Die Traubenlese im Abt-Degen-Weintal ist im vollen Gange. Überall ernten Winzer zusammen mit hunderten Helfern die süßen, prallen Trauben. Aktuell sind die späten Sorten wie Silvaner, Riesling, Spätburgunder und Schwarzriesling an der Reihe. So auch bei Winzer Udo Vogt aus Oberschwappach. Dabei helfen ihm viele Freunde und Verwandte.

Von seinen 1,3 Hektar Rebfläche liest der Oberschwappacher ein Drittel noch per Hand - für den Rest greift er auf einen Vollernter zurück. Heute steht der Silvaner an. "Der gehört zu den Sorten, die ich lieber per Hand lese", erklärt Udo Vogt. Der Vollernter schüttelt nämlich "nur" die Beeren von den Rappen (Stiele und Stängel). Bei der Handlese hingegen werden die Beeren mitsamt den Rappen abgeschnitten und landen gemeinsam in der Presse. "Das steigert die Qualität beim Wein."

Allerdings bedeutet die Handlese auch einen enormen Mehraufwand, der ohne helfende Hände nicht zu bewältigen wäre. Daher unterstützen zehn bis zwölf Freiwillige das Ehepaar Vogt. "Ich hab' schon im Weinberg unserer Eltern geholfen, da war Udo noch gar nicht auf der Welt", erinnert sich Berta Markfelder, Udo Vogts Schwester.

Nach so vielen Jahren Erfahrung traut sie sich zu, jede Weinsorte am Geschmack der Beere zu erkennen. "Der Silvaner ist mein Lieblingswein", erzählt die Wohnauerin weiter und bekommt sofort Zustimmung von Sandra Vogt. Auch sie gehört zur Familie und hilft schon seit zwölf Jahren beim Lesen mit. "Ich bin bei schönem Wetter gerne in der Natur. Außerdem kennen wir uns und arbeiten perfekt Hand in Hand."

Außerdem loben alle den Zusammenhalt. "Ich freue mich immer wieder aufs Lesen, die Gesellschaft und unsere netten Unterhaltungen", sagt Luzia Finster. Sie kommt, wie auch Lesehelfer Michael Dörner, aus dem Nachbarort Wohnau. Die Nachbarschaftshilfe und der Freundschaftsdienst werden groß geschrieben - selbst Dörfer übergreifend. Sogar aus Sand rücken fleißige Erntehelfer an: Sabine und Stefan Rippstein. "Mir macht das Lesen Spaß und ich finde es auch nicht sonderlich anstrengend", meint Sabine Rippstein. Und Spaß ist ja bekanntermaßen bei jeder Arbeit das Wichtigste. Damit das auch so bleibt, hält das Ehepaar Vogt die Einheiten möglichst kurz. "Wir arbeiten drei, vier Stunden und dann gibt's für alle eine Brotzeit", verrät Bettina Vogt.

Zudem ist Erfahrung ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Traubenernte. Denn ein geschultes Auge erkennt sofort, ob die Beeren vollreif sind. Nur dann können sie ihr gesamtes Aroma entfalten. Die Kunst des Winzers ist es, diesen Zeitpunkt genau abzupassen. Das war diesmal gar nicht so einfach. Nach einem sehr guten Jahr waren die Trauben in ihrer Entwicklung immer voraus. Aber dann machte der stark verregnete August den Winzern einen Strich durch die Rechnung. Der Vegetationsvorsprung war mit einem Mal dahin - die Qualität verschlechterte sich. "Wir haben auf den September gehofft", berichtet Udo Vogt. Doch auch der September zeigte sich durchwachsen mit vielen Niederschlägen.

Die prallen Trauben der frühen Sorten - wie Müller-Thurgau oder Bacchus - platzten leicht auf. Die Fäulnis drohte die kostbaren Beeren zu befallen. Die Winzer mussten jetzt schnell handeln und eingreifen. "Wir hoffen, keine Fehltöne zu bekommen", erklärt der Fachmann. Denn auch im Weinkeller kann passieren, was jede Hausfrau vom Marmeladeneinkochen kennt. Zwischen die reifen Früchte schmuggeln sich faule und machen den herrlich süßen, fruchtigen Geschmack zunichte.

"Über die Qualität kann man erst zuverlässige Aussagen treffen, wenn der Wein im Keller ist. Im Moment ist sie bei den frühen Sorten leicht überdurchschnittlich - Anfang Kabinett." Sehr gut sieht es bei den späten Sorten aus. "Diese sind wirklich gesund", weiß der Winzer.

Das macht Stress

Das Wetter versetzte auch Markus Weißenseel aus Traustadt mächtig in Stress. Er steuert seit neun Jahren seinen Vollernter von Weinberg zu Weinberg und schüttelt dort die reifen Trauben ab. "Das musste heuer bei Bacchus und Müller-Thurgau schnell gehen. Sonst haben wir etwa zweieinhalb Wochen Zeit, dieses Mal nur eine." Das bedeutet für Markus Weißenseel lange Tage und kurze Nächte. "Seit zwei Wochen muss ich mit zwei, drei Stunden Schlaf auskommen." Denn meist beginnt er mit seiner Arbeit schon zwischen drei und vier Uhr, da die kühleren Temperaturen dem Vollernter entgegen kommen. Zusätzlich benötigt der Winzer und Landmaschinenmechaniker-Meister eineinhalb Stunden, um sein Gefährt per Feuerwehrschlauch zur reinigen.

Sehr ordentlich

Unter normalen Umstanden kann der Vollernter problemlos Steigungen bis zu 35 Prozent erklimmen. Ein beeindruckendes Bild, wenn man sieht, wie sich die riesige Maschine von Reihe zu Reihe bewegt. Dabei arbeite sie sehr ordentlich, berichtet Karola Schramm vom hiesigen Gasthaus. Sie wagt das "Experiment" Vollernter das erste Mal und ist hoch zufrieden. "Es geht schneller und ich brauche (fast) keine zusätzlichen Helfer." Die Trauben liefert sie direkt an die GWF (Gebietswinzergenossenschaft Franken) und bezieht später von dort ihren Wein.

Bei Udo Vogt ist das anders. Der Winzer bringt seine frisch gelesenen Trauben direkt zur Kelter und lässt sie dort pressen. In Donnersdorf angekommen, erwartet ihn schon Alvin Solf. Der ist selbst Winzer und betreibt zusammen mit sechs anderen Weinbauern die Kelter. Pro Jahr werden dort etwa 650 Hektoliter von 20 Winzern umgesetzt. "Wir pressen jetzt schon in der vierten Woche. In diesem Jahr war nämlich unser frühester Presstermin aller Zeiten - am 12. September", erzählt der Experte, während er die Presse im Auge behält.

"Der Vorgang dauert beim Silvaner etwa zwei Stunden, beim Müller-Thurgau geht das viel schneller", schildert Solf. Jede Sorte hat ihre Eigenheiten, die man für eine optimale Qualität beachten muss. Nach dem Pressen reift der Most rund fünf bis sechs Tage, bevor er dann in der Heckenwirtschaft ausgeschenkt wird. Dort beglückt er viele Heckenbesucher - oder aber er reift in vielen Schritten zu einem charaktervollen Wein. Janina Selig