Still fließt der Main in der morgendlichen Sonne vor der Kulisse der alten Mainmühle in Haßfurt. Am Ufer bewegen sich Menschen. Es sind Taiji-Treibende, versunken in die morgendlichen Übungen.
Himmel, Erde, Mensch. In diesem friedvollen, harmonischen Bild offenbart sich der Charakter des Treffens, das in Haßfurt Roland von Loefen ins Leben gerufen hat. Zum dritten Mal kamen Interessierte zum Internationalen Taijiquan-Pushhands-Treffen.

"Gerade das für mich vorher unbekannte halbfreie Pushen war eine bereichernde Erfahrung, da es eine im freien Spiel sonst immer wieder mal aufkeimende Härte und Konfrontation von vorneherein verhindert und zu Kooperation, Selbstbeobachtung und regem Austausch führt. So wird aus dem ,Gegner' schnell ein Partner." So formulierte Karin Sperber-Trunz ihre Eindrücke. Sie war sehr angetan. Die Taiji- und Qigonglehrerin aus Tuttlingen war eine von 60 Teilnehmern aus Norwegen, der Schweiz, den Niederlanden, Tschechien, England und Deutschland. Sie folgten dem Ruf von Hauptorganisator Loefen aus dem Knetzgauer Gemeindeteil Zell. Er leitete mit Hella Ebel (Osnabrück), Thomas Kirchner (Jena) und Herbert Winter (Fürth) als Lehrer der Tàijíquán-Schule des zentralen Gleichgewichts ("Instructor oft the Tàijíquán School of Central Equilibrium") die Workshops.

Es ist Partnerarbeit

"Interessierte aller Taiji-Stile hatten die Möglichkeit, sich im Tuishou auszuprobieren, um die Prinzipien des Taiji, die seit Jahrhunderten in den klassischen Schriften des Taijiquan überliefert sind, besser zu verstehen und umzusetzen", erklärte Loefen. Tuishou bedeutet soviel wie "Push Hands", was mit "Partnerarbeit des Taiji" übersetzt werden kann. "Mit ihrer Erfahrung und Begeisterung standen uns die Lehrer zur Seite und haben dabei viel Wert auf feine, energetische Detailarbeit und Selbsterfahrung gelegt", lobt Karin Sperber-Trunz.
Diesmal ging es um die "Seven Pushes" - wichtige klassische Prinzipien. Nach der Theorie folgte die Praxis. Beim "halbfreien" Pushen waren wechselnder Stand und die Rolle als Aktiver oder Neutralisierender vorgegeben. "Eine bereichernde Erfahrung, da es eine im freien Spiel sonst immer wieder mal aufkeimende Härte und Konfrontation von vorneherein verhindert und zu Kooperation, Selbstbeobachtung und regem Austausch führt", bilanzierte Sperber-Trunz. Ihr gefiel die "außergewöhnlich freundliche und friedvolle Atmosphäre, die jeglichen Stress verhindert und echte Lernerfahrungen ermöglichte." Ihr fiel auf, wie bereitwillig Erfahrenere ihr Wissen mit Unerfahreneren teilten. "Ich persönlich möchte so ein freundschaftliches, familiäres Treffen und die zahlreichen Erfahrungen und Kontakte, die ich mitnehme, nicht mehr missen."

Anreise von Norwegen her

Olaf Broch stimmte ihr zu; er hatte sich selbst von der weiten Anreise nicht schrecken lassen. "In meiner Heimat gibt es leider nicht so viele Taiji-Gruppen", begründete der Norweger seinen Trip nach Unterfranken. "Ich finde alles sehr interessant, weil so verschiedene Menschen hier sind und viel verschiedene Stile geübt werden. Das finde ich sehr sympathisch."
Vom Haßfurter Treffen hat der 53-Jährige, der im südnorwegischen Kristiansand nahe Oslo lebt, aus dem Internet erfahren. Vor einem Jahr ist er zum "Taiji" gekommen, nachdem er sich zuvor mit Chigong beschäftigt hat. "Taiji beschäftigt sich auch mit der Seele und mentalen Prozessen, die sozusagen zusammengekoppelt sind. Ich finde, Taiji kann man sein ganzes Leben machen. Es wird meiner Meinung nach nie langweilig." Olaf Broch möchte, "wenn es mir möglich ist", auch 2016 wieder kommen.