Keine Frage, das Teil sieht sehr geschmeidig aus. Sportliche Konturen, Porsche-Glubschaugen, Cabrio-Vorrichtung, Windschnittigkeit, alles da. Und 34 Pferdestärken. Giudo Komke schmunzelt. Nicht umsonst habe man das Auto früher Bauern-Porsche genannt. Sieht nach mehr aus, als er ist, dieser VW Karmann-Ghia Typ 14. Oder man definiert es anders, so wie Komke: Das Teil ist in seinen Augen ein kultiges Schmuckstück, hat ganz viel Charme. "Mit 19 Jahren hab ich schon nach einem solchen Auto gelechzt", sagt er. Heute ist Komke 53.

Ende des vergangenen Jahres hat der Sander die Karosserie von Karmann und das Chassis von VW getrennt voneinander bei Ebay bestellt. Denn im Prinzip ist der Karmann-Ghia ein umgebauter VW Käfer: Das Automobil- und Karosseriebauunternehmen Karmann in Osnabrück hat den Wagen für den VW-Konzern ab 1955 produziert. Ein Road-ster-Cabriolet mit Sportwagen-optik und Käfer-Unterbau steht jetzt bei Komke in der Garage. 1200er Boxer-Motor, luftgekühlt, 34 Pferdestärken, Vier-Gang-Getriebe, etwa 120 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. Der Käfer im Wolfspelz.


Zeitplan gerät ins Wanken

"Ich habe meiner Frau gesagt, dass ich mir ein 3D-Puzzle zu Weihnachten gekauft habe." Bis über beide Ohren reicht sein Grinsen, als er diesen Satz sagt. Dann schaut er zu seiner Frau, die gerade die Garage betritt. Das Grinsen behält er bei, denn Ursula Blasl hat ihn nicht geschimpft. Ihr gefällt das Auto. Sie freut sich, wenn ihr Mann sich einen Traum erfüllen kann. Zweifel hat sie nur an dem Zeitplan, den Komke sich gesteckt hat: In zwei Monaten soll der Wagen fertig sein. Ob das klappt? Komke sagt "ja", Blasl sagt "Naja, ich weiß nicht", und meint damit: nein. Dass der komplizierte Wiederaufbau des Wagens gelingen wird, daran hat sie allerdings keine Zweifel.


Aufgebockt auf alten Kochtöpfen

Vor Guido Komke steht (beziehungsweise liegt) das nackte Käfer-Fahrgestell. Die Karmann-Ghia-Karosserie hat in der Garage keinen Platz, sie ist im Garten auf Paletten, Holzbalken und zwei alten Kochtöpfen aufgebockt. Komke kann gut improvisieren. Mit einfachen Mitteln baut er das Fahrzeug neu auf. Er liest sich in den komplizierten Schaltplan für die Elektrik ein, zieht Kabel irgendwo durch und schließt sie an, er schleift die Karosserie ab, tauscht an dem Boxermotor eines Mexiko-Käfers von 1985 verschlissene Teile aus. Und wirkt dabei immer zuversichtlich. Im Hauptberuf ist er Koch. Nahezu seine komplette Freizeit verbringt er in seiner Hobbywerkstatt in Sand. Etwa 500 Arbeitsstunden stecken in dem Auto schon drin, rechnet er aus. Mindestens noch einmal so viele wird es noch brauchen, um das Projekt Karmann-Ghia zu Ende zu bringen.

An Fahrzeugen hat er schon als Jugendlicher gebastelt. Trotzdem, sagt er, holt er sich gelegentlich Rat von einem befreundeten Kfz-Meister. Der soll auch eine Art Abnahme des Ghia machen, den Komke wegen seiner gelben Farbe "Tweety" (nach der Zeichentrickfigur) getauft hat. Nicht, dass jemand denke, er als Koch wolle sich in einem fremden Gewerbe als Fachmann hervortun. Es sei einfach nur ein sehr schönes Hobby, sagt er. So wie es sicher auch Kfz-Meister gibt, die in ihrer Freizeit kochen.