In der Schule heute noch mit Folie und Stift arbeiten, "das ist ja Mittelalter", meint Emil Kraus. Der Lehrer am Friedrich-Rückert-Gymnasium kann sich noch genau an die Zeiten erinnern, als im täglichen Unterricht nichts per Mausklick funktionierte, und Bilder und Videos spielend leicht per Beamer an die Wand geworfen werden konnten. In seiner Laufbahn hat er die gesamte Entwicklung mitgemacht, von der Schreibmaschine bis zur Laptopklasse.

"Katastrophale Zustände" seien das damals gewesen, als er 1976 angefangen hat, in Ebern zu unterrichten. Textabzüge wurden mit dem Matrizendrucker (Spiritus-Umdruckverfahrens) angefertigt, bei dem man noch mit der Hand kurbelte, um zu kopieren, erinnert sich der Wirtschaft-Recht- und Sozialkundelehrer. "Die Schüler mussten in der Regel zehn Pfennig pro Kopie bezahlen!"

Des Lehrers Horror


Der "größte Horror in der Phase der Schule" war für ihn das Schreiben der Zeugnisse auf der Schreibmaschine. "Wenn man bei den vierseitigen Abiturzeugnissen einen Fehler auf der letzten Seite gemacht hat, konnte man wieder von vorne anfangen", blickt er zurück.

Auch den Taschenrechner, heute längst eine Selbstverständlichkeit, gab es lange Zeit nicht: "Wir haben damals beim Examen noch alles schriftlich ausgerechnet", erzählt der Technikbegeisterte, der heute, kurz vor dem Ruhestand, die Jugend in Ebern mit den modernsten elektronischen Hilfsmitteln vertraut macht. Als Alternative fungierten Rechenschieber, ein Hilfsmittel, das Schüler heute gar nicht mehr kennen. Sie halfen bei den Grundrechenarten, aber auch Wurzeln ziehen oder Logarithmen.

Mit zunehmender Rasanz machte sich die technische Entwicklung bemerkbar. Anfang der 80er Jahre bekam die Schule das erste moderne Kopiergerät, die Taschenrechner wurden nach und nach eingeführt und auch die Zeit der Computer begann.

ITG machte den Anfang


Der Anfang war die "Informationstechnische Grundbildung" (ITG), erzählt Emil Kraus. Ziel dieses bayernweiten Programms war es, "mit dieser neuen Technologie im Unterricht umzugehen". In Ebern fand sich die "neue Technologie" in einem Computerraum mit etwa 20 Commodore-Rechnern. Diese Geräte waren äußerst populär, der "C64" gilt bis heute als meistverkaufter Heimcomputer der Welt.

Die Lehrer wurden dazu an mehreren Tagen in Schweinfurt fortgebildet, weiß Emil Kraus, der selber dabei war. Mit den Commodore-Rechnern konnte man sogar schon erste Klassen- und Kurslisten ausdrucken. Im Unterricht wurden die Rechner allerdings noch nicht genutzt, es gab lediglich einen Wahlunterricht, angeboten von der ehemaligen Lehrerin Irmingard Helmer.

Der nächste Schritt war 1987 die Modernisierung des Computerraums mit 25 Atari-Rechnern einfachster Art: Tastatur mit integriertem Diskettenlaufwerk und winzigen Monitoren. Jeder Computer hatte einen Zwölf-Nadel-Drucker.

Emil Kraus hat heute noch einen alten Atari-Rechner samt Drucker in seinem Arbeitszimmer zu Hause stehen. "Ab und zu spiele ich noch darauf," sagt er und grinst.

Ständige Nachrüstung


Eben noch neueste Technik gewesen, waren die Atari-Rechner Anfang der 90er Jahre laut Kraus "sehr überholt. Wir haben alles rausgeschmissen". Die Schulleitung entschied, Rechner der neuesten Generation anzuschaffen. Mit 16 Geräten wurde im ehemaligen Sprachlabor ein neuer Computerraum inklusive Beamer eingerichtet.
Die gleiche Entwicklung fand parallel in der Schulverwaltung statt. Auch die Sekretärinnen bekamen Computer und mussten nicht mehr mit Schreibmaschinen arbeiten.

Einen "ganz großen Schub" gab es unter Schulleiter Dr. Kilian Popp, der 1999 nach Ebern kam, erzählt Emil Kraus. Am Anfang des Jahrtausends wurde ein zweiter Computerraum mit ungefähr 30 Geräten eingerichtet. Besonders angetan war Emil Kraus von dem "Pilotprojekt" Laptopklasse. 2006 wurde sie in der achten Jahrgangsstufe eingeführt. Jeder Schüler hatte seinen eigenen Laptop mit Internetzugang, der Hefte überflüssig machte. Kraus war natürlich einer der Lehrer, die diese Klasse unterrichteten, und findet die Idee bis heute "sehr grandios".

Zwei Jahre lang bestand die Klasse und "aus dieser Arbeitstechnik heraus wurde ein dritter Rechnerraum eingerichtet", erinnert sich der Lehrer. Als "Kunststück des Ganzen" sieht Kraus den Schul-Server. Er wurde mit der Laptopklasse 2006 installiert. "Seitdem sind alle Rechner in der Schule vernetzt", erzählt er: "Ich steh' da voll dahinter!"

Alle Dokumente schnell versendet


Der Vorteil des Schul-Servers sei, dass alle Dokumente schnell und einfach von den Lehrern an die Schüler, oder umgekehrt, versendet werden können. "Es erübrigen sich tausende Kopien, wir sparen viel Geld. Zum Beispiel durch das 'Merkblatt zur Anfertigung der Seminararbeit': Da bekommt jeder der 84 Schüler in der zwölften Klasse 16 Seiten. Anstatt alles auszudrucken, stelle ich es für die Schüler einfach auf dem Schul-Server zur Verfügung", erklärt Emil Kraus begeistert.

Parallel dazu könne mit den modernsten "Intelliboards", auch "Whiteboard" genannt, gearbeitet werden, die in den drei Computerräumen installiert sind. Das sind elektronische Tafeln, die an einen Computer angeschlossen sind. Das Bild wird von einem Beamer auf das "Intelliboard" projiziert, auf das man auch mit einem speziellen, kabellosen Stift schreiben kann.

Die moderne Rechnerausstattung des Gymnasiums ist "auch Grundvoraussetzung zum effizienten pädagogischen Arbeiten, vor allem im Rahmen des Informatikunterrichts, des Tastaturschreibens in Jahrgangsstufe fünf sowie in der Wirtschaftsinformatik in der Oberstufe", meint Kraus.

Rasante Entwicklung


"Die technische Entwicklung war rasant", zieht Kraus als Fazit, "es ist schon eine gewaltige Arbeitserleichterung". Für ihn selber auch eine gewaltige Gewichtserleichterung, denn Ordner und Bücher schleppt er nicht mehr mit in die Schule. "Das ist meine Büchertasche", grinst er, und holt eine kleine Dose mit sechs USB-Sticks hervor.

Zusammen mit seinem Kollegen Alexander Kleber gibt er noch einen Einblick in die technischen Zukunftspläne der Schule: Eine so genannte "Dokumentarkamera" wird gerade getestet, die ein Bild aufnimmt, das sogleich auf dem Beamer erscheint. Gleichzeitig probiere Kollege Steffen Schlüter, Laptops per Wireless-Lan mit Beamern zu verbinden, erklärt Kleber. Und: In ein paar Jahren soll es wieder einen neuen Computerraum geben.