Der Fachbegriff sagt den wenigsten etwas. Aber ein Installateur wüsste sofort Bescheid, was gemeint ist: Fittings werden hier produziert. Es sind Verbindungsstücke für Rohre, oft in T-Form, aber auch als Winkel oder Bogen. Silbern glänzt die veredelte Oberfläche, doch das Material besteht aus verschiedenen Messinglegierungen. "Wir stellen hier das komplette Metallsortiment her, montieren aber auch die Kunststoff-Fittings, die in Finnland produziert werden", sagt Stefan Endres, der Produktionsleiter in Haßfurt.

Endres arbeitet für Uponor. Der börsennotierte finnische Konzern mit einer Vielzahl von Gesellschaftern hatte vor rund 15 Jahren Geschäftsfelder des Haßfurter Unternehmens Unicor erworben. Seitdem sind die Finnen in der unterfränkischen Kreisstadt präsent, haben dort einen ihrer Zentralstandorte und organisieren von hier aus Vertrieb und Marketing für Zentraleuropa.

Rohrfertigung seit Januar

Uponor ist heute in 30 Ländern aktiv. 550 der weltweit 4000 Beschäftigten arbeiten in Haßfurt. Davon sind aktuell 128 in der Produktion tätig, berichtet Endres. Vieles läuft inzwischen hochautomatisiert ab. Für die Fertigung der 300 bis 400 verschiedenen Fitting-Modelle sind nur noch stellenweise einige Handgriffe nötig.
Ebenso für das neueste Haßfurter Produkt. Ein vorisoliertes Rohrsystem für die Erdverlegung, vor allem für Fernwärmeleitungen vorgesehen. Zu Jahresbeginn hatte Uponor die Fertigung dieses Produkts von einem Standort in Nordrhein-Westfalen nach Haßfurt verlegt. Jetzt steht hier eine 55 Meter lange Maschine, ummantelt in einem Arbeitsgang Kunststoffrohre von einer Spule Schritt für Schritt mit Dämmschaum und schwarzer Kunststoffhülle bis am Ende ein 14 bis 25 Zentimeter dickes biegsames Rohr entsteht, das auf großen Spulen gelagert wird. Diese Fertigung läuft laut Thomas Bonfig, Produktionsmanager für das Rohrsystem, wöchentlich fünf Tage rund um die Uhr mit jeweils zwei Mitarbeitern.

Alle Arten von Gebäuden

"Die Produktion bestimmter Teile in Haßfurt ist das eine, wir kümmern uns hier aber vor allem auch um den Verkauf ganzer Systeme", sagt Martin Thürmer, Uponor-Personalleiter für Europa. Trinkwasserinstallationen seien dabei das Hauptbetätigungsfeld. "Von der Wasseruhr bis zum Wasserhahn", ergänzt Guido Scharch, Thürmers Mitarbeiter und verantwortlich für die Personalführung in Deutschland. Daneben biete Uponor Systeme zum Heizen und Kühlen - von der Flächenheizung in Fußboden, Wand oder Decke bis zur Betonkernaktivierung. "Wir versorgen Einfamilienhäuser, öffentliche Gebäude und Industriegebäude", beschreibt Thürmer das Angebot.
Uponor kümmert sich darum, dass Wasser fließt - zum Trinken, aber auch zum Beispiel im Heiz- oder Kühlkreislauf. "Wir machen die Übertragung, aber nicht die Erzeugung von Wärme und Kälte", stellt Georg Goldbach, Vertriebs- und Marketingleiter für Zentraleuropa, klar.
Das Geschäft mit Trinkwasserinstallationen ist laut Goldbach auch der größte Umsatzbringer in seinem Geschäftsfeld. 60 Prozent der Einnahmen erziele Uponor hiermit. Heizen und Kühlen bringen es auf 30 Prozent, die seit Januar in Haßfurt gefertigten Rohrsysteme liegen bei zehn Prozent.

Weiterer Standort in Thüringen

Da kein System ohne Verbindungen installiert werden kann, werden die in Haßfurt produzierten Fittings überall eingesetzt. "40 Millionen werden hier pro Jahr hergestellt", sagt Goldbach.
Nur 120 Kilometer entfernt von Haßfurt betreibt Uponor einen weiteren Standort. In Zella-Mehlis (Thüringen) fertigen 120 Mitarbeiter die nötigen Verbundrohre aus Metall- und Kunststoff, um das Trinkwasser in Gebäuden zu transportieren.

Auftrieb durch Energiewende

Aber Goldbach stellt klar: "Wir sind weit weg vom Rohrproduzenten. Wir sind ein Systemanbieter." Ein großes Zukunftsfeld sieht der Vertriebschef in der Energiewende. "Die geht nur über die Gebäudetechnik. 40 Prozent der gesamten Primärenergie wird in Gebäuden verbraucht. Da sind unsere Lösungen gefragt."
In Europa ist Deutschland laut Goldbach noch vor Finnland der größte Einzelmarkt von Uponor. "Es war einmal Spanien. Aber nach der Immobilienkrise 2006 ist das Land weit zurückgerutscht." Auch Russland sei stark. Die Logistik für die Osteuropäer, aber auch für Zentraleuropa wird seit kurzem in einem neuen Logistikzentrum in Haßfurt abgewickelt. Gestern war offizielle Inbetriebnahme. Jetzt habe man hierfür dreimal so viel Platz wie bisher, sagte Heiko Folgmann, Geschäftsführer der Uponor GmbH.