Eine gruselige Vorstellung ist das. Da ist man mit hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn unterwegs und plötzlich tut sich ein Hindernis auf der Fahrbahn auf: Die Straßendecke wölbt sich, das Auto prallt dagegen oder schanzt darüber hinweg, der Fahrer verliert die Kontrolle. Solche Unfälle ereignen sich auf Deutschen Autobahnen, denn bei großer Hitze kann es zu sogenannten Blow-ups kommen.

Die Autobahnmeisterei in Knetzgau kann da für ihren Zuständigkeitsbereich (Anschlussstelle Schweinfurt/Bergrheinfeld bis Anschlussstelle Bamberg-Hafen) Entwarnung geben: Wie Straßenmeister Alfred Bauer erklärt, kommen die gefährlichen Bruchstellen nur zustande, wenn die Fahrbahn aus Betonplatten gebaut ist. Auf der A70 besteht der Straßenbelag jedoch aus Asphalt, der ist weicher und dehnbar, kann also nicht einfach aufbrechen, wenn er sich hitzebedingt ausdehnt. "Von daher haben wir hier überhaupt kein Problem", sagt er. Ausnahme: der A 70-Tunnel Schwarzer Berg bei Eltmann. Hier sind Betonplatten verbaut, die jedoch laut Bauer aus zweierlei Gründen nicht von Blow-ups betroffen sind: Zum einen sind sie mit großen Stahlbolzen verdübelt, zum anderen herrschen im Tunnel nicht so hohe Temperaturen auf dem Straßenbelag, da er nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist.

Beton wird im Tunnel übrigens aus Sicherheitsgründen verwendet. Im Falle eines Tunnelbrandes würde die Asphaltdecke schnell giftige Dämpfe entwickeln, da sie brennbares Bitumen enthält. Beton dagegen dampft nicht so schnell aus.

Laster sind die Übeltäter

Prinzipiell gilt: Hitze und Kälte machen jeder Straße zu schaffen. Der Asphalt auf der A70 ist bei großer Hitze eher anfällig dafür, dass sich Spurrinnen bilden. Normale Autos nimmt Bauer in Schutz: "Autofahrer zählen da nicht. Das sind die Lkw." Denn die Achslast dieser Fahrzeuge kann bei mehr als elf Tonnen liegen, was enorme Schäden im Straßenbelag verursacht.

Die Blow-up-Problematik hat mit den Lastwagen eher weniger zu tun, sie kommt zustande, wenn hohe Temperaturen herrschen. Ab 28 Grad Celsius steigt die Gefahr, dass die Straßen aufplatzen. Bei direkter Sonneneinstrahlung während einer Hitzewelle sind sogar weitaus höhere Temperaturen möglich. Der Allgemeine Deutsche Automobilclub ADAC gibt an, dass etwa 30 Prozent des deutschen Autobahnnetzes betroffen sind, weil es sich um Betonfahrbahnen handelt.

Zusätzliche Stabilität

Laut Straßenmeister Bauer sind in Bayern vor allem Autobahnen im Süden des Bundeslandes betroffen, die nach veralteter Betonplattenbauweise gebaut wurden. Denn wenn heute Beton verwendet wird, werden diese etwa 25 Zentimeter dicken und fünf Meter langen Stücke längs und quer verdübelt, erklärt der Straßenmeister. Damit gewinnen sie zusätzlich an Stabilität und können sich an den Nähten nicht mehr so leicht übereinander schieben. Denn der Blow-up-Effekt lässt sich so erklären: Die Platten aus Beton sind kaum flexibel, dehnen sich aber bei Hitze aus - sie haben kein Spiel, stehen unter enormer Spannung und geben irgendwann nach. Die Folge: Der Beton wölbt sich.

Der ADAC nennt die Autobahnen A3 Nürnberg - Passau, A9 Nürnberg - Halle/Leipzig, A10 Westlicher Berliner Ring, A92 München - Deggendorf und A94 München - Passau als gefährdete Straßen. Bei den derzeit herrschenden hohen Temperaturen sind vermehrt Kontrolleure unterwegs, die den Fahrbahnzustand überwachen und gegebenenfalls Geschwindigkeitsbegrenzungen oder sogar Sperrungen veranlassen.

Unabhängig davon, dass Blow-ups auf der A70 keine Gefahr darstellen, kontrolliert die Autobahnmeisterei Knetzgau regelmäßig ihren Straßenabschnitt. Schließlich können sich zum Beispiel gefährliche Schlaglöcher oder Spurrinnen (Gefahr durch Aquaplaning und Glatteis im Winter) bilden. "Zweimal in der Woche fährt ein Streckenwart die komplette Strecke ab", sagt Bauer. Zusätzlich sind auch die Straßenmeister täglich auf der Autobahn unterwegs. So soll größtmögliche Verkehrssicherheit gewährleistet werden.