Sie spielten ihre Rollen lebendig, frisch, humorvoll, sarkastisch, schüchtern und forsch - kurz sehr authentisch. Denn schließlich ist das Theaterstück ein Stück über die Jugend. "Du bist nicht reich, du bist nicht schön - was willst du hier?" Mit diesen knappen, aber eindeutigen Worten beginnt die Handlung, die auf teils ironische, teils tragikomische, oft aber schockierend realistische Weise die Frage nach den richtigen Werten von Jugendlichen stellt.

Es zeichnet Charaktere, wie es sie an jeder Schule gibt, und zu denen die tonangebenden und die an den Rand gedrückten Schüler zählen. Die Schüler, die "in" sind, weil sie beispielsweise zu den Reichen und Schönen gehören, und die Schüler, die dazugehören möchten und sich ausnutzen lassen. Die Gewinner und die Opfer.
Durch die gesamte Handlung zieht sich der Dialog zwischen "X", dem Sinnbild für jeden x-beliebigen Schüler, der den Frust, die Einsamkeit und den Spott der anderen nicht mehr ertragen kann, dem Engel und dem Teufel. "X", sehr überzeugend gespielt von Katharina Rudolph, will von einer Brücke springen. Rechtzeitig wird sie vom Engel (Irina Schuhmann) daran gehindert und vom Teufel (Tim Schuhmann) aufgefordert, ihre Geschichte zu erzählen. So entspinnt sich auf der Bühne in kurzen Szenen der "Alltag" von Jungen und Mädchen im Kindergarten und in der Schule.


Satirischer Blick auf die Wirklichkeit



Der Wunsch, dazuzugehören, etwas darzustellen, jemand zu sein, scheitert immer wieder an den Meinungsführern, den Reichen, Schönen und Selbstbewussten. Mit scharfem, satirisch überspitztem Blick auf die Wirklichkeit und hohem Unterhaltungswert werden die kleinen und großen Gemeinheiten, die Intrigen, das Mobbing und die beiläufigen Spitzen der Jugendlichen aufgezeigt.

Auch die Unfähigkeit der Lehrer und das Desinteresse der Eltern an ihren Kindern spielen eine Rolle. Am Ende aber werden alle "Gewinner" durch verschiedene Umstände zu Opfern und springen gemeinsam mit "X" in den Abgrund. Doch halt. Aus dem Publikum fordern zwei Zuschauerinnen ein "Happy End" für ihr Eintrittsgeld und so beginnt die Schlussszene noch einmal von vorne. Sie zeigt auf, wie schön das Leben durch etwas Freundlichkeit, Mitmenschlichkeit, Wärme und Liebe sein könnte.

Mit großem Elan und sehr viel Einfühlungsvermögen sind die 24 Schüler in die Rollen geschlüpft. Sie hatten sichtlich Spaß, ihren ganz normalen Schulalltag zu spielen. Auch wenn die Leiterin und Regisseurin Katrin Hiernickel den Eltern im Publikum zurief: "So ein Umgangston herrscht an unserer Schule natürlich nicht."
Besonders beeindruckend waren Larissa Henke in der Rolle von Rita, die gerne zu den "Top Girls" gehören möchte, aber von ihnen nur ausgenutzt wird, Nathalie Höhn als Cindy, die die schönen "Zicken" anführt, Meike Makowski als Jamal, der dem richtigen Leben mit Kiffen entflieht, Sophia Rein als völlig überforderte Referendarin und Natascha Roth als unsensible Deutschlehrerin.


Nur eine fällt aus dem Rahmen



Überragend schließlich war in der Premiere Maxine Korn als Waldorfschülerin Cordula, die sich als einzige nicht dem Wahn unterzieht, "dazugehören" zu wollen. Mit einem begeisterten Schlussapplaus und dem Dank der Schauspieler an ihre Regisseurin Katrin Hiernickel endete das unterhaltsame, nachdenklich machende und humorvolle Theaterstück. Das richtige Leben aber geht weiter.

So gab Michael Schwarz, der den Starfußballer David gespielt hatte, an: "Was in dem Stück übertrieben dargestellt wird, ist durchaus Realität. Kinder sind wirklich fies." So gebe es an jeder Schule Mädchen oder Jungen, die andere neckten oder die sich necken ließen. "Einen BigMac, also ein dickes Kind, das wegen seines Übergewichts gehänselt wird, findet man überall." Auch Maxine Korn gab zu, dass "das Stück den normalen Schulalltag beschreibt". Das in dem Stück überspitzt dargestellte Zickengehabe, sei durchaus Realität. "Bei manchen Mädchen drehen sich die Themen eben hauptsächlich um Jungen, Kleider, Frisuren oder Schminke."

Die weiteren Mitwirkenden waren Laura Schneider, Elisabeth Goger, Clara Fischer, Laura Dürbeck, Jakob Stuhlfelder, Luisa Steinhäuser, Felicia Jilke, Eva Grümpel, Dorina Mühr, Sose Baghumyan, Alexandra Koch, Julia Ringer sowie die Austauschschüler Dominik Rafanoharana aus der Slowakei und Gabriel Hrastovic aus Kroatien. Für die Technik waren Simon Gebauer, Jonas Thelenberg und Oliver Kupczyk unter der Leitung von Jörg Thelenberg zuständig.