Die Vorgänge bei der Justiz sind für Laien mitunter schwer nachvollziehbar. Das machte jüngst ein Strafprozess vor dem Amtsgericht in Haßfurt deutlich. Ein 62-Jähriger, der bereits 26 Mal (!) zumeist wegen Betrugs verurteilt wurde, stand vor dem Kadi. Dass er sich erneut schuldig gemacht hatte, stand außer Frage. Aber: In den letzten Monaten wurde der Mann wegen ähnlicher Delikte von den Amtsgerichten Ansbach, Forchheim und Albstadt zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Diese Urteile müssen - zusammen mit dem Haßfurter Betrugsfall - zu einer Gesamtstrafe zusammengefasst werden. Und weil dabei der Haßfurter Fall, auf deutsch gesagt, "das Kraut nicht mehr fett macht", wurde das anhängige Verfahren gegen den Schwindler aus Südbayern eingestellt.

Was war passiert? Vor zweieinhalb Jahren, im Juli 2012, verwickelte der momentan Arbeitslose eine damals 44-jährige Frau aus der Gemeinde Rentweinsdorf in ein Verkaufsgespräch. Damals war er als Vertreter unterwegs, um interessierten Kunden eine "Wellness - Magnetmatte" anzudrehen. Eine solche Matte - so die Verkaufsargumente - sei gesundheitsfördernd und bewirke unter anderem Muskelentspannung, Schmerzlinderung und Knochenaufbau. Der reguläre Verkaufspreis für diese Wundermatte lag bei 1100 Euro pro Stück. Als der Vertreter einen beträchtlichen Preisnachlass offerierte, wurde man sich für den "Schnäppchenpreis" von 750 Euro einig. Die Frau zahlte und erhielt die Ware.

Fehlerhafte Produktlinie

Ein halbes Jahr später, im Februar 2013, klingelte der Verkäufer wieder an der Tür der Kundin. Die gelieferte Matte, sagte er der überraschten Frau, stamme aus einer fehlerhaften Produktlinie. Mit dem Versprechen, ein einwandfreies neues Gerät zu liefern, nahm er die Magnetmatte mit. Als sich in der darauf folgenden Zeit nichts tat, versuchte die Frau, dem Mann hinterher zu telefonieren. Vergeblich, der Vertreter war abgetaucht und dachte gar nicht daran, sein Versprechen einzulösen. Für das Opfer war das der "worst case": Ihr Geld war weg und die Ware auch.

Staatsanwalt Ralf Hofmann wertete dieses Verhalten des Spitzbuben als "typische Betrugsmasche". Sich rechtfertigend, schob der Angeklagte die Schuld auf seinen Lieferanten. Der habe ihm zugesichert, als Ersatz einwandfrei funktionierende neue Produkte zu schicken. Dieser Plan, so die Ausflüchte des sich um einen seriösen Eindruck bemühten Beschuldigten, sei letztendlich gescheitert, weil sein Auftraggeber schwer erkrankt und "praktisch pleite" sei. Inzwischen, gab der vielfach Vorbestrafte zu Protokoll, mache er "nichts mehr auf diesem Gebiet".

Die übers Ohr gehauene Frau bejahte im Zeugenstand die Frage der Richterin Ilona Conver, ob sie nach wie vor eine neue Magnetmatte wolle. Der Angeklagte entschuldigte sich bei seiner Ex-Kundin und versprach hoch und heilig, "per DHL bis nächsten Freitag eine nagelneue Matte" zu liefern. Unter dieser Auflage erfolgte dann die Einstellung, weil die zu erwartende Strafe im Kontext der bereits verhängten Urteile der anderen Gerichte "nicht beträchtlich ins Gewicht fällt", wie der entsprechende Gesetzestext lautet.