Seit Mai 1998 fährt kein Personenzug mehr nach Maroldsweisach. 2005 wurden die Schienen abgebaut. Jetzt hat die Bundesbahn Maroldsweisach gänzlich abgekoppelt und aufs Abstellgleis geschoben. Auf dem Mobilitäts-Portal www.bahn.de tauchen weder Maroldsweisach noch Hofheim mehr auf. Das hängt damit zusammen, dass die beiden Kernorte nur noch von privaten Buslinien angefahren werden.

Die Vergabe erfolgte zwar bereits Mitte 2015, nunmehr sind aber Übergangsfristen ausgelaufen, weswegen das Bahntochter-Unternehmen Frankenbus/Omnibusverkehr Franken (OVF) nicht mehr mit "im Boot" ist. Deswegen gilt das Bayernticket in den Bussen der Firma Wagenhäuser nicht mehr - und Ortschaften entlang der (Berufsschul-)Linien Haßfurt-Hofheim-Maroldsweisach sowie Haßfurt-Ebern-Maroldsweisach tauchen in Fahrplan-Auskünften der Bahn komplett nicht mehr auf.

Das zieht skurrile Folgen nach sich, beispielsweise, wenn man von Ebern nach Maroldsweisach kommen möchte (Einfachstrecke: 17 Kilometer, Fahrzeit mit dem Auto rund eine Viertelstunde) wie unser aufmerksamer und kritischer Internet-Leser "hablohablo" herausgefunden hat.

Er schreibt: "Wer sich wie gewohnt im Internet beim Bahnportal "Bahn.de" über Busverbindungen zwischen Ebern und Maroldsweisach erkundigen möchte, wird feststellen: Es funktioniert nicht mehr wie vorher.

Erster Schock: die Haltestelle Maroldsweisach-Post scheint es nicht mehr zu geben. Nach etwas Probieren taucht sie schließlich doch noch auf. Wir suchen eine Verbindung am Werktag, in Ebern möchten wir gegen 10 Uhr starten und mit dem Bus nach Maroldsweisach fahren.

Zweiter Schock: Die Verbindung, die bei "Bahn.de" ausgespuckt wird, lässt einen erschaudern. Abfahrt in Ebern nicht gegen 10 Uhr, sondern um 15.02 Uhr! - Mit dem Zug sollen wir: Nach Bamberg fahren, dort um 15.36 Uhr in den Regionalexpress nach Coburg steigen. In Coburg müssen wir den Bus um 16.30 Uhr nach Seßlach nehmen und bis Dietersdorf fahren, wo Gelegenheit zu einer gemütlichen Pause von 57 Minuten besteht.

Erst nach diesem Zwangsaufenthalt bringt uns ein Anruf-Sammeltaxi nach Wasmuthhausen mit der Ankunftszeit 18.15 Uhr. Gut, wenn man dort vorsorglich ein Zimmer gebucht hat, denn der Bus nach Maroldsweisach fährt erst nach einer "Umsteigezeit" von zwölf Stunden und 50 Minuten (!) weiter zur Haltestelle Post in Maroldsweisach. Die Fahrt von Wasmuthhausen dauert allerdings auch noch einmal 20 Minuten. Um 7.25 Uhr des folgenden Tages sind wir am Ziel."

Soweit die Entdeckung von hablohablo. Ein "Glücksfall", wie unsere Recherchen ergeben, denn oft enden die Verbindungen in Wasmuthhausen. In den Kernort Maroldsweisach kommt man nur als Tramper oder als Tippelbruder.

Wie es zu diesem erneuten "Abhängen" des ländlichen Raumes kam, erklärt Oberregierungsrat Thomas Albert, Pressesprecher am Landratsamt Haßberge. " Die Buslinien 8168 und 8226 sind nicht mehr im Auskunftssystem der DB vorhanden. Das liegt daran, dass das für die Linien zuständige Verkehrsunternehmen seine Kooperationsverträge gekündigt hat (über die Kooperationsverträge war die Aufnahme in die Auskunftssysteme gewährleistet). Die anderen 41 Linien des Landkreises sind in den Auskunftssystemen vorhanden."

Das Verkehrsunternehmen ist, so der Kenntnisstand im Landratsamt, derzeit in Vertragsverhandlungen, damit die Fahrpläne baldmöglichst (wieder) in die Auskunftssysteme aufgenommen werden. Eine Testversion sei, so Albert weiter, laut Unternehmen Wagenhäuser bereits in Arbeit.


Eindeutig: ein Rückschritt

Ein Rückschritt also. Der seinen Ursprung darin hat, dass die Konzessionen der Linien zum 1. Juni 2015 nach einer entsprechenden Ausschreibung von der Regierung von Unterfranken neu vergeben worden waren. In den Jahren zuvor bediente die Omnibusverkehr Franken GmbH (OVF) die Linien zwischen Haßfurt und Maroldsweisach. Dieses Tochterunternehmen der Deutschen Bahn ("Frankenbus") entstand vor gut 25 Jahren aus der Tradition der Post- und Bahnbusse. Auf allen OVF-Linien galten auch die Fahrkarten der Deutschen Bahn, auch das Bayern-Ticket.

Bei der Neuausschreibung hatte sich das ein Privatunternehmen Wagenhäuser aus Hofheim durchgesetzt, das die Linie jetzt eigenwirtschaftlich betreibt. Zunächst wurden die Reisenden, die mit einem Ticket der Bahn in den Wagenhäuser-Bussen auf der Linie mitfuhren, während einer Übergangszeit noch intern über die OVF verrechnet. Damit ist es jetzt vorbei. Die Bahn hat sich komplett verabschiedet, auch im Internet.


Gar kein Bus am Wochenende

Noch ein Schmankerl gefällig? Kollege Klaus Vogt vom "Boten vom Haßgau" hat einen Irrweg herausgefunden, den die Bahn für eine Fahrt von Goßmannsdorf nach Würzburg vorschlägt: Das Bahn-Computerprogramm empfiehlt zunächst den Bus 9113, der über Burgpreppach bis nach Ebern fährt. Dort erfolgt das Umsteigen in einen Agilis-Zug, der nach Bamberg fährt. Von der Domstadt Bamberg geht es dann per Zug über Haßfurt bis nach Würzburg. Gut dreieinhalb Stunden sollte man als Reisezeit dabei einplanen.

Besserungen scheinen aber in Sicht: Zum einen bemüht sich das Busunternehmen darum, wieder ins Bahn-Informationssystem aufgenommen zu werden.

Eine grundsätzliche Änderung im Tarifgefüge würde sich ergeben, wenn der gesamten Landkreis dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) angegliedert wird und nicht nur der Bereich Ebern und Steigerwald. Denn im VGN-Gebiet wird das Bayernticket auf allen Buslinien anerkannt. Dann tauchen auch Maroldsweisach und Hofheim wieder auf den Karten der Bundesbahn auf.

Ein Manko bleibt aber dennoch: Die (Berufs-)Schulbusse über Ebern verkehren nur an Werktagen, am Wochenende schaut's ganz duster aus.