Mit der Elektromobilität machte Energieberater Günther Lieberth die Mitglieder des Lions-Clubs Haßberge vertraut. Eingangs seines Vortrags in Königsberg konnten drei verschiedene, rein elektrisch betriebene Fahrzeuge besichtigt werden, dann ging es in die Tiefen von Technik und Nutzen.

Günther Lieberth zeigte zunächst die Entwicklung der Elektro-Fahrzeuge auf, die zur Überraschung einiger Zuhörer schon vor fast 200 Jahren begann. In der Neuzeit war das in Unterfranken entwickelte und gebaute "CityEL" der Vorreiter auf den Straßen, heute gibt es eine breite Palette an Fahrzeugen verschiedener Hersteller, bis hin zum leistungsstärksten Fahrzeug von Tesla. Anders als sonst setzten die wesentlichen Akzente bei der Elektromobilität nicht die klassischen Autobauer, sondern eher Software-Firmen, erklärte Lieberth.

Um die 150 Kilometer

Er zeigte auf, dass eine Elektromotor um ein Vielfaches effektiver arbeitet als ein Verbrennungsmotor. Kritisch sähen viele Autofahrer derzeit die Akku-Reichweiten. Dass hier die Entwicklung noch viele Möglichkeiten hat, zeige Tesla, so Lieberth, doch auch die derzeitigen Reichweiten der meisten Fahrzeuge von um die 150 Kilometer genügten für die meisten Autonutzer. Die Statistik zeige, dass 75 Prozent aller Fahrten Kurzstrecken sind, die mit den aktuellen Elektrofahrzeugen mehrfach bewältigt werden können.
Der hohe Anschaffungspreis bei vielen Herstellern werde sich mit größeren Absatzzahlen sicherlich auch noch relativieren, so Lieberth. Man müsse auch gegenrechnen, dass ein Elektrofahrzeug viele Verschleißteile nicht hat, die bei einem Verbrennungs-Auto regelmäßig Kosten verursachen. "Da sind eigentlich nur Bremsen, Reifen und Stoßdämpfer", erklärte er im Gespräch.

Ständig im Aufbau befinde sich das Netz an Tanksäulen, allerdings leide diese Versorgung unter den verschiedenen Ladesystemen. Trotz der Bemühung um einen europaweiten Standard brächten Hersteller immer wieder eigene Systeme auf den Markt, so dass ihre Ladesäulen nur vom eigenen Produkt genutzt werden können. Wenn das "Tankstellennetz" auf Kosten des Herstellers entsteht, sei das durchaus auch in Ordnung, so Lieberth, doch staatliche Förderungen für solche Exklusiv-Nutzungen seien bedenklich.

Bisweilen kompliziert

Der Sache insgesamt sei es natürlich nicht förderlich, wenn das "Tanken" kompliziert ist. Die meisten Elektrofahrzeuge würden zwar in der heimischen Garage geladen, doch dank moderner App-Systeme müsse man auch bei längeren Fahrten nicht liegen bleiben, so Lieberth. Allerdings brauche eine Reise mit einem Elektroauto mehr Planung als die Tour mit einem klassischen Pkw, gestand er in der Diskussion ein.

Auftakt in Haßfurt

Diese Mehrfachstruktur auch in Sachen Zugang zu den Ladesäulen, für die es verschiedene Karten und Schlüssel gibt, kritisierten die Zuhörer. Hier sei mehr Planung gefordert, hieß es.
Zu den Akkus informierte Lieberth, dass diese, wenn sie die Leistung für Fahrzeuge nicht mehr bringen, noch sehr gut und viele Jahre lang als Speicher für regenerative Energien in Haushalten genutzt werden können.
Auch wenn Deutschland insgesamt noch recht weit von der offiziellen Zielsetzung von einer Million Elektrofahrzeuge im Jahr 2020 entfernt ist, zeige sich der Kreis Haßberge mal wieder als Vorreiter, erklärte Günther Lieberth. 40 reine Elektro- und 50 Hybridfahrzeuge sind hier zugelassen, die erste öffentliche Ladestation wurde schon 2001 am Haßfurter Bahnhof eröffnet, was Lions-Mitglied und Altlandrat Rudolf Handwerker ein zufriedenes Lächeln auf das Gesicht zauberte. Nach dem Solar-Carport am Haßfurter Freizeitzentrum kamen einige Ladesäulen dazu, allerdings fast alle im Bereich Maintal und Steigerwald, im Haßgau gibt es noch einen deutlichen Nachholbedarf.

Die Lions zeigten sich beeindruckt von den Details. Präsident Alexander Ambros dankte dem Referenten für den Vortrag.