"Drei, zwei eins", ruft der Schwimmlehrer der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) Ebern, Klaus Bayersdorfer, und der erste Erstklässler der Grundschule Maroldsweisach springt mit Hilfe des Lehrers ins Becken. Der Kleine taucht auf und paddelt zur Treppe. Raus aus dem Wasser und auf zum nächsten Sprung. "Toll gemacht", lobt der Schwimmlehrer. Beim zweiten Sprung braucht er die Hand seines Lehrers nicht mehr und springt alleine ins kühle Nass.

Schwimmen üben nur im Sommer

Zum zweiten Mal kommt die Grundschule Maroldsweisach in das Altensteiner Schwimmbad. "Wir haben das Problem, dass das Eberner Schwimmbad seit drei Jahren brach liegt", sagt die Leiterin der Grundschule Maroldsweisach, Ulrike Zettelmeier. Seitdem können die Schüler nur noch im Sommer im Altensteiner Burgenfreibad üben.

Neben dem Hallenbad-Problem ist die personelle Situation nicht einfach. "Wenn wir mit den Kindern schwimmen gehen, müssen pro Klasse mindestens zwei Betreuer dabei sein", erklärt Zettelmeier. Ohne die Hilfe der ehrenamtlichen Schwimmlehrer der DLRG Ebern, Rudi Rath und Klaus Bayersdorfer, würde der Schwimmunterricht nicht stattfinden können.

Untersuchungen

Laut neuesten Studien der DLRG kann bereits jedes zweite zehnjährige Kind nicht schwimmen. Deutschland wird zum Nichtschwimmer-Land. Und der Kreis Haßberge zum Nichtschwimmer-Landkreis? In der ersten Klasse der Grundschule Maroldsweisach sind zehn Nichtschwimmer und in der vierten Klasse drei Schüler, die nur sehr schlecht schwimmen können. "Das sind viel mehr Nichtschwimmer als früher", meint Ulrike Zettelmeier. Für sie liegen die Gründe auf der Hand: die Erlebnisschwimmbäder und teilweise die Eltern. "Manche Eltern legen keinen Wert mehr darauf, dass ihre Kinder schwimmen lernen. Ich habe Viertklässler, die paddeln nur." Erlebnis-Schwimmbäder geben den Rest dazu: Reifenrutsche, Wellenbad und Whirlpool lenken Kinder und Eltern davon ab, richtig schwimmen zu üben. "Die Bäder in Altenstein und Ebern sind super. Ich genieße es, wenn nicht viele Aktionen da sind, weil man dann einfach nur schwimmt", erklärt sie.

Schwimmkurse werden viele angeboten, das bestätigt auch das Schulamt in Haßfurt. Laut Zettelmeier wird das jedoch viel zu wenig angenommen. "Es darf nicht passieren, dass die Kinder die Grundschule verlassen und noch nicht schwimmen können. Da müssen auch die Eltern in die Pflicht genommen werden."

Um das zu verhindern, gibt es laut dem Schulamt in Haßfurt vom Kultusministerium ein neues Konzept für die Grundschulen: Schwimmfix. Kinder, die in der ersten Klasse noch nicht schwimmen gelernt haben, können neben dem regulären Unterricht einen sechswöchigen Schwimmkurs absolvieren. "Die Kinder werden nochmal gestärkt. Und dabei geht es nicht um Schwimmstile, sondern um das reine Über-Wasser-Halten", erklärt Claudia Schmidt vom Schulamt.

Laut Schmidt gibt es im Landkreis Haßberge nicht viele Nichtschwimmer: Sechs bis sieben Kinder einer Schule können ihren Angaben nach nicht schwimmen. Dabei handele es sich meist um Kinder, die neu in die Klassen gekommen sind, oder um Kinder von Asylbewerbern. "Sie müssen sofort ans Schwimmen herangeführt werden. Denn jedes Kind, das nicht schwimmen kann, ist eines zu viel. Gerade bei uns in der Region, wo der Main direkt vor der Haustür liegt", meint Schmidt.

Benjamin ist ein Kind von Asylbewerbern und lernt in Altenstein das Schwimmen. Rudi Rath lässt den Viertklässler auf den Beckenrand sitzen und zeigt ihm, wie man den Beinschlag ausübt. Fünf Trockenübungen und schon schwimmt er los. "Du bist ja ein richtiges Naturtalent. Das klappt ja super", lobt Rath.

Seit sieben Jahren bringen Rudi Rath und Klaus Bayersdorfer Kindern das Schwimmen bei. "Ein Kind, das nicht schwimmen kann, ist gehandicapt und schleppt sein ganzes Leben Ängste mit sich herum", erklärt Schwimmlehrer Rath.

Die Zahl der Nichtschwimmer ist in den letzten Jahren im Landkreis gestiegen. "Aktuell haben wir ein Drittel Schwimmer und den Rest Nichtschwimmer. Früher war es genau umgedreht." Für Rudi Rath ist jedoch klar, wenn das Eberner Hallenbad im Januar wieder aufmacht, werden sich die Zahlen im Landkreis wieder normalisieren. Mit der Renovierung mussten viele Vorschulkurse abgebrochen werden. Im Januar starten diese wieder.

Seepferdchen

Gerade klatscht der Zweitklässler Sven am Beckenrand ab, die 25 Meter hat er locker zurückgelegt. "Ich hab 'fei das Seepferdchen geschafft", erzählt der Zweitklässler ganz stolz.

Das Schwimmen ist für das Selbstvertrauen und das Selbstbewusstsein der Kinder enorm wichtig. Rudi Rath erinnert sich an Nichtschwimmer, die absolut verängstigt den Beckenrand rauf und runter liefen. "Wenn Kinder schwimmen lernen, sind sie viel selbstbewusster. Das sieht man sofort."

Ein paar Meter weiter richtet der Viertklässler Paul seine Schwimmbrille, springt mit einem Kopfsprung ins Becken und taucht. Er holt einen Ring nach oben. Der letzte Test. Er ist nun auch stolzer Besitzer eines Seepferdchens. Und dieses Können im Wasser kann in einer Gefahrensituation Leben retten.