Eine lose Zunge hat so mancher schon bereut. Wenn es ganz dumm läuft, landet man dafür sogar vor den Schranken des Haßfurter Amtsgerichts. Genau dies passierte einem 55 Jahre alten Mann aus dem benachbarten Bamberger Landkreis. Weil er vier Mitglieder der Ermershäuser Feuerwehr mit einem üblen Ausdruck beschimpfte, musste er sich wegen Beleidigung verantworten. Der nicht vorbestrafte Mann wurde zwar nicht verurteilt, muss aber trotzdem 1000 Euro berappen.

Zu der verbalen Entgleisung kam es am 20. Februar dieses Jahres auf der Bundesstraße 279 nahe Maroldsweisach. Anlässlich eines Verkehrsunfalls waren die Feuerwehrleute bereits eine ganze Weile vor Ort, bevor der Angeklagte, der in einem Abschleppunternehmen tätig ist, ebenfalls eintraf. Offensichtlich herrschte am Tatort eine etwas gereizte Stimmung, weil der Pannendienst einige Zeit gebraucht hatte.


Die Chemie stimmte nicht

Rechtsanwalt Christian Müller charakterisierte die damalige Situation mit folgenden Worten: "Da hat die Chemie zwischen den Beteiligten überhaupt nicht gepasst." Wie so oft gab ein Wort das andere, bis schließlich der Kraftausdruck fiel. Mit den Worten "Er ist halt kein Meister der filigranen Formulierung" bat der Verteidiger um ein gewisses Verständnis für das unzulässige Verhalten seines Mandanten. Aus seiner Sicht handelte es sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände. Dass die Reue des Angeklagten nicht bloß ein Lippenbekenntnis war, sah man, als er sich per Handschlag persönlich bei jedem der Beleidigten entschuldigte.

Zu der Verhandlung war es gekommen, weil der Unternehmer gegen einen Strafbefehl des Staatsanwalts Einspruch eingelegt hatte. Laut diesem Strafbefehl hätte er eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen á 50 Euro, also insgesamt 1000 Euro zahlen sollen. Hätte er dies akzeptiert, wäre es einer Verurteilung gleichgekommen. Mit Hinweis darauf, dass der Mann strafrechtlich über eine blitzsaubere, weiße Weste verfügt, regte der Anwalt an, auf eine Verurteilung zu verzichten und das Strafverfahren einzustellen.

Unter der Bedingung, dass die Einstellung unter einer Geldauflage erfolgt, zeigte sich auch Staatsanwalt Ralf Hofmann einverstanden. Damit bleibt das Vorstrafenregister des Angeklagten "sauber". In die Tasche muss er dennoch greifen. Diese 1000-Euro-Geldauflage geht zur Hälfte an die Staatskasse und zur anderen Hälfte an die Freiwillige Feuerwehr Ermershausen.


Für den Nachwuchs

Wie deren Kommandant im Gerichtssaal versicherte, werde er "seine" 500 Euro ungeschmälert der Jugendfeuerwehr zukommen lassen. Der Nachwuchs kann die "Mäuse" gut gebrauchen, steht doch ein Sommer-Zeltlager vor der Tür.