Für Andrea Thema war sie einfach da, die Grenze zwischen Ost und West. Eine Linie, die Familien und Länder über Jahre grausam getrennt hat. Eine mehr als imaginäre Gemarkung, die gewachsen durch Machtstrukturen den Menschen die Freiheit genommen und sie unterdrückt hat.

"Das darf es nicht geben", betonte Andrea Thema, die 1957 in Maroldsweisach geboren ist und in der Nähe vom Niemandsland ihre Kindheit und Jugend verbracht hat. Mit der bildenden Kunst hat Andrea Thema ihren ganz persönlichen Weg gefunden, die Grenzzaunerinnerungen zu verarbeiten. Ihre Ausstellung, die sich um die Zweiteilung Deutschlands dreht, zeigt die Künstlerin ab Samstag, 3. Oktober, in der Xaver-Mayr-Galerie in Ebern.


Spontane Zusage

"Von meiner Heimat aus ist das die nächstgelegene Galerie", sagt Andrea Thema, die mittlerweile ihren Wohnsitz nach Burgthann verlegt hat. Ihre Eltern leben noch in Maroldsweisach. "Deshalb gab es von beiden Seiten gleich eine Zusage", erinnert sie sich an ihren ersten Kontakt mit Galerie-Leiter Stefan Andritschke vom Bürgerverein Ebern, der den Künstlern keine ganz einfache Ausstellungsmöglichkeit bietet. "Die bunten Wände", empfindet Andrea Thema, "das ist schon eine Herausforderung."

Andrea Thema wurde in im Jahr 1957 in Maroldsweisach geboren und absolvierte nach der Schulzeit ein Studium in Textiler Gestaltung und dem Fach Werken. Von 1979 bis 2004 arbeitete sie als Fachlehrerin in diesen Fächern im Staatsdienst. Bereits im Jahr 1986 begann sie als Malerin, Bildhauerin und in textiler Gestaltung freischaffend künstlerisch tätig zu sein. Auch in der Kunst im sakralen Raum hat Andrea Thema einen Schwerpunkt gesetzt. Von 2013 bis Juli 2014 hatte sie die kommissarische Leitung der Paramentik in Neuendettelsau . Seit August 2014 ist sie wieder ausschließlich als freischaffende Künstlerin tätig und entwirft weiterhin Paramente, die sie in verschiedenen Werkstätten ausarbeiten lässt. Ihre Kunstwerke sind in mehreren öffentlichen Sammlungen vertreten und werden im In- und Ausland ausgestellt.

"Blick nach Drüben" ist der Titel der Ausstellung, die unter der Schirmherrschaft von Landrat Wilhelm Schneider, bis 15. November in Ebern besucht werden kann.
20 Jahre nach dem Mauerfall, im Jahr 2009, entstanden die ersten Objekte der raumgreifenden Kunstinstallation. Andrea Thema befand sich in der Malerei gerade in einer experimentellen Phase, als sich der Jahrestag des Mauerfalls näherte und in aller Munde war. Die hierbei entstandenen Krakelees lösten bei Andrea Thema die Erinnerungen an den einstigen Zaun aus Stacheldraht aus. Sie entschloss sich, eine große Serie von diesen Collagen-Arbeiten entstehen zu lassen.


Robuste Materialien

Andrea Thema arbeitet mit robusten Materialien: Glas, Granit, Bitumen, rostfreier Edelstahl und immer wieder gebrauchtes, abgeriebenes Schleifpapier, das sich die Künstlerin aus Möbelschreinereien besorgt. Auf den riesigen Bögen die richtigen Stellen zu finden, diese auszuschneiden, zu bemalen und damit das Thema Grenze zu stilisieren, sieht sie als ihre Aufgabe. Es geht um Stimmungen, um Licht und Farben.
"Unzählige" Arbeiten hat die individualistische Künstlerin mittlerweile angefertigt. Nicht alle kann sie in Ebern horizontal an die Wand hängen. "Mein Ziel ist es aber auch nicht, ewig an diesem Thema zu arbeiten. Ich halte mich da ganz frei", erklärt sie ihren Arbeitsstil.

So ist zwischen all den Erinnerungen an den Stacheldrahtzaun ein dreiteiliges kinetisches Raumobjekt entstanden, das auch in der Xaver-Mayr-Galerie zu sehen sein wird: Eine "Universumsscheibe" mit dem Titel "Sophia", die frei im Raum aufgehängt ist. Sie ist für Andrea Thema ein Plädoyer der Achtung und Menschenwürde. "Denn diese Grenze war tier-, mensch- und sogar umweltverachtend", fühlt Andrea Thema.


Eröffnung am Samstag

Am Samstag, 3. Oktober, findet um 17 Uhr die Eröffnung der Ausstellung in der Xaver-Mayr-Galerie, Ritter-von-Schmitt-Straße 1, in Ebern statt. Über die Werke von Andrea Thema wird Daniela Uhrer vom Germanischen Nationalmuseum Nürnberg sprechen. Andrea Themas "Blick nach Drüben" kann bis 15. November besucht werden. Die Xaver-Mayr-galerie ist sonn- und feiertags von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.