In den letzten Monaten verstummte das Gerede darüber. "Wir hatten Winterkirche im Gemeindehaus. Da war in der Christuskirche nicht viel los", berichtete Pfarrer Bernd Grosser.

Nun geht es weiter. Denn im Rahmen der Kunstaktion müssen die Gemeinden verschiedene Begleitveranstaltungen anbieten. Was am Samstagabend der bildlichen Installation von Gerhard Rießbeck entgegen flog, waren aber keine scharfen Diskussionsfetzen, sondern harmonische Musikerlebnisse, die den Zuhörern Gänsehautgefühle bescherten.

"Das Kunstwerk von Rießbeck trifft ziemlich genau die Musik der Spirituals. Leid, Trauer, Hoffnung, Freude und Auferstehung - all das kommt in beiden Dingen zum Ausdruck", erklärte Bernd Grosser.

Seit nunmehr zehn Jahren begeistert der Chor zusammen mit Band sein Publikum auch an Konzerten. Diese, etwas andere Kirchenmusik, passte ganz besonders in die neu gestaltete Christuskirche. Es war ein Freudenfest, was von der 30-köpfigen Gruppe geboten wurde, und die Luftballons wohnten diesem ganz homogen bei: "Bei den ersten Gottesdienst war das nicht so einfach", erinnerte sich Pfarrer Grosser im Gespräch mit unserer Zeitung zurück, "es war die Zeit, um an Verstorbene zu denken. Auch waren die Luftballons bei den Weihnachtsgottesdiensten da. Sie passen nicht immer zur Liturgie."

Das künstlerische Ergebnis von Rießbeck ist ein Unikat. Dementsprechend richteten die "Praising People" ihr Konzertprogramm aus und ließen ihr Quintett (Anja Schmidt, Susanne Thomas, Christine Langenberg, Diethelm Schorscher, Werner Schnapp-Trösch) singen. Es waren Gedichte von Rainer Maria Rilke in französischer Sprache, die die Sängerinnen und Sänger in dem Stück "Dirait-on" eindringlich zum Ausdruck brachten. Das altbekannte "Ave Maria" schrieben sie passend für sich um: außergewöhnlich im Motetten-Stil und mit Jazzrhythmen.

Pfarrer Bernd Grosser sprach von einem "Gewöhnungseffekt" im Hinblick auf die kunterbunte Dekoration der Christuskirche. Der Chor nahm dieses Thema auf: "Hast du etwas Zeit für mich, dann singe ich ein Lied für dich, von 42 Luftballons auf ihrem Weg zum Kirchendach", trug Dekan Jürgen Blechschmidt solistisch entsprechend dem Original "99 Luftballons" von Nena vor: "Aber eigentlich wollen die Luftballons viel weiter hinaus. Sie steigen zum Himmel uns sind dort willkommen. Von dieser Zuversicht erzählen auch unsere Gospels."

Im Gegensatz zu Rießbeck hatten es die "Praising People" unter der Leitung von Bernd Schmidt geschafft, das Kirchenschiff in der evangelischen Kirche in Ebern an einem Samstagabend zu füllen und die Menschen zum Mitmachen bewegen können. Denn die Gemeinde hatte in den letzten Monaten zwei Kirchenaustritte zu verzeichnen. "Als Grund wurde Kirchensteuer-Verschwendung durch das Kunstprojekt angegeben", berichtete PfarrerGrosser, "das ist natürlich schon eine steile These und schwierig nachvollziehbar. Denn Kunst ist ja Teil des öffentlichen Lebens."

Aktuell geht es um eine Kaufsumme von 25 000 Euro für das Kunstwerk von Rießbeck. "Wenn wir es kaufen würden, dann würden wir auch Zuschüsse bekommen", weiß Pfarrer Grosser.

Meinungen aus dem Gästebuch der evangelischen Kirche in Ebern

"(...)Wenn man traurig ist, seine Gedanken in der Stille vor Gott bringen möchte, dann muss man jetzt die Augen schließen, um sich besinnen zu können. Das Kunstwerk gefällt uns nicht, hat mit dem Bibeltext wenig zu tun und ist viel zu teuer!"

"Ich finde es toll, dass die Kirche für moderne und neue Sachen offen ist. Es zeigt, dass nicht alle Kirchen auf Altem "sitzen bleiben" und nicht in der heutigen Zeit angekommen sind. Ich werde jetzt wieder mal in die Kirche kommen."
"Mir gefällt das als 50-Jähriger hervorragend. Der Raum ist plötzlich sehr lebendig."

"Veränderung tut gut, auch in der Christuskirche."

"Danke Gott, dass Du uns zu Deiner Party eingeladen hast."

"Was haben die Eberner wohl gesagt, als Pfarrer Hoehl die Decke der Stadtpfarrkirche blau mit gelben Sternen ausmalen ließ?"

"Die Luftballons sind wunderschön, einladend, wie eine Feier zum Geburtstag. Sind befreiend und nehmen die Last der Seele."

"Wer Christ ist, ist fröhlich im Herrn. Diese Fröhlichkeit drückt das Kunstwerk aus! Toll gelungen! Schade, dass es nur ein Jahr unsere Kirche schmücken soll."