Sie sind ab 50 Euro zu haben, äußerst beliebt und sorgen immer häufiger für Ärger. So wie neulich in Coburg, wo ein solches Flugobjekt eine 47-jährige leicht bekleidete Frau auf deren Balkon filmte. Oder in München: Wo eine Drohne fast mit einem Airbus zusammengestoßen wäre. Das Thema Drohnen hat nun auch die Politik auf den Plan gerufen. Der Bund plant eine Höhenbegrenzung und Führerscheinpflicht, die Flugsicherung fordert die Zwangsregistrierung. Fränkische Modellflieger sind besorgt. Sie fürchten um die Zukunft ihres Hobbys. Die Verbreitung von Drohnen will die Deutsche Flugsicherung (DFS) begrenzen.

DFS-Geschäftsführer Klaus-Dieter Scheuerle fordert eine Registrierungspflicht und den Einsatz von Chipkarten für ferngesteuerte Multicopter. "Zum einen lässt sich bei einem Unfall oder Missbrauch schnell nachvollziehen, wer die Drohne gesteuert hat. Damit wird das Verantwortungsbewusstsein der Piloten gestärkt", sagt er.

"Zum anderen ermöglichen diese Chipkarten Mehrwertdienste der Flugsicherung, zum Beispiel die Versorgung mit Karteninformationen und anderen wichtigen Daten." Ähnlich wie bei der SIM-Karte fürs Mobiltelefon müsste jeder Drohnenpilot die Karte in seinem Fluggerät aktivieren, bevor ein Start möglich ist.

Für Ingo Bäuerlein aus Weismain ist die Luftbildfotografie zu einer Leidenschaft geworden. Auch über dem Landkreis Haßberge war er schon einige Male unterwegs und bietet auf seiner Internetseite www.frankenair.de beeindruckende Bilder von oben an. Der Elektromechaniker ist in jeder freien Minute über Franken unterwegs und macht Bilder. Ab und zu nutzt er dafür auch seine Drohne. Zu den Forderungen der DFS hat er eine klare Meinung: "Natürlich muss auf diesem Sektor etwas passieren", sagt Bäuerlein. Eine Registrierungspflicht halte er für alle Drohnenpiloten für sinnvoll - egal ob gewerbliche oder private Nutzung. Ob der Einsatz von Chipkarten Sinn macht und wie sicher so ein System ist, kann Bäuerlein momentan noch nicht sagen.


Grenze und Führerschein?

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) geht noch weiter. Er will den Gebrauch von Drohnen mit einem Gewicht von mehr als 500 Gramm neu regeln. Privatflüge sollen nur bis zu 100 Metern erlaubt sein. Für gewerbliche Einsätze soll es eine Art Führerscheinpflicht geben.

Ingo Bäuerlein ist sich sicher: "Die 100-Meter-Grenze muss für alle gelten." Schließlich beginne ab 150 Metern der Luftraum für die bemannten Luftfahrzeuge. "Ich finde es vom Gesetzgeber verantwortungslos, dass dies nicht längst umgesetzt wurde", meint Bäuerlein.

Die Führerscheinpflicht für gewerbliche Piloten kann er dagegen nicht nachvollziehen. Diese bräuchten sowieso eine Genehmigung vom Luftamt und eine Haftpflicht-Versicherung für ihre Fluggeräte. "Bei einem Fehlverhalten wird einem sowieso die Lizenz vom Luftamt entzogen und man ist arbeitslos", erklärt Ingo Bäuerlein.

Aus dem Kreis Lichtenfels erntet Alexander Dobrindt für seine Forderungen ebenfalls Kritik. "Die Höhenbeschränkung ist für uns absolut inakzeptabel. Sie macht unser Hobby unmöglich", schimpft Gerhard Pohl von der Modellfluggruppe Michelau während eines Gesprächs mit der Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner (CSU). "Das Spiel mit den Naturkräften macht unser Hobby aus." Jetzt sei ein Aufstieg bis auf 762 Meter möglich, doch flögen die Hobbypiloten der Vereine ihre Modelle stets auf Sichtweite. Jeder Flug werde protokolliert. "Dass eine Regelung her muss, da sind wir alle einer Meinung", räumt Jürgen Christ von der Modellfluggruppe Phoenix Lichtenfels ein.


Es braucht Regelungen

Doch müssten die Drohnenflüge geregelt werden, denn die Modellflieger hätten ihre Bestimmungen bereits. Drastisch schildert er, welche Konsequenzen die vorgesehene Neuregelung seiner Meinung nach hätte: "Das wäre der Todesstoß für die Modellfluggruppen. Den Vereinen würden die Mitglieder davonlaufen und alle würden schwarz fliegen. Der Nachwuchs für die Luftfahrt würde in Zukunft fehlen."

Christ plädiert für einen Bestandsschutz auf den Modellflugplätzen und dafür, die privaten Drohnenflieger auf die Modellflugplätze zu "zwingen", dort gebe es eine fachkundige Aufsicht.

Zeulner will sich nun für die Modellflieger einsetzen. "Es ist ganz wichtig, dass die Modellflieger auch in Zukunft uneingeschränkt ihrem Hobby nachgehen können und dieser tolle Sport nicht durch überzogene Auflagen kaputt gemacht wird", betont die Politikerin.

Ronald Rinklef, Pressefotograf beim Fränkischen Tag und selbst Besitzer einer Drohne, kann die Diskussion nachvollziehen: "Es ist verständlich, dass der Schutz der Privatsphäre auch für Besitzer von Drohnen gilt. Doch die neuen Gesetze bringen erhebliche Einschnitte mit sich - vor allem die Kennzeichnungspflicht. Drohnenflüge in Bamberg etwa muss man sich schon heute von der Pressestelle der Stadt genehmigen lassen", erklärt Rinklef.

Kommentar: Technik, die Angst macht

Es ist eine beängstigende Vorstellung: Man liegt in seinem Garten und bräunt sich im Bikini. Hecken rund um das Grundstück schützen vor nervenden Blicken. Doch vor einer Drohne, die sich über den Garten verirrt oder absichtlich dort hingesteuert wird, gibt es keinen Schutz.

Und das macht Angst: Wirklich jeder kann sich eine Drohne kaufen und damit überall herumfliegen, wie es ihm passt. Es bleibt unverständlich, warum die Politiker so lange untätig geblieben sind und erst jetzt eine Diskussion über neue Regelungen ins Rollen bringen.