Wie geht eigentlich Theater? Die Schüler der Johann-Peter-Wagner-Volksschule in Theres durften sich eine Woche lang mit dieser Frage beschäftigen. Mit dabei waren zudem Schüler der Franz-Ludwig-von-Erthal-Schule in Haßfurt. Bei der Projektwoche mit dem Fränkischen Theater Schloss Maßbach lernten die Kinder und Jugendlichen auch, dass an einem Theater viel mehr Leute arbeiten als nur die Schauspieler.

"Warum sind sie Bühnenbildner geworden?" fragt ein Schüler. "Weil ich zu schlecht war, um Schauspieler zu werden", antwortet Sean Keller scherzhaft. Dann erklärt er ihnen, welche Fähigkeiten er in seinem Job braucht, wie beispielsweise ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen.

Die Schüler, die gerade mit dem Theatermitarbeiter sprechen, gehören zur Presse-Gruppe, die eine eigene Projektzeitung herausbringt. Für diese werden die Theatermitarbeiter interviewt, die den Schülern innerhalb von fünf Tagen einen Einblick in die verschiedenen Tätigkeiten an einem Theater vermitteln. Sean Keller gibt einen Kurs, in dem die Schüler in Schuhkartons kleine Modelle von Bühnenbildern bauen, wie es auch am Theater als Vorlage üblich ist. Manche Schüler haben sich dafür eine Geschichte als Vorlage hergenommen, andere denken sich selbst Geschichten aus und wieder andere basteln einfach drauf los.

Für das Interview hat er den Raum allerdings verlassen, er sitzt mit der Interview-Gruppe an einem Tisch auf dem Flur der Schule. Luca Bauer läuft dabei mehrmals um den Tisch, um die Szene in Bildern festzuhalten. Der 14-jährige Schüler der 7. Klasse der Mittelschule ist ein begeisterter Fotograf. Das ist auch der Grund, warum er sich für die Presse-Gruppe entschieden hat.

"Wenn es eine Möglichkeit gegeben hätte, mit Holz zu arbeiten, hätte ich das gerne gemacht, aber sowas war leider nicht dabei." Immerhin hat er zuhause eine eigene Werkstatt, hat bereits ein Praktikum in einer Schreinerei hinter sich und möchte später in diesem Beruf arbeiten. Auf seine Leidenschaft für das Fotografieren ist er über ein weiteres Hobby gekommen: Rennen mit Modellautos. Denn hier fing er an, auf Veranstaltungen Bilder zu machen und sammelte erste Erfahrungen für gute Fotomotive.

Interessant fand er bei der Projektwoche vor allem, zu sehen, "wie Presse eigentlich funktioniert". Interessant fand er auch die Teamarbeit in der Interviewgruppe. "Es war auch immer schön zu sehen, wie die anderen Gruppen arbeiten", sagt er. Dadurch, dass die Projektzeitung auch die Arbeit in den anderen Gruppen dokumentieren soll, erhalten ihre Schüler einen Einblick, was die anderen so machen.

Neben der Presse- und der Bühnenbildgruppe gibt es Gruppen für Theater und Improvisationstheater, für Musik und Tanz, sowie für Schreibimprovisation. Außerdem gibt es eine Gruppe, die das Programmheft für die Abschlussaufführung gestaltet und eine für die eigens zur Projektwoche gestaltete Homepage.

Alle Altersstufen dabei

Für Lehrer und Theaterleute ist die Woche eine besondere Herausforderung. Nicht nur organisatorisch, sondern auch pädagogisch. Denn im Gegensatz zu einer normalen Klasse, in der alle Schüler etwa das gleiche Alter und einen ähnlichen Wissenstand haben, sind die Gruppen bei der Projektwoche bunt gemischt. Mit dabei sind Schüler von der 1. bis zur 8. Klasse der Grund- und Mittelschule, sowie der 5. bis 7. Klasse des Förderzentrums. In den Gruppen kommen Schüler verschiedensten Alters und von verschiedenen Schularten zusammen, je nach ihren Interessen. Lehrer, Schauspieler, Theaterpädagogen und der Bühnenbildner müssen ein Programm zusammenstellen, das weder die Kleinen unterfordert, noch die Großen langweilt.

"Alle vier Jahre gibt es hier an der Schule so ein großes Projekt", berichtet Lehrerin Simone Goebel. Sie selbst unterrichtet seit zwei Jahren in Theres, hat also die vorherigen Aktionen noch nicht miterlebt. Doch da sie dieses Jahr die Theatergruppe der Schule leitet, fiel ihr nun auch die Aufgabe zu, gemeinsam mit ihrer Kollegin Bettina Pfeuffer die Theaterprojektwoche zu organisieren.

Das Konzept haben Schule und Theater gemeinsam entwickelt. Von Seiten des Fränkischen Theaters Schoss Maßbach war es vor allem Theaterpädagogin Karolin Wunderlich, die die Organisation in die Hand nahm. "Es gibt viel mehr theaterbegeisterte Jugendliche, als man denkt", sagt sie. Eine solche Kooperation helfe auch, das Theater als Kunstform im Alltag zu integrieren und als etwas Besonderes dastehen zu lassen.
Diese Projektwoche war sowohl für die Schule als auch für das Theater ein Pilotprojekt. "Beide Institutionen können voneinander lernen", meint Karolin Wunderlich.