Nicht zu übersehen, aber doch unscheinbar: Für über vier Millionen Euro baute Ralf Ebner 2013 ein Logistikzentrum mit 8570 Paletten-Stellplätzen auf eine Ackerfläche zwischen Sandhof und Heubach. Was kaum einer ahnt, wenn er daran vorbei fährt: Darin befindet sich eines der Herzstücke der europäischen Automobilindustrie. Ein Verschiebebahnhof für hochwertige Motorenteile. Täglich werden Millionenwerte angeliefert, gelagert, abgeholt.

Nach nicht einmal zwei Jahren ist das Speditionszentrum schon wieder zu klein geworden. Die nun beantragte Erweiterung verdoppelt die Lagerfläche. Die Firma sucht zur Verstärkung der 51-köpfigen Belegschaft händeringend nach Lkw-Fahrern und Lager-Fachkräften.

Das Logistikzentrum soll doppelt so groß werden wie bisher. Weitere 10 000 Paletten-Stellplätze sind notwendig, um sich in einem hart umkämpften Wettbewerb zu behaupten. "Die Kunden bestehen darauf", erzählte Klaus Müller, der Prokurist und Neubau-Projektbeauftragte, am Rande eines Besuchs der Mitarbeiter der Verwaltungsgemeinschaft am Freitagnachmittag im Rahmen ihres Herbstausflugs (der dann im Fußmarsch weiter nach Eichelberg führte).


Europaweiter Umschlagplatz

Vor der Brotzeit tischte Müller im Ebnerschen Hochsicherheitstrakt brandheiße Informationen auf. Die Zentrale in der Heubacher Gemarkung hat sich zum Umschlagplatz für alle Hersteller von Katalysatoren in Europa entwickelt. "Die liefern ihre Rohlinge hier an, die wir zur Veredelung zum Weltmarktführer Johnson Matthey nach Skopje/Mazedonien fahren und von dort aus zurück nach Ebern, wo sie lagern, bis sie termingerecht direkt in die Autofabriken gebracht werden."

Und zwar europaweit. 20 eigene Lastwagen fahren unter der Ebner-Flagge. "Wir stocken weiter auf." Dazu noch etliche Subunternehmer, die alle die (Sicherheits-)Standards aufweisen, die für das Mutterhaus und die Edel-Spedition gelten. Prokurist Müller: "Zement und Holz kann jeder transportieren. Wir haben da viel höhere Ansprüche."


Wie in Fort Knox

Die sind mit Auflagen, Kosten, Termintreue und Renomee verbunden. "Unsere Disponenten wissen von jedem Lkw, wo und in welchem Gang er welche Tour fährt." Die bemerken auch, wenn auf einem Parkplatz der Tank angezapft werden sollte und leiten die Trucker an, wenn es Staus zu umfahren gilt. "Verzögerungen auf der Autobahn darf es nicht geben." Deswegen gibt es mit Michelin auch einen Vertrag, der garantiert, dass bei einer Reifenpanne der Pneu innerhalb von zwei Stunden ausgewechselt sein muss. Egal, wo der Laster auch steht.

Die GPS-Ortung für Zugmaschine und Auflieger dient bei solch wertvoller Fracht weniger der Kontrolle der Fahrer als der Sicherheit. Ein Aspekt, dem auch rund um das Logistikzentrum höchste Priorität beigemessen wird. Hochsensible Kamera-Überwachung innen und außen wie in Fort Knox. "Wenn außerhalb der Betriebszeit eine Maus durchläuft, löst das einen Alarm aus", versichert Müller, während rings die Gabelstaplerfahrer geschäftig wie Ameisen herumkurven.

Dabei führte er den Besuchern aus der Stadtverwaltung auch die einzige Lärmquelle vorgeführt. Beim Beladen eines Lkws scheppert es, wenn der elektrische Hubwagen über die Rampe in den Innenraum fährt. Dies erfolgt aber nur in den Ladeschleusen zur ohnedies lauten Bundesstraße hin.


Stoßbetrieb entzerrt

"Wir haben mit allen Kunden zwischenzeitlich auch Zeitfenster vereinbart, in denen sie anliefern dürfen, da wir früher schon einmal bis zu 17 Lkws vor der Tür stehen hatten", geht Müller auf einen weiteren Kritikpunkt ein. Durchschnittlich fahren 20 Laster das Logistikzentrum an einem Werktag.

Weiter verwies Müller auf einen neuen Standort in der einstigen Kaserne , wo neuerdings auf 20 000 Quadratmetern Waren der Fränkischen Rohrwerke gelagert werden.