Ein recht kostenintensives Umbauvorhaben hat die Gemeinde Untermerzbach zu bewältigen. Sie hat das Anwesen Marktplatz 7 gegenüber dem Rathaus erworben und will es zu einer Bürgerwerkstatt umbauen. Dabei müssen einige Gesichtspunkte beachtet werden, um Zuschüsse aus der Städtebauförderung zu erhalten.

Eine Premiere gab es auch im Sitzungssaal des Rathauses, der nach seiner Sanierung vom Bauausschuss am Dienstag erstmals offiziell genutzt wurde, wie Bürgermeister Helmut Dietz sagte. Dort stellten die Diplomingenieure Thomas Peetz aus Coburg und Martin Burgsmüller aus Seßlach von der Projektgemeinschaft ihre Gedanken zum Umbau der ehemaligen Metzgerei zur Bürgerwerkstatt dem Bauausschuss vor.

"Gegenüber unseren ersten Gedanken wurde in einigen Punkten umgedacht und auch die Scheune des Anwesens hat so ihre Herausforderungen", sagte Helmut Dietz zu Beginn der Sitzung.

Thomas Peetz erläuterte ausführlich Planungen für eine künftige Nutzung des Gebäudes. "Die Straßenfassade des Anwesens soll mit ihrer künftigen Optik eine Bereicherung werden", sagte er. Anhand der aufgelegten Pläne begab er sich auf einen Streifzug durch Erd- Ober- und Dachgeschoss des alten Anwesens. Hierbei ging er explizit auf die künftige Nutzung der Räume und die erforderlichen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen ein.

So soll zum Beispiel die WC-Anlage öffentlich zugänglich sein, damit auch Wanderer oder Touristen sie nutzen können. Ein Raum wird für die Waageausstellung der Exponate von Peter Ulrich, die bisher im "Komm" untergebracht ist, vorgesehen. Das Foyer soll als Ausstellungsraum nutzbar sein und insgesamt ist eine "Mehrzwecknutzung für die Bürger" vorgesehen.

Das Obergeschoss soll mit einem Treppenlift auch für Behinderte zugänglich gemacht werden. Der Innenhof wird eine architektonische Aufwertung erfahren und das Ensemble soll "nach außen in alter Tradition wirken", sagte Peetz.

"Im Hinblick auf einen Antrag auf Fördermittel aus der Städtebauförderung sind wir schon weit", erklärte Martin Burgsmüller. Die Kosten wurden bereits ermittelt.

"Das historisch gewachsene Haus soll insgesamt erhalten werden, Sandsteinmauern werden freigelegt, und im Obergeschoss sollen die Holzböden weitgehend erhalten werden", so Burgsmüller. Probleme bereite Schädlingsbefall im Dachgebälk des Haupthauses.

Gedacht ist an eine Gasheizung und im Untergeschoss sollen Fliesen verlegt werden. Einen Rückbau der alten Scheune würde er für sinnvoll erachten. Falls das aber nicht möglich sei, müsse sie Stück für Stück "ertüchtigt" werden.

Die Gesamtbruttokosten für die Maßnahme bezifferte Martin Burgsmüller mit 865 000 Euro. Nach seiner Vorstellung könnten 2016 die Abbruch- und Neubauarbeiten beginnen bei einem Kostenansatz von 320 000 Euro. Ein Jahr später sollte der Innenausbau und die Fertigstellung erfolgen, die Kosten dafür belaufen sich auf 427 000 Euro. Dazu kommen jeweils noch Kosten für Architekten und Statik.

Bürgermeister Helmut Dietz (SPD) legte großen Wert darauf, dass die Anforderungen der Städtebauförderung berücksichtigt werden. "Jetzt brauchen wir erst einmal die Zusage, ob dort das Objekt aufgenommen wird", sagte er.

Auf Anfrage antwortete Dietz, dass mit einer Förderung von 60 Prozent bis möglicherweise 75 Prozent zu rechnen sei. Das Gremium beschloss einstimmig, dem Gemeinderat die Umbaumaßnahmen in der von den beiden Architekten dargelegten Form zu empfehlen.


Aus dem Gemeinderat kurz berichtet:

Bürgermeister Dietz erläuterte, dass die Untersuchung der Abwasseranlage in Untermerzbach abgeschlossen sei mit Gesamtinvestitionen von 123 000 Euro. "Dringlich" müssen Sanierungsarbeiten für 42 000 Euro erledigt werden. Längerfristig stünden weitere Sanierungsmaßnahmen der Anlage mit Kosten von 81 000 Euro an.
"Wir sollten nach und nach alle Abschnitte komplett sanieren um später keine größeren Überraschungen erleben zu müssen", schlug der Bürgermeister vor. Das wurde so vom Gremium akzeptiert. Allerdings will man vor dem Start der Arbeiten noch ein Förderprogramm der Regierung abwarten, um hieraus schöpfen zu können.

Am hinteren Eingang des Rathauses muss im Außenbereich oberhalb der Treppe neu gepflaster werden. "Es macht keinen Sinn, den schadhaften Belag zu ersetzen", sagte der Bürgermeister. Sinnvoller wäre eine Erneuerung mit einem kleinen Gefälle, sodass das Wasser von der etwa vier Meter großen Fläche ablaufen könne. Die Frage sei, ob man Sandstein oder Granit verlege. Da Granit gegenüber dem Angebot mit Sandstein nur 300 Euro mehr kostet, entschied sich der Bauausschuss dafür. Robert Bohla "rümpfte" die Nase: "5400 Euro für die vier Quadratmeter ist doch schon recht heftig."

Mehrkosten fallen für die Holzarbeiten bei der Sanierung des Rathaus-Westgiebels an. "Es zeigte sich, dass die Sanierung der Westseite einige Probleme aufwarf und gar nicht so leicht durchzuführen ist", so Dietz.

Schließlich warb der Bürgermeister darum, dass sich für die Ortsteile Gereuth, Obermerzbach und Recheldorf Freiwillige finden, die beim Programm "Bürger helfen Bürger" mit anpacken. Den Bauauschussmitgliedern aus den betreffenden Ortschaften gab er das als "Hausaufgabe" mit auf den Weg.