Sonntag, 16 Uhr. Tote Hose in der Innenstadt? Noch dazu an einem verregneten Nachmittag. Nicht so am vergangenen Sonntag. Multi-Kulti mitten in der Stadt. Die Neubürger-Begrüßung durch Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) strahlte durch die anschließenden Stadtführungen nicht nur in die Altstadtgassen, sondern in alle Welt aus. Nach Syrien, nach Eritrea, nach Afghanistan und bis knapp vor den Himalaya wurden Fotos und Videos geschickt, die mittels Tablet oder Handy aufgenommen worden waren.

Die Asylbewerber(-familien) waren nebst ihren Paten in so großer Anzahl in die Xaver-Mayr-Galerie gekommen, dass der Museumsdienst das Stricheln auf der Besucherliste schnell aufgab.

250 Einladungen waren laut Bürgermeister an Neubürger rausgegangen, die sich seit der letzten Veranstaltung im Einwohnermeldeamt angemeldet hatten. Das entspricht dem Normalmaß. "So viele ziehen pro Jahr hierher und auch weg", lehre die Erfahrung, so der Bürgermeister. "Damit bleibt die Einwohnerzahl auch konstant. Wenn Ebern jetzt wieder etwas wächst, liegt das an den registrierten Asylbewerbern."


Aus allen Herren Länder

Dass es davon sehr viele gibt, wurde am Sonntag deutlich, da sie mit "Kind und Kegel", und ihren Paten gekommen waren. "Gesichter aus allen Herren Länder", staunte die Mutter eines Jungmusikers, der im Junior-Orchester unter Leitung von Christian Baum für die musikalische Umrahmung sorgte.

Deutschstämmige Neubürger blieben eine Minderheit. Zwei junge Familien fielen erst auf, als es um die Einteilung für die anschließende Stadtführung ging, die multilingual angeboten wurde: Auf Arabisch, Russisch, in Englisch und Französisch und "natürlich auch auf Deutsch", wie der Bürgermeister nachschob und dabei auf eine bewährte Kraft verwies: Türmer Armin Dominka, der mehrfach als Fotomotiv posieren musste, da ihn besonders jugendliche Asylbewerber als Exot ablichten und einen Eindruck davon in die (alte?) Heimat schicken wollten.

Dominkas Informationen als Stadtführer übersetzten als Dolmetcher der Baunacher Firmeninhaber Zafouri, der aus Syrien stammt, wie auch Rudi Hein vom Friedrich-Rückert-Gymnasium, der ja sogar über China-Erfahrungen verfügt.

Die Begrüßung erfolgte aber auf Ur-Fränkisch. Bürgermeister Hennemann verwies darauf, dass "in Ebern immer etwas los ist" und verwies dabei auf den Veranstaltungskalender wie auch das Programm zum Rücker-Jubiläumsjahr. "Wir unterhalten uns in unserer kleinen Stadt, was man gemeinsam auf die Beinen stellen kann und ergreifen die Initiative", beschwor Hennemann den Gemeinschaftsgeist.

Der auch in anderer Form zum Ausdruck komme. "Hier leben Nachbarn nicht anonym nebeneinander, sondern gehen aufeinander zu."


Christliche Angebote für Muslime

Das Bemühen um eine familienfreundliche Stadt machte der Bürgermeister am geplanten Neubau eines Kindergartens fest, der zusammen mit einem Pflegeheim für Senioren entstehen soll.

"Wir versuchen, den christlichen Glauben gemeinsam zu organisieren", sagten die beiden Geistlichen Bernd Grosser und Rudolf Theiler für die beiden Kirchengemeinden. Und weil es sich bei vielen der Zuhörer um Muslime handelte, sprach Grosser von einem "Glauben, der sozial aktiv wird", wie sich an den vielen Mitmachern im Asylhelferkreis zeige, der von den Kirchengemeinden initiiert worden sei. Für den Kulturring stellte Walter Ullrich noch dessen 107 Mitgliedsvereine und deren kulturelle, musische und sportlichen Angebote vor.