20 Jahre ist es her, dass das Therese-Stählin-Haus vom Diakonieverein Sozialstation Maroldsweisach mit zwölf Plätzen eröffnet wurde. Drei Jahre später, im Jahr 1999, wechselte die Betriebsträgerschaft zum Diakonischen Werk Haßberge. Immer wieder wurde deutlich, dass mehr Platz für weitere hilfebedürftige Menschen nötig war, was aber aus Geldgründen nicht umgesetzt werden konnte.


"Viel Hirnschmalz"

Am Sonntagnachmittag wurde jetzt ein neuer Anbau mit sechs zusätzlichen Pflegeplätzen eingeweiht, sodass jetzt 18 Plätze für Dauer- und Kurzzeitpflege sowie vier für "eingestreute" Tagespflege zur Verfügung hat.
Ein ökumenischer Gottesdienst am Sonntagnachmittag mit Dekan Jürgen Blechschmidt, Pfarrer Wolfgang Scheidel und Pater Michael ging der Einweihung des Anbaus und der anschließenden Feier unter freiem Himmel voraus. Pfarrer Wolfgang Scheidel, zuständiger Geistlicher des Diakonievereins Maroldsweisach, sagte in seiner Predigt: "Dreißig Jahre musste ich waren, um eine Predigt mit den Worten ,ihr seid schuld‘ beginnen zu können." Allerdings handele es sich um eine Schuld im besten Wortsinn: "Viele haben sich bei der Planung des Anbaues mit eingebracht, sind also Schuld daran, dass wir diesen heute segnen und einweihen können", so der Geistliche.
Er sprach Helmut Kastner, Pfarrer im Ruhestand, an, mit dem er 2012 "viel Hirnschmalz" verbrauchte, als man sich mit dem Anbau konkret befasste. Herausforderungen wurden gemeistert, deren Lösungen man nicht von der Stange kaufen könne, so Scheidel.
Allerdings sei es Gott, der alles erbaue. "Er lässt gelingen, was uns gelingen soll." In einer Zeit wie der Heutigen rüttelten viele an Gottes Haus. Der Geistliche spannte hier den Bogen zu den letzten Anschlägen in Würzburg, Nizza und München. "Um das alles zu verkraften, ist starkes Gottesvertrauen vonnöten, und wir müssen der Fürsorge einen Platz einräumen", sagte Scheidel.
Im Anschluss baten Geistliche und Gemeinde auf dem Platz vor dem Therese-Stählin-Haus um Gottes Segen für den Anbau. Dekan Jürgen Blechschmidt sagte, dass in einem Brief die "Werke der Barmherzigkeit" aufgezählt werden: Die Pflege und Betreuung nenne Jesus in dieser Aufzählung nicht. Das habe seinen Grund darin, dass es in der damaligen Gesellschaft selbstverständlich war, dass ältere und pflegebedürftige Menschen in der Großfamilie lebten.


"Pflegebedarf wird steigen"

"In unserer Gesellschaft ist es anders und wir kennen die Prognosen, dass der Bedarf sogar noch steigen wird, weil die Menschen immer älter werden."
Umso erfreulicher sei die Tatsache, dass der Diakonieverein Maroldsweisach in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk Haßberge darauf reagieren konnte und den Anbau am Therese-Stählin-Haus verwirklicht habe. Die Einweihung sei zweimal Grund zur Freude: Zum einen könne man mehr Menschen aufnehmen und zum anderen werde das Therese-Stählin-Haus finanziell besser dastehen, als bisher. Ihre Freude über den Anbau brachte Heimleiterin Christine Deiniger zum Ausdruck und überreichte Pflegdienstleiterin Erika Jünger ein Geschenk.


Finanzielle Trendwende?

Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte Pfarrer Scheidel, dass die Einrichtung über Jahre finanziell schwierig lief. Daran habe auch die Umwandlung einiger Kurzzeit- in Dauerpflegeplätze nichts ändern können.
Der nun umgesetzte Plan reifte unter dem Bauherrn, Diakonieverein-Sozialstation Maroldsweisach, seit 2012 heran und wurde mit Architektin Renate Schubart-Eisenhardt umgesetzt. Baubeginn des Anbaus war im Mai 2015, das Richtfest feierte man am 5. August 2015. Schrittweise wurde der Anbau ab Dezember letzten Jahres bezugsfertig. Nach den Worten von Pfarrer Scheidel betrug die veranschlagte Bausumme 350 000 Euro. "Unser wirtschaftliches Ziel ist die schwarze Null", trotzdem werde der familiäre Charakter der Einrichtung erhalten bleiben", betonte er.
Nach dem Gottesdienst würdigte Bürgermeister Wolfram Thein (SPD) die Pflegeeinrichtung: "Das Therese-Stählin-Haus ist eine wichtige Einrichtung in unserem Gemeindegebiet, gerade für die ältere Bevölkerung. Mich freut es ganz besonders, dass es nach längerer Zeit geklappt hat, den Anbau zu verwirklichen. Gedanken hatte man sich ja schon lange gemacht, wie man dieses Haus zukunftsträchtig aufstellen kann. Es ist toll geworden." Sein Vorgänger im Amt und jetziger Landrat Wilhelm Schneider (CSU) sagte: "Das Therese-Stählin-Haus ist für den Landkreis eine ganz wichtige Einrichtung, vor allem für den nördlichen Bereich, weil hier wohnortnah die ältere Bevölkerung im Bedarfsfall eine Pflegeplatz findet und für Angehörige kurze Wege da sind."