Eben mal auf ein Bier in die nächste Ortswirtschaft, so einfach ist es für die Breitbrunner seit Sommer 2013 nicht mehr. Seit das letzte Wirtshaus mitten im Ort geschlossen hat, müssen die Bewohner zu den Nachbarn nach Herrmannsberg in das nächste Gasthaus. Und das ist nicht das einzige Beispiel im Kreis Haßberge. Im Gasthof "Schwarzer Adler" in Reckendorf wurden die Leerräume in Flüchtlingsunterkünfte umfunktioniert.


Kein geeignetes Gebäude

Eigentlich stand vor Kurzem eine Zwangsversteigerung auf der Tagesordnung des Insolvenzgerichts in Bamberg. Eigentlich, weil der Termin abgesagt wurde. Soweit die Auskünfte des Amtsgerichts. Somit wird sich in Breitbrunn nichts verändern.

Bürgermeisterin Gertrud Bühl (Freie Wähler) versteht, dass kein Mensch sein eigenes Familienhaus verlieren möchte. "Es ist einfach irgendwie traurig", sagt Bühl. Nicht nur um die Gastwirtschaft sowohl bei den Breitbrunnern als auch den Touristen, die den Kreuzweg besuchten, angesehen war, sondern auch um einen Treffpunkt weniger im Ort. "Ich selbst bedauere das schon sehr als Bürgermeisterin", sagt Bühl, sie sieht aber auch "keinen Lösungsansatz in der Ortsmitte".

Die Gemeinde verfügt nämlich über kein leer stehendes Gebäude im Ort, das als Gastwirtschaft belebt werden könnte, so eines "müsste erst errichtet werden", sagt Bühl.


Kein Einzelschicksal

Eine Gemeinde ohne Gastwirtschaft - in Bayern keine Seltenheit mehr. So ist in Politik und Medien vom "Wirtshaussterben" die Rede. Laut einer Studie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt aus dem Jahr 2013, die das bayerische Wirtschaftsministerium sowie der bayerische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Auftrag gegeben haben, haben viele Wirtshäuser auf dem flachen Land in den letzten Jahren ihre Türen geschlossen. "Wo die Wirtschaft stirbt, stirbt der Ort", so die Kernthese.

Eine Studie vom Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur ergab: Es gibt das Wirtshaus auf dem Land und das in der Stadt. "Überall ist das Wirtshaus ein gemütliches Lokal zum regelmäßigen Einkehren. In der Stadt überwiegt das gepflegte Essen und Trinken. Auf dem Land überwiegt die Funktion als Treffpunkt mit Stammtisch und zur Kommunikation - über Politik, Sport, den Alltag." Dem kann auch Gertrud Bühl beipflichten: "Der Ort ist durch die Gaststätte mit geprägt worden - es war ein Treffpunkt mitten im Ort für die Bürger."

Das Gemeindezentrum könne zwar immer wieder für Veranstaltungen oder besondere Feste hergerichtet werden, aber als Dauerlösung fungiere das Zentrum nicht. Unter den Bürgermeistern im Landkreis sei das Problem des "Wirtshaussterben" noch nicht auf die Tagesordnung gesetzt worden, die medizinische Versorgung aufrecht zu erhalten, sei zum Beispiel eine größere Herausforderung.

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband versucht, den negativen Trend aufzuhalten: Bei einem Pressegespräch in Mainleus forderte Andrea Luger vom Gaststättenverband kürzlich die Politik auf, die Rahmenbedingungen für den Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur auf den Prüfstand zu stellen:

"Hier gibt es die unterschiedlichsten Ansatzpunkte, um Dorfwirtschaften zu unterstützen. Allen voran ist ein einheitlich reduzierter Steuersatz für das gesamte Gastgewerbe Voraussetzung für den Fortbestand der Wirtshaustradition." Zudem dürften immer mehr Auflagen und Dokumentationspflichten nicht dazu führen, dass es immer weniger Betriebe gibt, in denen sie angewendet werden könnten. "Für mich ist ,Dokumentationspflicht‘ das Unwort des Jahres", sagte Luger.

Für die Gemeindechefin in Breitbrunn, Bürgermeisterin Gertrud Bühl, "ist es wichtig, die örtliche Gastronomie zu stützen." Nur, ist es andererseits auch gar nicht so einfach, etwas zu unterstützen, das es so gar nicht mehr gibt.