Im zu Ende gehenden Winter ist im Landkreis nur an wenigen Tagen Schnee gefallen. Wenig Schneefall bedeutet aber nicht wenig Winterdienst auf den Straßen. Die Straßenmeistereien mussten zwar weniger Schnee räumen, hatten aber trotzdem genug zu tun. Denn der Winterdienst ist vor allem dann gefragt, wenn Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen. Und das war im Winter 2015/2016 häufig der Fall. Die Winterbilanz im Landkreis fällt deswegen gemischt aus.


Wenig Schnee, viel Glätte

Straßenmeister Otto Stark steht auf dem Hof der Tiefbauverwaltung des Landkreises Haßberge in Haßfurt; ein Winterdienstfahrzeug ist in der Nähe. "Das Salz wird kurz vor dem Streuen mit Sole gemischt. Dadurch wirkt es besser als reines Trockensalz", erklärt Otto Stark. Die Tiefbauverwaltung ist dafür zuständig, dass im Winter die 321 Kilometer Kreisstraßen befahrbar bleiben. Hinzu kommen noch 13 Kilometer Gemeindestraßen, die auch vom Kreis betreut werden. Dafür hat er insgesamt neun Fahrzeuge zur Verfügung - sechs eigene und drei Fremdfahrzeuge.

Otto Stark koordiniert die Winterdienste für alle Kreisstraßen; er und seine Mitarbeiter streuten in den zurückliegenden Wochen 1100 Tonnen Salz. Das ist deutlich weniger als sonst. In normalen Wintern werden bei den Einsatzfahrten zwischen 2200 und 3500 Tonnen Streusalz verbraucht. "Es war einer der schwächsten Winter überhaupt", resümiert der Leiter der Tiefbauverwaltung, Alfons Schanz. Der Salzverbrauch sage aber nicht so viel aus. Die Straßenwärter kämen in dieser Wintersaison immerhin auf 50 Einsätze; durchschnittlich werden jedes Jahr 80 Einsätze gezählt. Gerade in den frühen Morgenstunden waren Winterdienst-Einsätze wegen überfrierender Nässe und Reifglätte nötig. Aber die morgendlichen Einsätze dauerten deutlich kürzer als beispielsweise bei anhaltendem Schneefall. "Wegen Schnee waren wir nur acht bis neun Mal im Einsatz", erinnert sich Stark.

Die gleichen Erfahrungen hat die Autobahnmeisterei in Knetzgau gemacht. "Dieses Jahr war kein strenger Winter. Aber wir waren sehr aktiv wegen der tiefen Temperaturen", erklärt Dieter Gonnert, Leiter der Autobahnmeisterei in Knetzgau. Sie ist für 52 Kilometer Autobahn zuständig, und zwar für die A70 zwischen Schweinfurt-Bergrheinfeld und Bamberg-Hafen. Auf den Einsatzfahrten der Autobahnmeisterei wurden etwa 1700 Tonnen Streusalz verbraucht. Das sei etwas niedriger als der durchschnittliche Jahresverbrauch von 2400 Tonnen, so Dieter Gonnert. "Aber die Schicht war ausgelastet."


Neue Technik beim Winterdienst

Seit 2014/15 testet die Autobahnmeisterei eine neue Technik im Winterdienst: Bei der reinen Solebestreuung wird flüssige Sole direkt auf die Straße aufgebracht. Dadurch spart man Salz, benötigt aber spezielle Solesprüher an den Fahrzeugen. In Knetzgau, wo man das gesamte letzte Jahr mit Sole gesprüht hat, haben die Mitarbeiter sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Dieses Jahr wurde auf der A70 allerdings zu 70 Prozent mit regulärem Salz gestreut. "Im Moment haben wir die Technik an die Straßenmeisterei Erlangen abgegeben", erklärt der Leiter der Autobahnmeisterei.

Straßenmeister Otto Stark sieht einen Nachteil der reinen Sole für Kreis- und Gemeindestraßen: "Man würde parkende Autos wohl auch mit ansprühen." Auf der Autobahn wird dagegen nicht geparkt - normalerweise jedenfalls.

Einzig auf den Bundes- und Staatsstraßen im Landkreis Haßberge wurde in diesem Winter mehr Salz verbraucht als im vergangenen. Die Straßenmeisterei in Zeil, die zum Staatlichen Bauamt in Schweinfurt gehört, verzeichnet einen Verbrauch von über 1900 Tonnen Salz und 730 000 Liter Sole. Im letzten Jahr wurden lediglich etwa 1700 Tonnen und 600 000 Liter verbraucht. Das Bauamt betreut 350 Kilometer Bundes- und Staatsstraßen im Landkreis.

Den höheren Verbrauch begründet Manfred Rott, zuständig im Bauamt für den Landkreis Haßberge, mit den spezifischen Anforderungen der Bundes-/Staatsstraßen. Im Gegensatz zu Kreisstraßen sind sie viel befahren und müssen öfter vorsorglich gestreut werden. Die Autobahn im Maintal liege außerdem tiefer als viele Staats-/ Bundesstraßen in den Haßbergen oder im Steigerwald. Zur Winterbilanz äußert sich Manfred Rott ähnlich wie seine Kollegen: "Die tückischen Temperaturen um null Grad haben uns in diesem Winter beschäftigt."