige Mitarbeiter seien vonnöten, um alle Arbeiten, insbesondere bei der Jungbestandspflege und der Holzfällung fachgerecht auszuführen. "Eine entsprechende Bezahlung sei deshalb angebracht. Auch die Unternehmen, die im Wald eingesetzt würden, wären ihr Geld Wert, weil deren Einsatz in vielen Fällen der raschen Aufarbeitung des Holzes diene, was sich unter anderem auch bei Borkenkäferbefall rechne.
Beide Forstleute machten deutlich, dass man generell als Förster mit offenen Augen durch den Wald gehen müsse, insbesondere in Waldungen, die an diesem Tag besichtigt wurden, um auf alle klimatischen, boden- oder witterungsbedingten Veränderungen unmittelbar reagieren zu können.