"Wir sind bereit", davon ist VW-Händler Manfred Heil aus Kirchaich überzeugt. Die Rückrufaktion der vom Abgas-Skandal betroffenen VW-Dieselfahrzeuge hat begonnen. Heil und die anderen Werkstätten im Kreis Haßberge reagieren gelassen.

"Alle betroffenen Autobesitzer werden jetzt per Post über den Rückruf informiert", erklärt der Geschäftsführer vom Autohaus Heil. "Und dann in einem weiteren Schreiben darum gebeten, eine Werkstatt aufzusuchen." Die Rückrufaktion werde vom VW-Konzern organisiert: Zug um Zug sollen die Fahrzeughalter die Nachrüstungen vornehmen lassen. Die Werkstatt sei dabei frei wählbar, müsse jedoch ein VW-Vertragspartner sein, sagt der "Aicher".

Der Kfz-Mechatroniker Daniel Baumann vom Autohaus Heil schildert: "Die Nachrüstungen dauern weniger als eine halbe Stunde." Die meisten Fahrzeuge erhalten nur ein Software-Update; dabei schließt der Servicetechniker ein Diagnosegerät an das Fahrzeug an und spielt die neue Software auf.

Der Anschluss zum Umprogrammieren befindet sich im Fahrerraum. "Das Fahrzeug muss dafür nicht aufgebockt werden. Natürlich können wir die Nachrüstung auch mit sonstigen Wartungsarbeiten verbinden." Bei Bedarf stehe den Kunden kostenlos ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung, erklären Manfred Heil und sein Kollege Norbert Sorg vom Autohaus Gelder & Sorg (mit Niederlassungen in Haßfurt und Ebern).

Nach den Maßnahmen erfüllten die Autos die jeweils gültigen Abgasnormen, angeblich ohne Motorleistung, Verbrauch und Fahrleistung zu beeinträchtigen, versichert Heil.

Im Moment, also im ersten Quartal 2016, sollen die technischen Maßnahmen bei den betroffenen 2,0-Liter-Motoren umgesetzt werden. "Das erste Modell ist der Amarok. Ich weiß aber nur von drei Besitzern bei mir im Umkreis", so Manfred Heil. Wie viele Fahrzeuge im Kreis Haßberge insgesamt umgerüstet werden müssen, könne man nicht abschätzen.


Vorbereitet

Auch beim Autohaus Gelder & Sorg sind nur grobe Schätzungen möglich. "Wir haben aber vorgesorgt und extra eine Hotline eingerichtet, an die sich die betroffenen VW-Besitzer wenden können", sagt Geschäftsführer Norbert Sorg.

In "13 Wellen" erhalten die Werkstätten die Software-Programme vom VW-Konzern. Die ersten Umrüstungen erwartet das Autohaus Gelder & Sorg erst Ende Februar/Anfang März.

"Es ist auch für uns Neuland", sagt Norbert Sorg: "Eine so umfangreiche Rückrufaktion hat es noch nicht gegeben." Aber der Geschäftsführer ist sich sicher, dass die Nachrüstungsarbeiten ohne Probleme bewältigt werden können. "Wir sind sehr breit aufgestellt und können auf alles reagieren." Im Unternehmen stünden genügend Servicetechniker zur Verfügung und die Termine seien über das Jahr verteilt. Die größte Welle an Nachrüstungen erwarten beide Autohäuser bei den weit verbreiteten VW-Modellen Golf und Passat.

"Natürlich war die Verunsicherung unserer Kunden groß. Vor allem weil das Thema so lange in der Öffentlichkeit war," stellt Norbert Sorg fest. Jetzt sähen viele VW-Fahrer der Rückrufaktion aber gelassen entgegen. "Wir haben sehr, sehr loyale Kunden. Die sind mit ihren Fahrzeugen, auch mit den Dieselautos, zufrieden", betont er.


Der VW-Rückruf


Wegen gefälschter Abgaswerte hat das Kraftfahrtbundesamt gegenüber VW den Rückruf von 2,4 Millionen Dieselfahrzeugen in Deutschland angeordnet.

Betroffen sind Dieselmotoren des Typs EA 189. Folgende Maßnahmen stehen an: 1,2- und 2,0-Liter-Aggregate bekommen ein Software-Update. 1,6-Liter Aggregate ebenfalls, zusätzlich wird direkt vor dem Luftmassenmesser ein sogenannter Strömungsgleichrichter befestigt.

Im Kreis Haßberge sind laut Landratsamt 54 364 Pkw zugelassen (Stand: Januar 2015). Wie viele Autos von VW vom Abgas-Skandal im Landkreis Haßberge betroffen sind, lässt sich nicht ermitteln.