Nahezu täglich treffen sich die Freizeitfußballer zum Bolzen im "Käfig". Die kleine Sportanlage mit Tartan-Belag ist für rund 60 junge Menschen ein fester Anlaufpunkt in ihrer Freizeit. Sie organisieren sich über das Netzwerk Facebook, sprechen sich ab, wer wann Zeit hat, dann kann es losgehen. Ins Trikot geschlüpft, Schuhe an und ab in den "Käfig".

Doch der soll so bald nicht mehr nutzbar sein, wenn es nach dem Turnverein Zeil geht: Der hat beim Bauausschuss der Stadt die alleinige Nutzung des Hartplatzes beantragt, unter anderem, um dort eine Hochsprunganlage zu errichten. Den Freizeitnutzern der Sportstätte stößt das sauer auf. Sie haben eine Unterschriftenaktion gestartet und die Bauausschussmitglieder gestern am Tuchanger getroffen.

Die jungen Freizeitsportler stammen überwiegend aus Zeil, ein paar Haßfurter sind dabei, etwa die Hälfte der Fußballer hat Migrationshintergrund. Dass sich eine so große, bunt gemischte Gruppe so gut organisiert und sich, wie der 20-jährige Marcel Krines betont, "blendend versteht", sagt im Grunde genommen alles: "Das ist Integration pur. Genau das, wonach alle immer verlangen." Das sehen auch die Mitglieder des städtischen Bauausschusses so: Nach einer durchaus hitzigen Diskussion mit Vertretern des TV Zeil und den jungen Fußballern hatten die Stadtvertreter den Eindruck, dass es keine faire Entscheidung wäre, den "Käfig" nur noch einseitig zugänglich zu machen. "Es ist ein öffentlicher Platz. Was ist mit den Fußballern? Wir müssen mit denen auch irgendwohin", sagte Zweiter Bürgermeister Helmut Trautner (SPD). Aber auch dem Zeiler Turnverein wollten die Politiker die sportliche Zukunft nicht verbauen.


Suche nach dem Kompromiss



Folglich war man um einen Kompromiss bemüht: Neben dem "Käfig" befinden sich zwei nicht mehr genutzte, ziemlich verwahrloste Tennisplätze, ebenfalls auf Stadtgrund. Einer davon könnte für die Fußballer umgestaltet werden: Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD) schlug den Bauausschussmitgliedern vor, dass die Stadt ein Angebot einholen soll, um zu sehen, was es kosten würde, einem der Tennisplätze einen neuen Belag zu verpassen und ihn zum Bolzplatz umzufunktionieren. Sobald das Angebot da ist, soll der Bauausschuss abstimmen, wie es weitergeht.

Falls die Umgestaltung die finanziellen Möglichkeiten der Stadt nicht sprengt, könnte es schnell gehen: Dann bekämen die Freizeitfußballer einen Alternativplatz, und die Sportler des TV könnten ihre (leistungs)sportlichen Ziele im "Käfig" besser verwirklichen.