Einen Willi Sendelbeck reizt niemand ungestraft. Die Sitzung des Marktgemeinderats am Montag nutzte der Bürgermeister von Rentweinsdorf (SPD) zur Abrechnung mit der Volkshochschule Ebern, insbesondere deren Geschäftsführerin Irmgard Ruhhammer (CSU). Er warf ihr "falsche" und "unverschämte" Aussagen vor und legte ihr indirekt nahe, wieder in die Dienste des Landkreises zurückzukehren: "Das große Angeben und Abkassieren ist dann aber vorbei."
Grund für Sendelbecks Poltern waren Vorwürfe bei der Jahresversammlung der Volkshochschule Ebern, zu der auch der Markt Rentweinsdorf und die Gemeinde Pfarrweisach gehören, Bürgermeister Sendelbeck habe den Marktsaal nicht mehr für Tanzkurse der VHS und das Rathaus nicht für einen Vortrag zur Verfügung gestellt.
Sendelbeck indessen kritisierte, die VHS-Geschäftsführerin diktiere Termine nach dem Motto "Alle zurücktreten, die Ruhhammer kommt". Hätte er ihren Vorgaben Folge geleistet, die nicht telefonisch abgestimmt, sondern per E-Mail eingegangen waren, hätte er, nach eigenem Bekunden, bereits feststehende Veranstaltungen im Saal absagen müssen, unter anderem eine Hochzeit. Der Raum im Rathaus sei bereits zwei Monate vorher von der Ortsfeuerwehr gebucht worden, während die Anfrage der VHS vier Tage vor dem geplanten Vortrag einging.

Die Kosten galoppieren davon


Noch mehr prangerte Sendelbeck die finanzielle Entwicklung der Erwachsenenbildungseinrichtung an. Bei der Gründung des Vereins im Jahr 1998 habe die Satzung vorgesehen, dass die Mitgliedsgemeinden über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg pro Einwohner eine Mark (51 Cent) zahlen sollten. Ab 2002 hätte sich die VHS dann selbst tragen sollen, berichtete Sendelbeck.
Stattdessen aber seien die Ausgaben munter gestiegen und heuer sollten die Kommunen schon 1,77 Euro pro Einwohner zahlen (das bedeutet 2778 Euro für Rentweinsdorf). Er persönlich habe sich "fast geschämt", diese Forderung seinen Räten zu unterbreiten. Er sprach von "Ausplünderung". Sendelbeck rechnete vor, dass im Haushalt der VHS allein 42 000 Euro für die Verwaltung plus 14 500 Euro Nebenkosten für das neue Domizil in der Akademie angesetzt seien.

Traumkarriere wie in Amerika?


Habe die Geschäftsführerin früher ein Büro von 20 Quadratmetern gehabt, so stünden der VHS nun 400 Quadratmeter zur Verfügung. Er persönlich sei stets ausdrücklich gegen die Akademie als neues VHS-Gebäude gewesen, ebenso gegen die Anstellung einer Hilfskraft für Irmgard Ruhhammer, die Sendelbeck als "Magd" bezeichnet. Die letzten vier Vorstandssitzungen hätten sich fast nur mit den Gehaltsforderungen der Geschäftsführerin befasst, die ohne entsprechende Ausbildung und Prüfung inzwischen mehr als ein Oberinspektor (A10) verdiene. Er fühlte sich an die amerikanische Traumkarriere "Vom Tellerwäscher zum Millionär" erinnert.
Zum Vergleich führte er die VHS im Landkreis Lichtenfels an, die bei 68 000 Einwohnern (mehr als sechs mal so viele wie bei der VHS Ebern) von einer Halbtagskraft geführt werde. Jede Kommune zahle dort pauschal 100 Euro.
Sendelbeck orakelte, die Stadt Ebern werde sich nicht bereit finden, alle Mehrkosten der Volkshochschule (angeblich 25 000 Euro) zu übernehmen, wie das ein aktueller Antrag vorsehe. Er meinte, die drei betroffenen Kommunen sollten sich überlegen, ob eine Betreuung unter dem Dach der Volkshochschule Landkreis Haßberge, wie sie alle übrigen Kreiskommunen genießen, nicht vorteilhafter wäre. Am Ratstisch sprachen mehrere Gemeinderäte die Vorzüge der VHS vor Ort an, fanden jedoch auch, die Ausgaben dürften nicht weiter steigen.

Antwort mit Bedacht


VHS-Vorsitzender Sebastian Stastny aus Ebern (Junge Liste), den diese Zeitung mit Sendelbecks Vorwürfen konfrontierte, wollte sich substanziell nicht zu den Auslassungen äußern, ehe er nicht Rücksprache mit Irmgard Ruhhammer und der Vorstandsmannschaft der VHS gehalten habe.
Stastny, zugleich Eberns Dritter Bürgermeister , bemerkte aber, dass Sendelbeck als Bürgermeister laut Satzung geborenes Mitglied im VHS-Vorstand und zu allen Vorstandssitzungen, die nicht öffentlich stattfinden, eingeladen sei.
Er nehme jedoch nicht regelmäßig an diesen Sitzungen teil, fehle unentschuldigt und lasse sich auch nicht vertreten. So sei es auch vergangene Woche gewesen.
Die Vorwürfe gegenüber der Geschäftsführerin könnten so in der Öffentlichkeit nicht stehen bleiben und bedürften einer Korrektur. Er und Ruhhammer "begeben sich jedoch nicht auf das von Herrn Sendelbeck eingeschlagene Niveau und diskutieren Sachverhalte des nichtöffentlichen Bereichs nicht in der Presse", so Stastny wörtlich.
Der Vorstand werde sich im September wieder zu einer Sitzung treffen, in aller Ruhe beraten und entsprechend reagieren, "zumal die VHS eine seriöse und renommierte Bildungseinrichtung ist."