Dass die Post an zwei unmittelbar aufeinander folgenden Tagen jeweils ein ordentlich aufgegebenes Päckchen "verliert", an diesen merkwürdigen Zufall wollten weder der Staatsanwalt noch die Strafrichterin glauben. Die angeblich verschickten teuren Sportschuhe kamen jedenfalls nie bei den Käufern an. Wegen Betrugs wurde eine Frau aus den Haßbergen (35) zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt.
Die lachsfarbenen Nike-Turnschuhe im Internetportal "Kleiderkreisel" sahen richtig gut aus. Anfang September letzten Jahres stellte die dreifache Mutter die edlen Treter ins Netz. Es dauerte nicht lange, bis sich die ersten ernsthaften Interessenten meldeten. Schnell wurde man handelseinig. Der Verkaufserlös fürs erste Paar betrug 139 Euro, für das zweite Paar wurden 120 Euro vereinbart.
Wie bei Internetkäufen üblich, bezahlten die beiden Käufer die Ware im Voraus. Als dann nichts ankam, kontaktierten sie natürlich die Verkäuferin. Und die zeigte daraufhin ein "typisches Betrügerverhalten", wie Staatsanwalt Christopher Rosenbusch formulierte. Immer wieder vertröstete sie die Schuhkäuferinnen und hielt sie hin. Schließlich schob sie die Schuld schließlich auf die Post, die angeblich die nicht versicherten Päckchen verschlampt hätte.

Kein unbeschriebenes Blatt

Als eine der Geschädigten die Nase voll hatte und Anzeige erstattete, wurde die Frau von der Polizei vorgeladen und vernommen. Daraufhin erstattete sie der zweiten Käuferin den Kaufpreis von 120 Euro zurück, leugnete aber die Gaunerei weiterhin. Beim Gericht ist die Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt. Bereits 2009 und nochmals 2012 wurde sie ebenfalls wegen Betrugs zu Geldstrafen verurteilt.
Obwohl die Beschuldigte eine feste Arbeitsstelle als Verkäuferin hat und damit über ein geregeltes Einkommen verfügt, hielt der Vertreter der Anklage eine erneute Geldstrafe für nicht mehr ausreichend. Er plädierte vielmehr angesichts der einschlägigen Vorstrafen auf eine kurze Freiheitsstrafe von drei Monaten mit Bewährung. Zudem kreidete der Jurist der Frau an, dass sie keinerlei Schuldeinsicht und Reue zeige.

Richterin sieht Grenzfall

Ganz so weit wollte Amtsrichterin Ilona Conver nicht gehen. Zwar sprach sie von einem "Grenzfall", der vielleicht eine kurze Haftstrafe verdient hätte. Wie sie in ihrer Urteilsbegründung ausführte, hege sie immer noch die Hoffnung, dass die erneute Strafe der Verurteilten als Warnung diene. Unter Abwägung aller Gesichtspunkte entschied sich daher das Gericht zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 20 Euro. Die Schwindlerin darf ihre Strafe in monatlichen Raten von je 150 Euro abstottern. Da alle Beteiligten auf eine Berufung verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.