"Das ist mir schrecklich peinlich", beteuerte die junge Frau kleinlaut auf der Anklagebank im Haßfurter Amtsgericht. Damit meinte sie den groben Schnitzer, den sie sich am 20. Juli nachts um ein Uhr erlaubt hatte.

Benebelt vom Alkohol hatte die Studentin damals bei einem verbalen Streit ihre gute Kinderstube völlig vergessen und einen Polizisten auf eine ganz schräge Tour angemacht: "Du kleiner geiler Facebook-Fuzzi", titulierte sie ihn unflätig, "mach dich mal locker, Alter, ich kann auch mit dir ins Bett gehen, wenn du das unbedingt brauchst."
Im Gerichtssaal schilderte die Angeklagte, wie es zu dieser Entgleisung gekommen war. Zusammen mit ihrem minderjährigen Bruder hatte sie im Sommer ein Open-Air-Konzert in einem kleinen Dorf in den Haßbergen besucht. Als der Bruder zu fortgeschrittener Stunde zur Bar ging, um fröhlich weiter zu zechen, nahm der Veranstalter das Jugendschutzgesetz ernst und erteilte dem Jugendlichen einen Platzverweis.

20 Stunden gemeinnützige Arbeit

Der Bursche aber zeigte wenig Einsicht und wollte unbedingt auf dem Festplatz weiterfeiern. Dabei geriet er mit einem Ordner aneinander, der zwar Zivilkleidung trug, sich aber per Dienstausweis als Polizeibeamter zu erkennen gab. Und in dieser Situation mischte sich die große Schwester. Da war sie selbst durch ausgiebigen Alkoholgenuss zuvor "schon gut drauf".

Auf Nachfrage des Jugendrichters Martin Kober sagte die Angeklagte, dass sie sich praktisch an nichts mehr erinnern könne. Zwischenzeitlich habe sie sich bei dem Betreffenden auf der Polizeiwache in Ebern entschuldigt.
Kaum zu glauben, aber die Blondine stand vor etwa eineinhalb Jahren wegen einer ähnlichen Geschichte schon mal vor dem Kadi und musste dafür etliche Arbeitsstunden leisten. Deshalb zögerte Staatsanwalt Christopher Rosenbusch, als es um die Frage ging, ob man das Verfahren mit einer kleinen Auflage erneut einstellen könnte.
Am Ende kam die Studentin doch noch glimpflich davon. Auf Weisung des Jugendamts muss sie bis spätestens 10. Januar 20 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten. "Beim nächsten Mal kommen Sie nicht mehr so billig davon", appellierte der Richter an das Gewissen und die Vernunft der jungen Frau.