Was fasziniert ihn an einem fast 40 Jahre alten Auto? Seine Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: "Na, das satte Blubbern des V8-Motors, die einfache Technik und das Gefühl, kein Fahrzeug von der Stange zu fahren." Und wirklich steht da ein "wahrer Hingucker" bei ihm in der Garage. Der 1977-er Pickup ist in einem guten Zustand, und kleinere Reparaturen hat er vom "Mechaniker seines geringsten Misstrauens" ausführen lassen.

"Auch der Aufbereiter hat ganze Arbeit geleistet, jetzt kann ich damit wieder auf die Straße", erzählt er mit Stolz in den Augen. Aber vorher hatte der US-Car-Fan noch einige Hürden zu überwinden. Eine davon war die Zulassungsstelle. "Der Amtsschimmel hat so laut gewiehert, den hat man bestimmt noch in Würzburg gehört. Es grenzt schon an Schikane, was da abgeht." Aber für sein Hobby sei er auch bereit, solche Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. "Es darf nur nicht zur Belastung werden, weder finanziell noch zeitlich." Auf die Frage, warum denn nur ein V8 in Frage komme und nicht etwa ein V12, schüttelt er nur den Kopf: "Ein V12 ist eine Nähmaschine." Wieder etwas dazugelernt.

Seine Oldtimer-Leidenschaft teilt der Rentweinsdorfer mitvielen Gleichgesinnten. Laut Zulassungsbehörde am Landratsamt in Haßfurt waren im vergangenen Jahr insgesamt 295 Oldtimer gemeldet; darunter waren 20 Fahrzeuge amerikanischer Herkunft. Und der Trend geht nach oben, aber nicht ausschließlich aus optischen oder nostalgischen Gründen.

Handfest Wertanlage

Längst steckt auch eine handfeste Wertanlage dahinter. Aber wie definiert sich der Begriff Oldtimer denn eigentlich? Laut Duden ist es ein altes oder gut gepflegtes Modell eines Fahrzeugs mit Sammler- oder Liebhaberwert. Aber das ist nur eine ziemlich schwammige Definition. Die Fédération Internationale des Véhicules Anciens beschreibt den Begriff so: Ein historisches Fahrzeug, mechanisch angetrieben und mindestens 30 Jahre alt. Es muss in korrektem Zustand erhalten und gewartet werden und seine Nutzung darf nicht auf den täglichem Transport ausgerichtet sein.

Für den TÜV oder die Dekra gibt es ebenfalls Richtlinien: Für eine H(istory)-Zulassung muss das Fahrzeug mindestens 30 Jahre alt und in einem guten Pflege- und Erhaltungszustand sein. Es darf angemessene Gebrauchsspuren haben, aber wesentliche Teile dürfen nicht fehlen. Eine originale oder zumindest zeitgenössische Ausstattung ist nötig. Aus dieser Aufzählung nüchterner Tatsachen lässt sich zwar eventuell ein finanzieller Wert ermitteln, nicht aber die Leidenschaft, die dahinter steckt.

Einer, der es wissen muss, ist Heinz Schätzlein, der in seiner Ebelsbacher Werkstatt schraubt und repariert, aber auch im Kundenauftrag Fahrzeuge aus den USA importiert. Mindestens zwei bis vier Mal pro Jahr fliegt er selbst in die Staaten, um potenzielle Verkäufer aufzusuchen. "Man kauft nicht nur ein Auto, sondern seine Geschichte gleich dazu." Geradezu philosophisch mutet es an, wenn er mit glänzenden Augen über diese Fahrzeugklassiker spricht.

Echter "Schrauber"

Auf die Frage, was denn einen guten Autoschrauber von einem Kfz-Meisterbetrieb unterscheide, antwortet er, ohne lange zu überlegen: "Ein Mechatroniker ist heutzutage doch nur ein Ersatzteilmonteur, der ohne sein Diagnoseprogramm aufgeschmissen ist. Ein Autoschrauber muss reparieren, weil die Ersatzteil-Verfügbarkeit bei diesen alten Fahrzeugen sehr begrenzt ist. Deshalb kennt er jede Schraube und jedes Ventil und weiß genau, wo er sein Werkzeug ansetzen muss."

Und weil er schon beim Philosophieren ist, schmunzelt er gleich über die "Außenseiter" der Szene: "Jeder denkt, nur weil du einen amerikanischen Oldtimer fährst, hörst du den ganzen Tag Country Music, isst T-Bone-Steak und läufst in Cowboystiefeln rum."

Dafür gebe es viel zu viele unterschiedliche Stilrichtungen, und die Szene sei längst aufgeteilt. Er spricht zum Beispiel über Hot Rods; das sind modifizierte amerikanische Autos aus den 30er und 40er Jahren, wiederum unterteilt in Old School Rods, High-Tech Rods, Street Rods und Restro Rods. Dann gebe es auch noch die Rat Rods, die sich durch Minimalismus, ein rohes Erscheinungsbild, ein vergammeltes Aussehen und eine unbehandelte Karosserie auszeichnen.
Nicht unmittelbar zum Fahren benötigte Teile würden ausgebaut, und der Rost bleibe unbehandelt. Allerdings sei die Technik dieser Fahrzeuge in einem guten Zustand. Schätzlein: "Es ist zwar ein gemeinsamer Gedanke, aber es sind viele unterschiedliche Facetten. Es gibt Liebhaber, die konservieren das Auto, um es dann in einen Showroom zu stellen. Andere wiederum fahren jedes Treffen an, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen."
Einer davon steht direkt neben ihm in der Werkstatt und arbeitet an einem 1941er Chevy 3100. Manuel Laubender, ein Schrauber aus Leidenschaft, hilft aus, wenn Not am Mann ist. Und er tut es unentgeltlich. "Ich möchte einfach noch dazulernen, und eine bessere Möglichkeit als diese Werkstatt kann ich mir gar nicht wünschen." Er ist selbst vom US-Car-Virus infiziert und seinen Traum vom "sportlichen Oldtimer" will er baldmöglichst verwirklichen.
Und noch eine Branche spürt den deutlichen Aufwind der Szene: die Autosattlerei. Der Meisterbetrieb Sauerschell in Oberschwappach setzt auf Wertarbeit. In der Garagenwerkstatt findet sich lediglich eine Nähmaschine, alles andere wird mit viel Liebe zum Detail von Hand gefertigt und ausgeführt.
Hier wirkt und arbeitet der Bundessieger des Wettbewerbs "Deutschlands bester Autosattler 2010" und zugleich "Deutschlands jüngster Meister", André Sauerschell, gemeinsam mit seinem Vater und seinem Großvater. "Bei uns paart sich Erfahrung mit Innovation", beschreibt Herbert Sauerschell den Generationspakt. "Mittlerweile kommen immer mehr Liebhaber von Oldtimern in unsere Werkstatt. Wir beraten gerne, und unsere langjährige Erfahrung kommt auch den Kunden zugute."
Dann präsentiert er stolz sein Bilderalbum, in dem er die Beweise seiner Sattlerkunst hinter Folie gebannt hat. Schmunzelnd zeigt sein Sohn ein paar Aufnahmen von wahren Schmuckstücken. Allerdings hat er sie schon digital abgespeichert.