Erst Sonnenschein, jetzt Wind und Frost: Der kalte, wechselhafte April bereitet so manchem Winzer im Landkreis schlaflose Nächte. Auch Roger Nüßlein aus Zeil gehört dazu. Der Winzer und Erste Vorsitzende des Weinbauvereins Haßberge hat sich vor einer Woche - zusammen mit seinem Vater Anton - bei Minusgraden die Nächte im Weinberg um die Ohren geschlagen.


Nachtschicht war umsonst

Die Männer hatten mit Hilfe eines Riesenventilators versucht, kalte und warme Luftschichten miteinander zu verwirbeln, um so die Temperatur im Weinberg um ein bis zwei Grad zu steigern. "Heute wissen wir, dass es leider nichts gebracht hat. Aber wenn es um die Weinernte geht, will ich mir im Nachhinein nicht vorwerfen müssen, nicht genug getan zu haben", erklärt Roger Nüßlein.

Nun hofft der Zeiler Winzer, dass er mit dem Frosteinbruch vor einer Woche die Eisheiligen hinter sich gebracht hat. "Die Knospen, die übrig sind, müssen wir behandeln wie rohe Eier. Wenn da noch einmal Frost kommt...", bangt Nüsslein.

Vor allem die unteren Lagen mit den Müller-Thurgau-Reben und den Jungreben haben deutliche Frostschäden davongetragen. Nüßlein rechnet mit einem Ernteausfall von etwa 50 Prozent. Trotzdem will der Winzer nicht von einem massiven Ernteeinbruch sprechen. "Unsere Region wurde zwar geschädigt, aber nicht existenziell. Wir haben noch kleine Reserven und wenn wir viel arbeiten, können wir eine qualitativ und quantitativ normale Ernte rausholen", hofft Nüßlein.


Angespanntes Abwarten

Zu diesen "Reserven" zählt das Ziehen von so genannten Frostruten. Frostruten sind zusätzliche Zweige, die man nach oben wachsen lässt. Dadurch liegen ihre Knospen höher und sind weniger frostanfällig.

Hans Hetzel aus Oberschwappach will noch abwarten, bevor er eine Bilanz aus der Kältewelle zieht. "So konkret kann man's noch nicht sagen, das dauert noch zwei Wochen", sagt der Weinbauer. Der warme März hatte die Weinreben weit austreiben lassen - dann kam die Kälte.

Frostschäden treten an den Knospen der Rebstöcke auf. Aus diesen sogenannten Augen entwickeln sich neue Triebe, an denen später die Trauben hängen. Schon minus zwei Grad können den Knospen gefährlich werden, sie werden dann braun und welk.

Auf Hetzels Weinberg ist der Schaden kaum zu sehen. "Man sieht's nicht, man fühlt's mehr. Die Knospen fühlen sich welk und matschig an", erklärt der Winzer und lässt sich dann doch zu einer Prognose hinreißen: "Ich rechne mit einem Ausfall von 40 Prozent." Einer neuen Kältewelle sieht der Winzer "nicht gelassen" entgegen. "Aber wir können halt nichts dagegen machen."

Auch auf dem Weingut Bernhard Rippstein in Sand gibt man sich verhalten. Winzer Stefan Rippstein will erst einmal abwarten, wie sich die Lage entwickelt. "Es dauert noch etwa acht Tage bis zum Austrieb, vorher kann man noch nichts sagen", so der Weinbauer.


Anders als vor einem Jahr

Rudi Ruß, Winzer und Zweiter Vorsitzender des Weinbauvereins Haßberge, hat sich schon einmal einen ersten Überblick verschafft. Im Raum Sand seien ganz verschiedene Ecken betroffen. "Im Kronberg ist fast nichts, in Himmelsbühl auch nicht", erklärt der Weinbauer.


Schaden ist geringer

Im Vergleich zu dem starken Frost im Vorjahr seien ganz andere Gebiete betroffen. Insgesamt ist der Schaden in Sand geringer als vor einem Jahr, wie Rudi Ruß festgestellt hat.
Eine der betroffenen Lagen sei das Areal nahe dem Motocross-Gelände am Fischersberg. Dort hat vor allem die Rebsorte Domina Schäden davongetragen - trotz der Frostkerzen, die Winzer zum Schutz ihrer Reben in den eisigen Nächten entzündet haben. "Die haben nur leider nichts genutzt", bedauert Ruß.