Rund zehn Millionen Euro investiert die Firma Tennet, die für die 220 000- und die 380 000-Volt-Schiene in Eltmann zuständig ist (um die kleineren Spannungen kümmert sich Eon) in den Umbau des Umspannwerks in Eltmann. "Hier wird ein neues Schaltfeld für die höhere Spannungsebene gebaut", erläutert Heiko Dankleff, der für das Unternehmen in Bayreuth (die Konzernmutter sitzt in den Niederlanden) den Umbau des Umspannwerks leitet.

Drei Millionen Euro


Kernstück des Umbaus ist ein neuer Transformator: Stückpreis drei Millionen Euro, rund 300 Tonnen schwer. Durch ihn fließt der Strom aus dem Überlandnetz in das regionale Verteilungssystem. Da der Strom künftig mit 380 000 Volt (bisher 220 000 Volt) in Eltmann ankommt, das regionale Netz aber mit 110 000 Volt gespeist wird, braucht es die mächtige Maschine, um die Spannung zu reduzieren.
Am 29. Februar startete der Transport beim Hersteller ABB in Bad Honnef. Auf einem 65 Meter langen Leichter am Haken eines Schubschiffes trat der Trafo seine 360 Kilometer lange Reise über den Rhein und den Main nach Eltmann an. Am Mittwoch in den frühen Morgenstunden legte das Gespann an der "Nato-Rampe" auf der rechten Mainseite in Eltmann an. Um den Koloss vom Schiff zu bringen, musste der Leichter im Main quergelegt und fest vertäut werden.

Schiffe müssen warten


Die Schifffahrt wurde deswegen nicht angehalten, sagte Helko Fröhner vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Schweinfurt. "Wir haben die Kapitäne angewiesen, mit halber Kraft zu fahren, um den Spezialisten ein entsprechendes Zeitfenster für die Entladung zu geben."
Die Prozedur dauerte knapp drei Stunden - Sprinttempo angesichts der Masse, die auf zwei schrägen Stahlrampen vom Wasser aufs Land gerollt werden musste. Eine Entladung mittels Kran schied aus, weniger wegen des Gewichtes, sondern vielmehr wegen der großen Entfernung vom Schiff auf dem Wasser zum festen Standplatz am Ufer. Solche Reichweiten bei diesem Gewicht überfordern wegen der enormen Hebelwirkung selbst die größten Mobilkräne.

Im Huckepack


Deshalb kam der Trafo im Huckepackverfahren in Eltmann an: Er bewältigte seine Seereise auf einem Tieflader mit zwölf Achsen, der von selbstfahrenden Zugmaschinen bewegt wurde: Rampe hoch vom Leichter runter, Rampe runter auf das Eltmanner Mainufer und dann am späten Abend über die kurzzeitig gesperrte B26 und die Industriestraße auf seinen neuen Stammplatz im Umspannwerk.
Der neue Trafo ersetzt den alten, der für die 220 000-Volt-Ebene ausgelegt war. Die höhere Spannungsebene wird laut Dankleff gebraucht, um das überregionale Leitungsnetz in Deutschland für die Energiewende zu ertüchtigen. Speziell Eltmann ist ein Knotenpunkt bei der Durchleitung von Windstrom von der Küste quer durchs ganze Land bis an den Alpenrand. "Dabei ist Eltmann aber nur einer von vielen Bausteinen", beschreibt Dankleff die technische Herausforderung, am Tag X nach der Abschaltung der Kernkraftwerke das Netz stabil zu halten.

Viele Sicherungen


Dabei gibt es viele "Sicherungen": Wenn in einigen Monaten der 220 000-Volt-Trafo abgeklemmt und der neue Spannungswandler angeschlossen wird, bricht die Stromversorgung nicht zusammen. "Es gibt für jedes Bauteil im Netz immer Ersatz, der bei Bedarf über die Steuerzentrale in Dachau zugeschaltet wird." Trotz der Vernetzung ist das Stromnetz in Deutschland ungeeignet, um die Schwankungen durch die dezentrale regenerative Energieversorgung abzufedern. "Mal kommt zu viel Strom, mal zu wenig. Die Steuerung ist wesentlich einfacher, wenn weniger Großkraftwerke mit konstanter Leistung laufen", sagt der Tennet-Experte.
Deswegen wird es noch mehr Baustellen als die in Eltmann geben müssen, wo neben dem neuen Tafo auch zwei neue 380 000-Volt-Strommasten gebaut werden müssen , um über die Autobahn hinweg den Strom von der Leitung Grafenrheinfeld-Redwitz ins Umspannwerk zu bringen. "Da fließt künftig mehr Strom", sagt Dankleff. Der andere Pol der Umrüstung steht in Grafenrheinfeld an: Dort muss das Umspannwerk am Kernkraftwerk nachgerüstet werden, um mit dem künftigen Weniger an Strom fertig zu werden.