Wenn Minister Brunner wieder daheim in München ist, kann er seinen Kabinettskollegen eine schöne Geschichte über hiesige Winzerkunst erzählen. Oder aber er schweigt und drückt ihnen einfach eine Broschüre in die Hand: Hier steht alles drin, was Ihr übers Abt-Degen-Weintal wissen müsst, kann er dann sagen. Und tatsächlich, es steht alles drin: Wer macht Wein, wo gibt es ihn, welche Sorten sind dabei und: Wie komme ich dorthin? Die neue Image-Broschüre der Winzer-Kooperation will nicht einfach nur Wein verkaufen. Sie will Kultur und Lebensgefühl einer ganzen Region vermitteln, immer mit dem kleinen Hinweis: Aber du musst schon herkommen und es ausprobieren, sonst klappt es nicht.

Dem Minister gefällt das Produkt

Helmut Brunner (CSU), der Landwirtschafts- und Forstminister, hat es ausprobiert und, so behauptet er zumindest, es hat geklappt. "Mir gefällt das, wie Sie hier Ihr Produkt vermarkten", erklärte er gestern, als er in Sand und in Zeil Halt machte. "Wenn der Kunde sagt: ,Die stehen selbst voll hinter ihrem Produkt und wollen nicht einfach nur irgendwelche Geschäfte machen', dann funktioniert das. Sie sind auf dem richtigen Weg."
Das Abt-Degen-Weintal, die Vermarktungsinitiative der Winzer- und Weinbaugemeinden im Landkreis Haßberge, hat also den Minister überzeugt. Doch ein Minister allein reicht nicht. "Unser gemeinsames Ziel ist es, unsere Weinregion weit über die Landkreisgrenze hinaus bekannt zu machen", erklärte Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD), der derzeit kommissarischer Vorsitzender der Initiative ist. Sein Sander Amtskollege Bernhard Ruß (SPD) ergänzte: "Sehr guter Wein wird bei uns angebaut. Wir wissen es. Aber nicht alle wissen es." Mit der neuen Broschüre soll die Werbetrommel für den Landkreis nun weiter kräftig gerührt werden.

Gut angelegtes Geld

Landwirtschaftsminister Brunner war gekommen, um sich persönlich davon zu überzeugen, dass das Geld, das der Freistaat zur Förderung des Projekts überwiesen hatte, gut angelegt war. Über das "Bayerische Programm zur Förderung des Weintourismus und der Weinvermarktung" sind 75 000 Euro in die Region geflossen. Der Rest der Investition von insgesamt rund 179 000 Euro wurde durch die privaten Projektpartner, die beteiligten Kommunen und den Landkreis sichergestellt. "Sein Geld" jedenfalls sah Brunner gut investiert: "Das Geld wird Zinsen bringen", sagte er in Sand, wo er von Winzern und Kommunen-Vertretern empfangen wurde. Gefachsimpelt wurde über Anbaugebiete und Rebsorten, und schließlich fragte jemand den Minister, ob denn die Münchner mit Wein überhaupt etwas anfangen könnten, dort trinke man doch nur Bier. Brunner stellte klar: "Sie unterschätzen die Münchner, da gibt's welche, die trinken den Wein wie das Bier."

Geheimnisverrat

Jetzt jedenfalls kann Brunner heimfahren und in seiner Heimat entweder die Image-Broschüre vorzeigen oder einfach erzählen, wie gut es ihm im Abt-Degen-Weintal gefallen hat und wie lecker dort der Wein schmeckt. Im besten Fall würden sich dann viele Münchner dazu entschließen, bald mal einen Urlaub in der unterfränkischen Weinbau-Region im Landkreis Haßberge zu verbringen. Schon lange gilt das Abt-Degen-Weintal ja als Geheimtipp. Doch die vorgehaltene Hand, hinter der man Geheimnisse verrät, die wollen die Winzer nun lieber weglassen.