Welche Aufgabe hat der Bürgermeister? Und muss man bei einer Stadtratssitzung den Personalausweis abgeben? Gschmarr, natürlich nicht. Was aber stimmt: Bei einer nichtöffentlichen Sitzung müssen alle Bürger, die nicht im Stadtrat sind, den Sitzungssaal verlassen. Auch die Presse.

Das und viele weitere Informationen haben die Schüler der Klasse 9g der Mittelschule Zeil am Dienstag erfahren. Die Zeiler Stadträtin Christine Straub (SPD) ist an einem Projekt beteiligt, das mehr Frauen für die Politik gewinnen will (siehe Infokasten). In Zweierteams, sogenannten Tandems, entwickeln die Frauen ein Projekt.

Zusammen mit der Augsfelderin Sonja Müller hat Straub dafür die neunte Klasse besucht und mit den Schülern ein Quiz über Kommunalpolitik veranstaltet.


Politik näher an Schüler bringen

"Wir wollen Politik näher an die Schüler bringen. Also aus dem Ratszimmer direkt in die Schule", erklärt Straub. Zur Unterstützung war Zeils Dritte Bürgermeisterin, Christl Pottler (ÜZL), dabei. Seit 1996 sitzt diese im Stadtrat, ist damit quasi ein Paradebeispiel für eine hohe Frauenquote in der Politik.

Um den Schülern keinen einseitigen Vortrag halten zu müssen, haben sich Christine Straub und Sonja Müller für ein Quiz entschieden, das an die Abendsendung "Wer wird Millionär" angelehnt ist. Unter dem Titel "Wer wird Superkommunalprofi?" mussten die Schüler, die zwischen 14 und 17 Jahre alt sind, unter jeweils vier Antwortmöglichkeiten die Richtige finden.

Im Anschluss an das Quiz war die Meinung der Schüler gefragt: Was würden sie gerne in Zeil ändern? Wie erreicht man mehr junge Leute? Was müsste passieren, damit ihr aktiver werdet? Was sich in Zeil ändern muss, darüber waren sich die Schüler schnell einig: Mehr Möglichkeiten für junge Leute müssen entstehen, bessere Busanbindungen und eine Diskothek in der Gegend wäre auch nicht schlecht. Außerdem wünschen sich die Jugendlichen mehr Sitzmöglichkeiten an öffentlichen Plätzen. Themen, die die Schüler gerne in den Stadtrat einbringen würden, sind zum Beispiel mehr Informationen über Ferienjobs und die Renovierung des Jugendtreffs.


Auch Stadtrat soll profitieren

Von den gesammelten Ergebnissen soll auch der Zeiler Stadtrat profitieren, indem er die Wünsche der Jugendlichen besser kennt. Bei dem schaut die Frauenquote übrigens gar nicht so schlecht aus. Sechs von insgesamt 20 Stadträten sind weiblich. Nicht alle Kommunen können mit solchen Zahlen glänzen. "Das Ziel ist, dass 30 Prozent Frauen in der Kommunalpolitik tätig sind", sagt Sonja Müller. Das Projekt sei für sie ein Versuch, um sich auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Im Sommer wollen sie und SPD-Stadträtin Straub das Quiz vielleicht noch einmal an einer anderen Schule veranstalten.



Das Projekt "Mehr Frauen in die Politik"

Ziel: "Mehr Frauen in die Parlamente!" - das ist das Ziel des Helene Weber Kollegs (HWK). Das HWK ist eine bundesweite und parteiübergreifende Plattform für engagierte Frauen, die in die Politik wollen.

Unterstützer: Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

So funktioniert es: Eine kommunale Politikerin, die Mentorin, geht mit einer politisch interessierten Frau, der so genannten Mentee, eine Tandembeziehung ein. Idee des Mentoring ist es, dass erfahrene Politikerinnen ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit politischen Einsteigerinnen teilen. Zu zweit arbeiten Mentee und Mentorin über neun Monate zusammen.

Ergebnisse: Nach Möglichkeit setzt das Tandem im Laufe der Zeit dann ein gemeinsames Projekt um. fr