Die Hitze hat zwei Seiten. Im Schwimmbad ist alles gut auszuhalten. Wer allerdings beruflich auf die Natur angewiesen ist, der braucht bei diesen Sahara-Temperaturen und der anhaltenden Trockenheit einen starken Körper und starke Nerven.

Mais, Kartoffel, Kürbis und Gemüse wachsen nicht, die Ernte dürfte wenig erfreulich werden. Getreidefelder mussten wegen der Notreife frühzeitig geerntet werden, und der Ertrag fiel geringer aus als in früheren Jahren.


Trauben ab

Selbst für die Winzer beginnt sich der Trocken-Sommer bald eher als Drama auszuwirken, denn sogar den tief wurzelnden Weinstöcken geht die Puste aus: Der Zweite Vorsitzende des Weinbauvereins Haßberge, Rudi Ruß aus Sand, schildert die Problematik. "Ich fahr' jetzt das Wasser raus, das seit Dezember/Januar nicht gefallen ist." Noch deutlicher ist seine Rechnung: Im Abt-Degen-Weintal im Landkreis Haßberge gibt es etwa 100 Hektar Weinbau. Quasi eine Million Quadratmeter Fläche. Im Durchschnitt steht auf jedem zweiten Quadratmeter ein Weinstock, dann dürfte es im Landkreis rund 500 000 Rebstöcke geben. Würde man jedem Stock nur eine Gießkanne voll Wasser geben (zehn Liter), das kommt etwa bei einem Regenguss zusammen, würde das zehn bis 20 Millionen Liter Wasser bedeuten. Für die Winzer nicht zu schaffen. Je nach Lage muss mancher aber um seine Stöcke fürchten. Wenn man weiß, dass eine Rebe nach Neuanpflanzung erst nach gut drei Jahren Ertrag bringt, kann man sich den Schaden ausmalen. Was tun?

Etliche haben schon vor einer Weile die Scheren angesetzt und einen Teil der Trauben abgeschnitten, um die Versorgungslast für die Reben zu erleichtern. Mittlerweile müssen, wie ein Oberschwappacher Winzer es schilderte, noch einmal Trauben runter. "Die Beeren sind hart wie Kugellager", sagt der Winzer, selbst wenn jetzt der Regen käme, brächte das nichts, weil die Beeren platzen würden.

"Die Trockenheit ist heuer total extrem. Die Leute denken immer, dass die Hitze ein Garant für einen Jahrhundertwein ist, das ist aber leider nicht so", erklärt Christine Müller. Die Winzerfamilie Müller aus Zell hat bei Sand etwa einen mit 40 bis 50 Prozent Steigung außerordentlich steilen Weinberg am Fischersberg gegenüber der Sander Motocrossstrecke. Hier extra zu bewässern, das ist wegen der schlechten Zufahrt so gut wie unmöglich.


Gegen die Dürre

In Sand hat man den Kampf gegen die Dürre noch nicht aufgegeben. Er kostet Kraft, Wasser und auch Spritgeld: Rudi Ruß beispielsweise ist den ganzen Tag unterwegs, füllt tausende Liter fassende Fässer und treibt seinen Traktor unter Vollgas den Sander Kronberg oder den Zeller Schlossberg hoch, wo er Weinberge hat. Auch befreundeten Winzern hilft er, schneidet überzählige Trauben weg.

Das kostet wenigstens "nur" Arbeitszeit. Angesichts der immer häufigeren Trockenphasen greifen aber auch immer mehr Erwerbswinzer tief in den Geldbeutel: Das Zauberwort ist Tropfbewässerung. Schläuche mit Löchern entlassen das kostbare Nass tröpfchenweise auf den Boden, so kann das Wasser effektiv und ohne Verlust zu den Wurzeln dringen. Ruß weiß, dass durch die wenigen Niederschläge im ersten Halbjahr viele Winzer schon vor der Blüte mit der Tropfbewässerung beginnen mussten.

Haben in Oberschwappach noch geschätzt gerade mal zehn Prozent der Winzer eine solche Tropfbewässerung ("im nächsten Jahr werden es 50 Prozent sein", sagt der Kollege in Oberschwappach voraus), so ist die moderne Form der Bewirtschaftung bei den großen Sander Winzern schon gang und gäbe.


Der August bringt das Aroma

Schließlich wollen und müssen sie ihren Kunden Qualitätsweine anbieten, und da zählt der August. Jetzt bauen die Beeren Säure und wichtige Inhaltsstoffe auf, die später die Aromen hervorbringen. Rudi Ruß aus Sand zitiert ein Sprichwort: "Was der Juli und August nicht in die Beeren bringt, kann der September nicht reifen lassen."