Wenn farbenfrohe, an langen Fäden aufgezogene Figuren fröhlich auf einer Bühne herumzappeln und die jungen Zuschauer mit Begeisterung das Geschehen verfolgen, dann hat das Marionettenspiel sein Ziel erreicht. So geschah es in dieser Woche an der "Wallburg-Realschule" Eltmann, als die Schüler das Jahresergebnis ihres Wahlfaches Marionettenspiel vorstellten und dabei "die dumme Augustine" präsentierten.
Ein Schuljahr lang hatten Schülerinnen und Schüler aus den fünften und sechsten Klassen gesägt, modelliert, gemalt, gefädelt, geprobt, geprobt und nochmals geprobt. Sie hatten sich für ein nicht ganz leichtes Unterfangen entschieden, ein ganz besonderes Puppentheater in die Tat umzusetzen.
Marionettenartige Gliederpuppen sind ja schon länger bekannt. Im Erzgebirge kennt man solche Theater schon seit dem 17. Jahrhundert und Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich das Marionettentheater als fester Bestandteil von Jahrmärkten. Vielen Erwachsenen dürfte aber besonders die Augsburger Puppenkiste als eine der bekanntesten deutschsprachigen Marionettentheater auch noch aus dem Fernsehen in Erinnerung sein.

Preußlers Kinderbuch als Vorlage


Die Eltmanner Schüler hatten also große Vorbilder und gingen mit Elan an ihre Arbeit. Dazu hatten sie sich mit ihrer Kunstlehrerin Constanze Büller die Vorlage aus einem Buch des bekannten Kinderbuchautors Otfried Preußler ausgesucht, der solche Werke wie "Der kleine Wassermann", "Das kleine Gespenst" oder "Der Räuber Hotzenplotz" geschrieben hat. "Die dumme Augustine" ist ein weiteres Kinderbuch von ihm, das 1972 erschien und das Leben in einer Clown-Familie beschreibt, in welcher der Vater als "dummer August" im Zirkus auftritt und das Geld verdient und sich seine Frau, die "dumme Augustine", um den Haushalt und die drei Kinder kümmern muss.
Als sie jedoch ihrem Mann von dem heimlichen Wunsch erzählt, selbst gerne einmal im Zirkus aufzutreten, wird sie ausgelacht. Durch Zufall, als August von fürchterlichen Zahnschmerzen gequält wird, bekommt sie jedoch eines Tages die Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen. Die gar nicht dumme, sondern mutige Augustine ergreift diese Chance und ihr Mann muss erkennen, dass er seine Frau extrem unterschätzt hatte.
Die Schüler setzten dieses Geschehen mit besonderem Engagement um, und die Geschichte fand bei den Zuschauern, die auch aus der benachbarten Grundschule kamen, großen Anklang. Das lag daran, dass die Schüler an ihren Marionetten gekonnt die Fäden zogen, die Darsteller gut zu Wort kommen ließen und dazu noch Schüler aus den Chorklassen mit ihrem Musiklehrer Sebastian Franz durch musikalische Einlagen die Aufführung bereicherten.

Puppen gebastelt, Kleider genäht


Auch Kunstlehrerin Constanze Büller war sichtlich erfreut über den Erfolg dieses Unterrichtsprojekts. "Meine Schüler haben wirklich für dieses Marionettentheater alles selbst gefertigt, sie haben die Puppen hergestellt, die Köpfe modelliert und sogar die Kleider selbst genäht." Die besondere Herausforderung der Schüler sah sie aber noch mehr in einem anderen Bereich. "Die schwierigste Aufgabe ist ohne Zweifel, die Fäden an den Puppen so zu ziehen, dass sie anfangen zu leben. Das macht ja das Theater aus."
Dafür wandte sie auch noch einen anderen Trick an. "Die Schülerinnen und Schüler müssen ja auch die Rollen sprechen. Und das ist gar nicht leicht mit der Puppe in der Hand laut und deutlich zu reden. Das geht schon in die Theatersprache. Deswegen ziehen sie die Fäden für ihre eigenen Puppe, sprechen aber die Rolle für eine andere Marionette."
Natürlich machte die Aufführung auch den Schülern Spaß und es scheint so, dass es auch im nächsten Jahr wieder eine AG Marionettentheater gibt. "Wir werden sicherlich wieder für die 5. und 6. Klassen eine AG anbieten, aber auch von den bisherigen Akteuren möchten einige im nächsten Jahr wieder Marionetten-Theater spielen." Eine bessere Motivation kann man sich eigentlich für Schüler nicht vorstellen.

Die Mitwirkenden


Unter der Leitung von Kunstlehrerin Constanze Büller wirkten mit: Jure Trautner (5b), Michelle Hillmann, Saskia Kühnert und Joshua Vizl (alle 5c), Elke Giehl, Annalena Graser und Melissa Mager (6a), Sabrina Schick und Simon Schwemmlein (6b), Fabian Burger, Paul Eichhorn, Nathalie Hartl sowie Lukas Schmitt (alle 6d).