Nein, verärgert war Helmuth Wegner keineswegs. Der Regen war auch aus seiner Sicht "dringend notwendig". Dass Petrus nach langer Trockenheit ausgerechnet am Sonntag seine Schleusen wieder einmal weit öffnete, war dem Hofheimer irgendwie egal. "Oldtimerliebhaber fahren bei jedem Wetter fort. Heiße Zeit hatten wir jetzt genügend, jetzt sind auch mal froh, wenn es etwas kühler ist."

Die Frage, warum Wegner also trotz der nicht einladenden äußeren Bedingungen mit seinem "Fiat 124 Spider", Baugruppe "CS0", zum alljährlichen Treffen mindestens 30 Jahre alter Kraftahrzeuge in den Gleisenauer Schlosspark gekommen ist, hatte er damit bereits beantwortet. Und dennoch war er einer der Wenigen, der bei der bereits sechsten Auflage der vom Ebelsbacher Werbering und Automobilclub (AMC) Zeil 2010 ins Leben gerufenen und gemeinsam durchgeführten Veranstaltung sein Auto zeigen wollte. Doch für den 63-Jährigen ist der Termin quasi schon Pflicht, denn er war zuvor schon drei Mal zu Besuch in Gleisenau.

Auch wenn er seinen knallroten Sportwagen, Baujahr 1981, diesmal nur bei einem "Oldtimertreffen Light" präsentieren konnte, hatte er Spaß. "Die Kulisse mit dem Schloss im Hintergrund ist schon toll. Man muss nicht immer nur auf Beton rumlaufen, es ist vielmehr schön grün. Einfach gemütlich." Zurück zu seinem "Spider". "Der ist von Fiat in Heilbronn noch selbst gebaut worden sowie in München erstmals zugelassen worden", erzählte er stolz und betonte: "Mein Auto war noch nie in Amerika." Der Tachostand liegt aktuell bei lediglich 60 000 Kilometer, er selbst, der vierte Besitzer, war bislang 13 000 Kilometer mit seinem Fahrzeug unterwegs.
Mit seinem blauen Mercedes Ponton 190 Diesel aus dem Jahr 1959 war Gert Rappat aus Bad Kissingen nach Gleisenau gefahren. Zwar hatte er, bevor er sich das Auto vor einem Jahr zugelegt hat, bereits zwei Exemplare. Doch das sind Benziner. "Jetzt wollte ich einmal einen Diesel. Brutal sparsam, aber ansonsten. Langsam und laut", grinste der Kissinger. Warum er trotz oder gerade wegen des Regenwetters gekommen ist, hatte derweil einen einfachen Grund: "Das Auto musste einmal gewaschen werden."

Die weiteste Anreise hatte sicher Manfred Ulbricht aus Hamburgs Süden. Zugegeben: Der rüstige Pensionär war nicht eigens wegen des Oldtimertreffens in den Haßbergkreis gekommen. Mit seinem Mercedes 220 S aus den 50er Jahren macht der langjährige Hobbysegelflieger derzeit Urlaub im Norden des Freistaates. Ursprünglich wollte Ulbricht an einer Fahrt durch die Fränkische Schweiz teilnehmen, die allerdings abgesagt wurde. Als Alternative kam er mit einigen Freunden jetzt zum zweiten Mal in das Schlossareal, da er vom Treffen erfuhr. "Gleisenau ist mir also nicht unbekannt", lachte der 78-Jährige.

Und sein Urteil über sein bereits restauriertes und lackiertes Schmuckstück? "Das Beste oder Nichts", zitierte er die aktuelle Werbung des Automobilherstellers in Stuttgart. Wie viele Kilometer sein Fahrzeug bereits auf dem Buckel hat, konnte er nicht auswendig sagen. Nur soviel: "Ich hatte alle Teile schon einmal in der Hand." Für Ulbricht kein Problem, schließlich absolvierte er bei Mercedes-Benz in Hamburg seine Lehre.