Der Flüchtende ignorierte auf Rot geschaltete Ampeln, Geschwindigkeitsbeschränkungen und Fahrverbote in Fußgängerzonen - und bekam jetzt vor dem Jugendgericht am Amtsgericht in Haßfurt die Quittung: Er wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Der 20-jährige Angeklagte schwieg vor dem Jugendgericht. Es ist sein Recht, zur Sache nicht auszusagen. Drei geladene Beamte der Polizeiinspektion aus Schweinfurt schilderten im Zeugenstand detailliert den Ablauf.
Der im Maintal bei seinen Eltern lebende junge Mann war an diesem Abend nach Schweinfurt gefahren, um ein gebrauchtes Auto, einen Volvo, zu kaufen. Käufer und Verkäufer wurden sich schnell einig. Aber das Fahrzeug war abgemeldet, und der Bursche hatte sich kein Überführungskennzeichen besorgt. Zufällig entdeckte er in der Garage des Verkäufers ein altes, längst abgelaufenes rotes Nummernschild. In Nullkommanichts schraubte er es an den gekauften Wagen, setzte sich ans Steuer und fuhr los.


Zufällige Begegnung mit der Polizei



Wie es der Zufall will, tauchte nach kurzer Fahrt vor ihm ein Polizeiwagen auf. Der Polizistin, die am Steuer saß, sowie dem neben ihr sitzenden Beamten fiel im Rückspiegel das rote Kennzeichen auf. Die Polizeibeamtin bremste ihr Fahrzeug ab, und als das nachfolgende Auto überholte, wurde ihr Verdacht zur Gewissheit: Das Schild war längst abgelaufen.

Mit einem Stopp-Signal wollte sie den jungen Fahrer veranlassen anzuhalten. Als der das ignorierte, schalteten die Ordnungshüter Blaulicht und Martinshorn ein. Schließlich versuchten sie per Außenlautsprecher, den Flüchtenden zum Anhalten zu bewegen. Der dachte gar nicht daran und gab Vollgas. Quer durch die Stadt führte die wilde Jagd, schließlich steuerte der Rennfahrer seinen Volvo Richtung Stadtlauringen.

Über die Landstraße brausten die Autos mit rund 150 Stundenkilometern, durch die Ortschaften hatten sie etwa 100 "Sachen" drauf, sagte die Polizistin. Inzwischen beteiligte sich ein zweiter Streifenwagen, über Funk alarmiert, an der Verfolgung. Die Streifenpolizistin versuchte, den Volvo zu überholen, um ihn zusammen mit den Kollegen in die Zange zu nehmen. Der erkannte die Absicht der Verfolger, scherte nach links aus und hielt sich in der Fahrbahnmitte. Nicht zu überholen.


Polizistin erlitt Wirbelsäulentrauma



Ein dritter Streifenwagen fuhr daraufhin zum Ortsausgang von Wettringen und stellte sich quer. Da er an dieser Sperre nicht vorbeikam, versuchte der 20-Jährige, seitlich auszuweichen. Dabei knallte er mit dem Heck seines Autos gegen den Kotflügel des Polizeiwagens. Dessen Fahrerin erlitt dadurch ein Halswirbel-Trauma und war fünf Tage arbeitsunfähig. Am Polizeiauto entstand ein Sachschaden von 4871 Euro.

Durch eine Seitengasse wollte der Flüchtende entkommen, aber die endete in einer Sackgasse. Aus die Maus! Der Mann wurde festgenommen. Wie sich herausstellte, besaß er keine Fahrerlaubnis. Mit seiner irrwitzigen Aktion hat der arbeitslose Angeklagte eine ganze Latte von Straftaten begangen. Sie umfasst gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Fahren ohne Fahrerlaubnis.

Das Jugendgericht am Amtsgericht in Haßfurt brummte ihm eine zehnmonatige Bewährungsstrafe auf; dazu kommen ein dreimonatiges Fahrverbot, eine zweijährige Sperre des Führerscheins und 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit. "Bei der nächsten Kleinigkeit, die Sie sich zuschulden kommen lassen", betonte der Jugendrichter Martin Kober, "wird die Bewährung widerrufen, und Sie landen hinter Schloss und Riegel."