Am Donnerstag, 9. Juni, wird der Stadtrat Ebern beraten und entscheiden, ob ein Antrag gestellt wird, Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet herauszunehmen, um so einen Schritt für den Bau von vier Windkraftanlagen im Bürgerwald Ebern auf dem "Tonberg", quasi dem "Hausberg" von Kirchlauter, zu tun. Von der Initiative "Pro Naturschutz Tonberg" kommt zu diesem Vorhaben starker Gegenwind, wie bei der Informationsveranstaltung am Donnerstag im Gasthaus "Wilder Kaiser" deutlich wurde.

"Wild" ging es in der Versammlung nicht zu, aber mit Nachdruck sprachen sich die Initiatoren gegen den Bau der geplanten Windkraftanlagen aus. Das wollen sie am 9. Juni vor der Stadtratssitzung in Ebern "machtvoll" demonstrieren, indem sie mit ein oder gar zwei Bussen anreisen werden, um den Stadtrat in Ebern vor einer ersten entscheidenden Sitzung auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen.


10H-Regelung soll gelten

Die Kirchlauterer sind mit großer Mehrheit der Meinung, dass sie sich durch die geplanten Windräder zukünftig ihre Lebensbedingungen nicht beeinträchtigen lassen wollen. Michael Kaiser von "Pro Natur Tonberg" begrüßte die Versammlungsteilnehmer und freute sich über den guten Zuspruch, etwa 100 Zuhörer waren gekommen. "Die Bude ist voll, mit so großem Interesse haben wir nicht gerechnet. Das zeigt uns, dass die Bürger das von uns vertretene Anliegen unterstützen."

Ralph Bremicker, Sprecher der Initiative, stellte fest, dass sich seit dem 16. März in Kirchlauter Proteste regen und dass mittlerweile 470 Bürgerinnen und Bürger, was 80 Prozent der Haushalte ausmache, gegen die Windräder auf dem "Tonberg" seien. Seine klare Forderung: Der Mindestabstand gemäß der 10H-Regelung dürfe nicht unterschritten werden. "Bei den geplanten Höhen der Anlagen müssen das 2300 Meter sein", sagte er unter dem Beifall der Zuhörer. "Die Natur am Tonberg würde in hohem Maß zerstört, sollte es zum Bau der Windräder kommen", so Bremicker. Der Sprecher erläuterte das Prozedere, welches nötig ist, bis es zum Bau kommen könne. Ziel der Betreiber sei die eigene Wertschöpfung aus den Anlagen, dabei werde u. a. auf die Tierwelt mit Wildkatze und Uhu keine Rücksicht genommen.


Lkw-Verkehr bereitet Sorgen

Franz Graf zu Stauffenberg bemängelte, dass die GUT mit Zahlen jongliere, die sie selber nicht gesichert habe. Alles seien projektbezogene Annahmen, die nicht bewiesen seien. Nachdem Bremicker erläutert hatte, dass große bauliche Maßnahmen und ein hoher Fahraufwand für die vier Windräder nötig seien, pro Windrad seien 340 Lkw-Fahrten nötig, die über den Weg am Anglersee führen, wurde gefragt, ob das die Gemeinde Kirchlauter auf ihrer Straße nicht verbieten könne. "Da können wir nichts machen, weil der Weg mit öffentlichen Mitteln gebaut wurde", sagte Bürgermeister Karl-Heinz Kandler (SPD). Er habe sich hinsichtlich dessen beim Landrat erkundigt.

"Informationen zu den Windrädern darf man sich nicht beim Landrat holen, der ist Vorsitzender der GUT und parteiisch, er kann somit kein Ratgeber für einen Gemeinderat sein", sagte daraufhin von Stauffenberg, was Kandler wiederum mit der Aussage quittierte, dass die Auskunft von der Rechtsabteilung des Amtes erfolgt sei und sich die Gemeinde schon kümmere.


Gemeinde war nicht untätig

Zweiter Bürgermeister Reinhold Stöhr (SPD) verwehrte sich gegen Vorwürfe, dass der Gemeinderat zu untätig sei. Der Beschluss des Gemeinderates aus dem Jahr 2012 stehe, dass man am Tonberg keine Windräder haben wolle. Initiativensprecher Ralph Bremicker: "Die Gemeinde sollte deutlicher werden und sagen, dass man in Kirchlauter keine Windräder haben möchte." Gemeinderat Horst Gehring (CSU) aus Neubrunn sprach sich gegen die Anlage aus. Er verwies darauf, dass die Bürgerwaldkörperschaft Ebern Ausgleichsflächen im Fall des Baues der Windkraftanlagen vorhalten müsse. "Die haben ihre Fühler schon nach dem Pfarrwald von Kirchlauter ausgestreckt und Angebote abgegeben", sagte er und fügte hinzu: "Wehret den Anfängen."

Kämpferisch gab sich Bernhard Hümmer. "Das wird kein Bürgerwindpark, sondern ein Industriepark", schimpfte er. Wenn die Dinger stehen, müsse man damit leben. Sie so nahe an Kirchlauter bauen zu wollen, sei eine Frechheit. "Es gibt Standorte am Hohlen Stein oder am ehemaligen Schießplatz bei Ebern, da stören sie niemanden."

Hinsichtlich "Industriewindpark" sagte Hümmer, dass man dann der Bürgerwaldkörperschaft Ebern die Gemeinnützigkeit aberkennen müsse. Gemeinderat Roland Muckelbauer (CSU) findet es unerträglich, dass eine Nachbargemeinde (Ebern) die 10H-Regelung unterschreiten will und meinte, dass man dagegen klagen sollte. Kirchlauter müsste hier mitentscheiden können. Michael Schnitzer-Siegel von der Initiative erläuterte die Winderzeugung, die zu unsicher wäre und keine kontinuierliche Leistung erbringe, und er ging auf den CO2 -Ausstoß ein, der sich trotz Windkraftanlagen nicht merkbar günstig geändert habe.


Gemeinsam nach Ebern

Adalbert Holzberg aus dem Eberner Stadtteil Eyrichshof: "Wir haben in Ebern das gleiche Problem, wenn auf der Höhe bei Buch Windräder gebaut werden. Deshalb sollten wir uns zusammenschließen." Die Eberner seien noch nicht aufgewacht, weil die Windräder am "Bretzenstein" zwischen Ebern und Untermerzbach Spielzeuge gegenüber den Windrädern seien, die am Tonberg entstehen sollen. Die Größenordnung müsse realistisch dargestellt werden.

Das sah man dann auf einer Grafik der Initiative. Dort waren Bäume, der Grauturm von Ebern und der Kölner Dom in Relation zu den 230 Meter hohen Windrädern dargestellt.

"Kommt am 9. Juni mit nach Ebern, zeigt eure Präsenz, wir wollen dort Eindruck machen. Gemeinsam können wir etwas erreichen", schloss Ralph Bremicker die Veranstaltung und wies darauf hin, dass man schon eine anwaltliche Beratung eingeholt habe.

Zur Abfahrt nach Ebern treffen sich die Gegner der Windkraftanlage am 9. Juni um 16.30 Uhr an der Tankstelle Hümmer in Kirchlauter.