"Her mit der Fahne, die trag' ich gleich voran." Wild entschlossen wirkte der Frühschichtler bei FTE am Mittwochmittag vor dem Werkstor, wo eine Delegation der IG Metall aus Bamberg schon wartete. Im Rahmen der Warnstreiks, die die laufende Tarifrunde begleiten, war der Automobilzulieferer jeweils zum Ende der Früh- und der Nachmittsgsschicht an der Reihe. Zur Mittagszeit waren es rund 250 FTE-Mitarbeiter, die ihren Unmut bekundeten, viele Auszubildende darunter.

Worum es geht, machte Betriebsratsvorsitzende Sonja Meister klar. Mehr Altersteilzeit statt Kürzungen in diesem Bereich, wie sie die Arbeitgeber laut Matthias Gebhardt, dem Bamberger IG Metall-Chef, anstreben. Frau Meister: "Wir haben hier im Werk einen hohen Altersdurchschnitt, deshalb brauchen wir einen einfacheren Zugang zur Altersteilzeit. "Nach einem langen Arbeitsleben muss es jedem möglich sein, dass er in Altersteilzeit geht, wenn er will", so Meister. Und damit für die Jüngeren vernünftige Arbeitsplätze bereitstehen, ergänzte Matthias Gebhardt

Auch forderte die Betriebsratsvorsitzende aus Seßlach mehr Bildungsfreizeiten. "Unser Standort Ebern wird umstrukturiert. Das darf nicht zu Lasten der Belegschaft gehen. Wir brauchen neuen Produkte, die neue Aufgaben nach sich ziehen und dazu ist Weiterbildung notwendig. Dafür ziehen wir an einem Strang."

Der evangelische Betriebsseelsorger Frank Meixner aus Coburg zitierte mehrere Bibel-Passagen und fordert "mehr Geld, mehr Qualifikation und mehr Möglichkeiten zu Arbeitsteilzeit".

Keine Betriebe gefährdet
Dadurch sah er keinen Betrieb gefährdet. "Deutschland ist die stärkste Wirtschaftsnation in Europa, und dies auch dadurch, weil wir Tarifverträge haben. Wir wollen aber auch an den steigenden Gewinnen der Betriebe beteiligt werden, denn Geben ist seliger denn Nehmen."

Den Anspruch auf höhere Gehälter machte Meixner an noch zwei Punkten fest: "Wir brauchen mehr Geld für unsere Altersvorsorge, denn die gesetzliche Rente reicht nicht mehr aus."

Außerdem müsse immer mehr und flexibler gearbeitet werden. "Auch das kostet Geld, weil ein zweites Auto gekauft, oder eine Wohnung gemietet werden muss, selbst von Auszubildenden schon."

Bislang habe die Arbeitgeberseite nur ein "mickriges Angebot" vorgelegt, so IG Metall-Bevollmächtiger Matthias Gebhardt wörtlich, dessen Gewerkschaft für 5,5 Prozent mehr Lohn eintritt. Ob der starken Beteiligung an den Warnstreiks seit Montag sollten im Metallerverband nun die Alarmglocken schrillen.

Zum weiteren Fortgang der Verhandlungen sagte Gebhardt, dass am Montag die nächste Gesprächsrunde anstehe. Falls diese wieder zu keinem Ergebnis führe, kündigte er für die Zeit nach Fasching schon größere Aktionen an, die sich über mehrere Tage hinziehen könnten.