Geht es der Stadt Haßfurt gut oder eher schlecht? Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Zieht man die Reden bei der Haushaltsberatung des Stadtrates am Montagabend im Rathaus als Entscheidungsgrundlage heran, dann muss der Beobachter schlussfolgern: Beide Antworten sind möglich. Es geht der Stadt gut - es geht der Stadt schlecht.

Jedenfalls wurde der Haushalt für 2017 mit einem Gesamtvolumen von 41,4 Millionen Euro mehrheitlich verabschiedet. Das ist die höchste Gesamtsumme, die ein Haßfurter Etat jemals erreicht hat.

Kämmerer einer Kommune sind Mahner, wenn es ums Geldausgeben geht, und sie sind eher als vorsichtige Menschen bekannt. Ein Kämmerer sieht ein mit Wasser teilweise gefülltes Glas eher als halbleer an, während Politiker es als halbvoll bezeichnen würden.

Der Haßfurter Stadtkämmerer Wolfgang Hömer nutzte die Haushaltssitzung, um auf nach seiner Ansicht bedenkliche finanzielle Entwicklungen für die Kreisstadt aufmerksam zu machen. Sie schlagen sich zwar nicht im Etat 2017 nieder, aber eventuell in den Folgejahren.


Der Schuldenstand

Aktuell hat die Stadt (ohne den Zweckverband Schulzentrum Haßfurt und die städtischen Betriebe) laut Hömer 5,25 Millionen Euro Schulden. Gleichzeitig hat sie acht Millionen Euro Rücklage. Das sieht erst einmal beruhigend aus.

Wird das Geld in den kommenden Jahren aber so ausgegeben, wie es die Planungen vorsehen, dann klettern die Verbindlichkeiten laut Hömer bis 2020 auf rund 14 Millionen Euro und die Rücklage schrumpft auf eine halbe Million zusammen. "Irgendwann ist das schönste Eigenkapital aufgefuttert", warnt der Kämmerer.

Er forderte den Stadtrat auf, auf die Bremse zu treten und bei den Ausgaben zu sparen. Vor allem die Investitionen, die 2017 bei 14,7 Millionen Euro liegen, erscheinen ihm viel zu hoch. Sie lägen "weit über dem, was wir uns leisten können", sagte er. Hömer hält Investitionen von unter zehn Millionen Euro noch für vertretbar.

Wolfgang Hömer ist bekannt dafür, dass er immer wieder den Zeigefinger erhebt und zur Zurückhaltung mahnt. Er weiß aber auch: "Erfahrungsgemäß kommt's nicht so schlimm."

Darauf scheinen auch der Bürgermeister und die meisten Stadträte zu setzen. Bürgermeister Günther Werner (Wählergemeinschaft) wies darauf hin, dass es der Stadt zuletzt sogar gelungen sei, Schulden abzubauen. Das habe damit zu tun, dass Haßfurt drei Millionen Euro Kredite, die zunächst eingeplant waren, nicht aufzunehmen brauchte.

Werner bezeichnete das Zahlenwerk als einen soliden Haushalt. Er verteidigte die umfangreichen Investitionen von weit über 14 Millionen Euro. "Investitionen bedeuten Arbeitsplätze. Die mutigen Investitionen der letzten Jahre haben sich ausgezahlt", betonte er. Der Etat trage "dazu bei, uns fit für die Zukunft zu machen", fasste der Bürgermeister zusammen.

Als Investitionsschwerpunkte nannte er die Bereitstellung von Bau- und Gewerbeflächen, um als attraktive Stadt vor allem für Familien zu gelten. Der Bau von Privathäusern im Baugebiet "Osterfeld II" läuft derzeit auf Hochtouren. Im Gewerbegebiet Ost werden Flächen angeboten und die weitere Erschließungsstraße (in Richtung Prappach) soll endlich gebaut werden. "Wir werden uns weiter um Gewerbeflächen bemühen", kündigte Werner an.

Weiter sagte er: Investitionen für Kinder und Jugendliche "haben für mich Priorität". Damit beschrieb er beispielsweise den laufenden Bau einer neuen Kinderkrippe im Osterfeld oder Geld, das über den Schulzweckverband in das Schulzentrum in Haßfurt fließt (Sanierung).

Die Sprecher der drei Stadtratsfraktionen Wählergemeinschaft, SPD und Grüne, Berthold Albert, Manfred Stühler und Helene Rümer, signalisierten Zustimmung zum Haushalt für 2017. Alle Räte dieser Fraktionen segneten den Etat ab.

Die CSU/JL-Fraktion stimmte nur teilweise zu. Fünf Räte votierten gegen den Haushalt. Stadtrat Michael Spies hatte moniert, dass die Stadt Maßnahmen wie die Sanierung der Kläranlage, den Hochwasserschutz und die Erneuerung des Bahnhofs-umfeldes auf die Zeit nach 2020 verschoben habe. Er, Spies, könne es nicht mit seinem "Gewissen vereinbaren, dem nächsten Stadtrat eine solche wirtschaftliche Situation zu hinterlassen".