Mitunter schon als "Silicon-Valley" verschrien, hat der Photovoltaik-Boom im Raum Ebern die Eon Bayern AG zum Handeln und Investieren gezwungen. Weil zwischenzeitlich Anlagen aus Pfarrweisach schon ans Burgpreppacher Netz angeklemmt werden mussten, da die Leitungskapazitäten fehlten, oder Biogas-Anlagen aus Maroldsweisach im benachbarten Thüringen angeschlossen wurden, entstand auf der 110-Kilovolt-Trasse zwischen Ebern und Coburg oberhalb von Seßlach ein neues Umspannwerk, von dem aus auch eine starke Leitung nach Maroldsweisach verlegt wird.

Seit Dienstag speist die große Photovoltaikanlage im einstigen Bundeswehrgelände ihren Strom über das Eberner Umspannwerk ein, dessen Kapazitäten nach Informationen unserer Zeitung damit vollständig ausgelastet sind.

Wie Eon-Sprecherin Esther Knemeyer Piereira mitteilte, ermöglicht Eon Bayern mit diesen Maßnahmen die Energiewende im nördlichen Landkreis Haßberge und investiert rund 4,7 Millionen Euro für den Ausbau der Netzinfrastruktur zwischen Seßlach und Maroldsweisach.


Immer mehr Anlagen



Immer mehr Privatpersonen und Firmen hätten eine Photovoltaik-Anlage auf dem Hausdach installiert. Insbesondere im Gebiet der Kommunen Ebern, Maroldsweisach, Pfarrweisach und Rentweinsdorf sind auch große Freiflächenanlagen entstanden. Wenn die Photovoltaik-Anlagen ihre maximale Leistung ins Netz einspeisen, könne dies zu einem Stromüberschuss im Verteilnetz führen. Diese Strommengen müssen ins 110-Kilovolt-Netz gespeist werden. Aus diesem Grund hatte Eon Bayern bereits Mitte Dezember in Seßlach ein weiteres Umspannwerk mit einer Investitionssumme von rund drei Millionen Euro ans Netz genommen.

Um die Netzgebiete um Maroldsweisach an das neue Umspannwerk Seßlach anzubinden, verlegt die Eon AG in einem weiteren Großprojekt 17 Kilometer neuer 20-kV-Doppelkabel. Hierbei werden unter anderem zwei Flüsse und fünf Straßen gekreuzt. "Wir investieren für diese Steigerung der Leistungsfähigkeit des Netzes rund 1,7 Millionen Euro. Außerdem können wir so eine höhere Spannungsstabilität garantieren", erklärte Carsten Gleich, zuständiger Projektant beim Eon-Netzcenter Bamberg.


Durch Straßen und Flüsse



Teilstücke der Verkabelung wurden in den Bereichen Rothenberg bereits ausgeführt und auch in Unterelldorf wurden die Kabel im Zuge von Straßenbauarbeiten verlegt. Derzeit laufen die Arbeiten in Altenstein. Hier kommt entlang der Bundesstraße 303 in Richtung Hafenpreppach ein Kabelpflug zum Einsatz. Dieser versenkt die Kabel der 20-kV-Leitung etwa einen Meter tief im Erdreich. Hierbei muss kein Graben ausgehoben werden und zudem entfällt die Wiederbefüllung und der Abtransport des Aushubs.

Um die Weisach und die Alster zu kreuzen, kommt bei Voccawind und Unterelldorf eine Spülbohrung zum Einsatz. Bei diesem Verfahren wird ein rotierender Bohrkopf auf eine Stange aufgesetzt und unterstützt durch einen Wasserstrahl mit 70 bar Druck - dies entspricht dem zehnfachen Luftdruck in einem Lkw-Reifen - nach und nach durch das Erdreich gespült. Nach Austritt aus dem Erdreich auf der anderen Gewässerseite wird der Bohrkopf gegen einen so genannten Räumer ausgetauscht. Dieser weitet beim Zurückziehen das Bohrloch entsprechend der benötigten Schutzrohre auf und zieht diese Rohre gleichzeitig mit ein. Anschließend können die Kabel problemlos in den Rohren verlegt werden. Zudem müssen im Landkreis Coburg die Kreisstraße 16, im Landkreis Haßberge die Kreisstraßen 44 und 45 sowie die Bundesstraßen 303 und 279 gekreuzt werden.

Im Zuge der Maßnahme wird außerdem für den Markt Maroldsweisach auf rund zehn Kilometern ein Leerrohr für die DSL-Breitbanderschließung mit verlegt. Die neue Kabelstrecke wird Ende Mai fertig gestellt werden.