Wo bisher Weizen gedroschen und Mais geerntet wurden, wächst zukünftig der Wald. Auf viereinhalb Hektar wurden Eicheln ausgesät und kürzlich haben die Mitarbeiter des Forstamtes der Universität Würzburg eine bunte Mischung von Schösslingen als Heckenstreifen eingepflanzt. Diese Aufforstung ist - ebenso wie die fachgerechte Anbringung von 45 Fledermaus- und Vogelnistkästen - eine Auflage der Naturschutzbehörde im Genehmigungsbescheid für den Windpark, der im Sailershäuser Wald entsteht. Zehn Windräder werden dort mit einem Investitionsvolumen von fast 46 Millionen Euro errichtet. Spätestens im November 2015 sollen sich die Rotoren drehen.

Bei einem Ortstermin erläuterte der Leiter des Forstamtes der Uni Würzburg, Hans Stark, die einzelnen Maßnahmen. Das Forstamt erledigt diese Arbeiten als Dienstleister für die Windpark-Gesellschaft. Die Eichelansaat wurde auf zwei Ackerflächen angelegt. Die größere der beiden Flächen befindet sich an der B 303 bei Kreuzthal, die etwas kleinere bei Wagenhausen.

Die Felder gehören der Universität und grenzen unmittelbar am Universitätswald an. Um die junge Saat gegen Wildschweine und Rehe zu schützen, wird das Areal etwa acht bis zehn Jahre lang eingezäunt bleiben.

Inmitten der beiden aufgeforsteten Flächen befinden sich sieben große Totholzhaufen aus ausgegrabenen Wurzelstöcken. Mit ihren Hohlräumen bieten sie zahlreichen Insekten und Vögeln Unterschlupf und Nistgelegenheiten. Der Heckensaum ist etwa zehn Meter breit und über eintausend Meter lang, flächenmäßig ergibt sich mehr als ein Hektar. In der artenreichen Anpflanzung finden sich unter anderem Heckenrosen, Schlehen, Wildbirnen, Speierling, Elsbeere und Feldahorn. Eine etwa 0,7 Hektar große Wiese verbleibt als Lichtung innerhalb der Aufforstungsfläche an der B 303.

Stark steht seit mehr als zehn Jahren an der Spitze des Forstamtes. In dem Gespräch vor Ort betonte er, dass sein Forstbetrieb von Anfang an eng bei der Planung und Standortauswahl der Windräder eingebunden war.
Deren Mehrzahl, zeigte er auf, stehe nicht in artenreichen Altholzbeständen mit viel ökologisch wertvollem Totholz, sondern in jungen Nadelholzschonungen. Auch Feuchtbiotope seien unberührt geblieben. Da auf diese Weise die Schäden so gering wie möglich gehalten werden sollen, profitiere die Natur in seinem Wald unter dem Strich von dem Projekt.

Eingehend erläuterte der Forstexperte die Vorgehensweise, um einen naturschützerischen "Mehrwert" zu erzielen. In einem ersten Schritt seien alle zu fällenden älteren Bäume mit Höhlen oder Spalten sowie alle Bäume mit einem Durchmesser von mehr als 60 Zentimetern, vollständig kartiert worden. Man zählte insgesamt 76 sogenannte Biotopbäume, die auf den Windrad-Standorten wuchsen. Im Verhältnis eins zu eins wurden sodann an anderer Stelle vergleichbare ältere Bäume gekennzeichnet, die nun völlig aus der forstwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen und so unter Schutz gestellt wurden.

Zusätzlich habe man eine weitere Waldfläche, nämlich einen Laubaltholzbestand von 1,5 Hektar, ebenfalls unter Naturschutz gestellt. Zweck dieser Maßnahmen sei es, dass sich in diesem von Menschen unberührten Gebiet weit verzweigte Lebensräume bilden können. Spechte, Baumläufer, Hornissen und Co. sollen in diesen Biotopen dauerhaft siedeln. Förderung der Artenvielfalt lautet das übergeordnete Ziel. Unter der Anleitung des Biologen Jürgen Thein, dem ökologischen Beauftragten der Baumaßnahme, wurden zudem 45 Fledermaus- und Vogelnistkästen angebracht. Die Kästen werden jährlich kontrolliert und gereinigt.

Der Windpark-Projektingenieur Markus Eichhorn ergänzte in diesem Zusammenhang, dass über einen Zeitraum von zwei Jahren nach Inbetriebnahme an zwei Standorten ein akustisches Fledermaus-Monitoring angesetzt werde. Eine weitere Naturschutzauflage, ebenfalls bereits umgesetzt, bestand darin, eine Wiese im Wässernachtal zu entbuschen. All diese im Genehmigungsbescheid vorgeschriebenen Ersatzmaßnahmen schlagen mit rund 150 000 Euro zu Buche, bezifferte Stark den finanziellen Aufwand. Knapp die Hälfte dieser Summe wurde für die Ersatzaufforstung gebraucht. Die ganze Aktion, meint Hans Stark abschließend, sei schon ein "ziemlicher Aufwand", dafür aber quantitativ und qualitativ ein Gewinn für die Natur.