"Drei weiße Birken in meiner Heimat steh'n. Drei weiße Birken, die möcht' ich wiederseh'n." Der Schlager eines Heimatfilms von 1961 ging den Mitgliedern des Bauausschusses am Mittwochabend kaum durch den Kopf, als sie das Todesurteil über drei solcher Bäume fällten, die noch am Eingang des Friedhofes in Eichelberg stehen.

Dabei waren die Ratsmitglieder gar nicht als Holzfäller unterwegs gewesen. Denn in zwei Fällen fand sich keine Mehrheit, die sich fürs das Fällen von Bäumen starkgemacht hätte.

In Eichelberg lag der Fall anders. Dort fehlt im Kronenbereich das Blattwerk und in zwei Fällen sind Teile des Giebels herausgebrochen, wie Bauhofleiter Christian Raehse deutlich vor Augen führte. Außerdem seien Teile des Stammes von oben her innen morsch. "Wie tief können wir nicht sagen."


Ersatz ist schon bestellt

Da sich sowohl die Vertreter des Obst-und Gartenbauvereins von Eichelberg wie auch Ortssprecher Bernd Ebert für ein Ummachen ausgesprochen hatten, plädierte auch Raehse dafür und der Bauausschuss schloss sich dieser Empfehlung einmütig an. Da von den Eichelbergern Ersatzbäume gewünscht werden, sei dies bei den Bestellungen in einer Baumschule fürs nächste Jahr schon berücksichtigt worden, verriet Raehse.

Keine Bedenken hatten die Ratsmitglieder auch beim Wunsch mehrere große Weiden an einem kleinen Bachlauf an der Südwest-Ecke des Mannlehens (neben der Gleusdorfer Straße) auf Stock zu setzen. Die umgebenden Obstgehölze und Dornen dieses Dickichts bleiben davon weitgehend unbehelligt. "In einigen Jahren ist der Ge-hölzsaum wieder nachgewachsen", ist sich der Bauhofleiter sicher.

Schützend vor die Stämme stellten sich Stadtvertreter aber am Eberner Friedhof, wo Anlieger das Herausnehmen von zwei Bäumen entlang des Schotterweges zwischen dem Friedhof und ihrem Grundstück beantragt hatten, weil immer wieder Äste in den Hof fallen und das Wurzelwerk in Hof und Garten unterwegs sei und sie auch das Haus beeinträchtigt wähnen.

Die Antragsteller beriefen sich dabei auf einen Passus aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch, weswegen sich auch Bauhofleiter Raehse in den Paragrafen-Dschungel gestürzt hatte und aus dem zweiten Absatz des zitierten Paragrafen herauslas, dass keine Verpflichtung zur Herausnahme der beantragten beiden Ahorn-Bäume wegen des Überhanges bestehe. Außerdem, so Raehse, hätten beide Experten des Bauhofes erklärte, dass sämtliche Bäume in diesem Bereich vital seien.

Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) ergänzte, dass die Stadt ihrer Verkehrssicherungspflicht durch Pflegemaßnahmen immer wieder nachkomme. Außerdem pries er den Allee-Charakter dieses Zuganges zum Friedhof und hob hervor, dass die Bäume schon längere Zeit stünden, sodass mögliche Einspruchsfristen längst verstrichen seien. "Nach fünf Jahren gelten sie als geduldet."

Ohne einen Sachverständigen, den die Antragsteller beauftragen müssten, lasse sich auch nicht feststellen, wohin die Wurzeln gehen und ev. Schäden anrichten. Manfred Fausten (CSU) fand, dass die Bäume zu nahe an der Grundstücksgrenze stehen, weswegen eine Lösung gesucht werden solle. "Ich möchte solche Bäume auch nicht vor meinem Haus." Christian Raehse gab zu bedenken, dass es im Stadtgebiet noch viel größere Bäume vor Häusern gebe. Markus Fausten (CSU) schlug als Kompromiss vor, nur einen am Haus und einen weiteren der neun Bäume näher am Friedhof zu entnehmen, womit die Abstände gleich bleiben würden. Der Antrag wurde aber dennoch mit 6:2 Stimmen abgelehnt.


Philosophischer Bauamtsleiter

Mit 3:4 Stimmen wurde der Vorschlag, am Fischbacher Friedhof vier Rubinien zu fällen, die Feuerwehrhaus und Friedshofmauer bedrängen, abgeschmettert. Bei einem Rundgang im Rahmen der Bürgermeister-Sprechstunde sei das Problem angeschnitten worden, sagte Jürgen Hennemann. "Zeitweise ging das Feuerwehrtor gar nicht mehr auf." Brunhilde Giegold (SPD) plädierte als Stadtteilvertreterin für ein Fällen und Ersatzpflanzungen.
Was Bauamtsleiter Lang nicht gefiel. Er verwies auf Bäume als Gestaltungselement in einem Friedhof. "Friedhöfe leben von alten Bäumen und bis wir Bäume von dieser Mächtigkeit nachziehen, das erleben wir nicht mehr", wurde Lang fast schon philosophisch. Die Mehrheit schloss sich dieser nachdenklich stimmenden Haltung an.