Der Pfarrsaal war brechend voll, die Luft aber weit weniger dick als man nach den vielen beunruhigenden Nachrichten der letzten Wochen erwartet hätte: Erstmals seit dem Bekanntwerden der Vorfälle im Recyclingbetrieb Loacker hatten die Wonfurt bei einer Bürgerversammlung Gelegenheit, ihrem Ärger Luft zu machen. Das hätte zur Schlammschlacht werden können. Doch das Bürgerforum war von Sachlichkeit und von der Verunsicherung, die durch die zahlreichen widersprüchlichen Gutachten und Messergebnisse ausgelöst wird.

Vieles ist unklar

Der Wonfurter Bürgermeister Dieter Zehendner (CSU) versuchte in seinem Vortrag zum Einstieg in die Loacker-Problematik das schier Unmögliche: Er trug eine Reihe von Stellungnahmen aus den Behörden und von der Bürgerinitiative "Lebenswertes Wonfurt" sowie Zeitungsberichte vor, um den Stand der Dinge möglichst von allen Seiten zu beleuchten.
Doch dieser Stand ist vor allem eins: durch und durch widersprüchlich. Fakt ist, dass die Firma Loacker vor einigen Jahren die Betriebsanlagen der Firma Fichtner übernommen hat und dort wie das Vorgänger-Unternehmen Elektroschrott recycelt: Kabel und Kleingeräte wie Toaster werden sortiert und in einem Schredder zerkleinert, so dass in einem anderen Betrieb (nicht in Wonfurt) die wertvollen Stoffe Edelmetalle) vom unbrauchbaren Kunststoff etwa der Kabelummantelungen getrennt werden können.

Staub und Rauch

Bei der Lagerung und Zerkleinerung sowie beim Umladen der Schrottmengen entsteht Staub, der durch die offene Halle ins Freie gelangt. Das steht fest, und unstrittig ist ebenfalls, dass sich in der Schredderanlage wiederholt Plastikteile entzündet hatten und dass der Rauch, der in die Umgebung zog, mit Schadstoffen belastet war.
Dies alles räumt auch die Firma Loacker selbst ein, die sich laut Zehendner nicht zuletzt durch den Druck der Öffentlichkeit dazu gezwungen zieht, mit einer Millioneninvestition für geordnete Verhältnisse auf dem Gelände zu sorgen - wenngleich bislang niemand definitiv sagen kann, wie viel Staub und Rauch tatsächlich in die Umgebung gelangt ist und wie hoch die Schadstoffbelastung war oder ist.
Denn die Nachbarn der Firma Loacker fürchten nach wie vor, dass sich Schwermetalle und andere Giftstoffe in den Böden rund um das Firmengelände abgelagert haben. "Die haben die ganze Gegend vergiftet, und die Behörden haben viel zu lange zugeschaut", klagte am Rande der Versammlung im Wonfurter Pfarrsaal ein Bürger - nicht aus Wonfurt, sondern aus dem zwei Kilometer Luftlinie entfernten Wülflingen. So weit sollen die Staubwolken gezogen sein.

Der Blick geht nach vorne

Das alles ist Spekulation und bleibt es wohl auch. Eine großflächige Untersuchung von Luft und Böden auf die diversen Parameter, die in Frage kommen, ist schwierig bis unmöglich und die erfolgreiche Beweisführung gegen einen potenziellen Verursacher "so was wie ein Sechser im Lotto", wie es aus dem Umfeld der polizeilichen Ermittlungen gegen Loacker heißt. Wegen des Verdachts, dass die Firma umweltgefährdende Stoffe fahrlässig hat entweichen lassen, untersucht die Wasserschutzpolizei in Schweinfurt den Fall Loacker.
Das alles sind "Schritte in die richtige Richtung", sagte bei der Bürgerversammlung der Sprecher der Bürgerinitiative, Peter Werner. Mit Bürgermeister Zehendner sind sich die Bürger einig, dass der Blick jetzt nach vorne gehen muss: "Der Schutz unserer Bürger und der Umwelt hat absolutem Vorrang vor allem anderen", sagte Zehendner, und im Publikum murrten nicht wenige: "Es wird ja auch Zeit".

Dauerhafte Kontrolle

Und "Schutz" heißt: Die Firma muss alle Auflagen des Landratsamtes erfüllen. Mit drei Messstellen wird in den nächsten Monaten die Luftqualität rund um das Loacker-Gelände untersucht, Staubproben werden genommen. Zehendner will, wie er sagte, darauf drängen, dass diese Messstellen auf Dauer stehen bleiben und von der Firma Loacker bezahlt werden.
Nicht zuletzt von der Einhausung der Hallen erhoffen sich die Wonfurter mehr und dauerhafte Sicherheit. Locker lassen wollen sie jedenfalls nicht. "Drei Jahre lang hat von den Behörden keiner gesehen, dass die Halle offen ist. Wir gucken Loacker auf die Finger; und auch den Ämtern", sagte ein Wonfurter.