"Das 12.-Klassspiel ist Teil des Lehrplans der Waldorfschulen und der Höhepunkt einer jeder Waldorfschullaufbahn", hatte Christian Schwaderer in einem Gespräch mitgeteilt. "Jeder Schüler sollte dabei einmal auf der Bühne stehen; darüber hinaus sind alle Mitglieder der Klasse auch für die gesamte Organisation, Ausstattung und Werbung zuständig." Ziel sei es, im gemeinsamen Spiel mit den Klassenkameraden Teamgeist und Bewusstsein für das eigene Ich zu entwickeln. So zeige sich das soziale Miteinander nach dem Klassenspiel gereift und von erhöhter Rücksichtnahme geprägt. Christian Schwaderer, der an der Schule Deutsch unterrichtet, hatte das Stück mit den Schülern einstudiert, das wiederum vom Klassenlehrer Manfred Wolf ausgesucht worden war.

Intensive Probenarbeit kommt allen zugute



"Wir haben nicht nur drei Wochen lang im Unterricht, sondern auch eine ganze Woche lang von morgens bis nachmittags intensiv geprobt", berichtete Christian Schwaderer. Von besonderem Wert sei das Theater-Wochenende auf Schloss Bettenburg gewesen, bei dem sich die Schüler besser kennen gelernt hätten. "Wir haben uns über das Stück unterhalten und gemeinsam die Besetzung der Rollen festgelegt", gab er an. "Denn jeder sollte mit seinem Part zufrieden sein und sich in seiner Rolle wohlfühlen." Die Besetzung sei die halbe Miete auf dem Weg zum Erfolg. Ebenso wichtig sei aber auch die Balance zwischen der Theaterpädagogik und dem Einstudieren des Stücks. "Es durften nicht zu viele Übungen sein und die Schüler sollten sich nicht nur auf das Stück konzentrieren, sondern auch das soziale Miteinander pflegen." Es sei schön gewesen zu sehen, wie die Jugendlichen den Mut fassten, aus sich selbst herauszugehen und bei allem Spaß auch den Erfolg nicht aus den Augen verloren hätten. "Die dramatische Kunst trägt letzten Endes auch viel zur wichtigsten Kunst, der Lebenskunst, bei", sagte der Deutschlehrer, der bei der Einstudierung von der Schülerin Judith Wagenhäuser unterstützt worden war. Außerdem waren die Musiklehrer Ria Matthias und Andreas Derleth für die Gesangseinstudierung und die freiberufliche Schauspielerin und Regisseurin Gertrud Eisele für die Sprachgestaltung zuständig.
Auf der Bühne bewiesen die Darsteller viel Freude und Selbstbewusstsein sowie teils sehr großes Talent. Ein besonderes Lob verdienen Jakob Weiß als "Mackie Messer", Florian Erhard als Jonathan Peachum und Lea Staab als Polly, die die Hauptcharaktere mit hohem schauspielerischen Einfühlungsvermögen darstellten. Weil ihre Klassenkameraden in ihren kleinen oder größeren Rollen ebenfalls sehr souverän agierten, gelang ihnen allen zusammen eine homogene Aufführung des politischen Theaterstücks und der abgeschlossenen Gesangsnummern unter der Begleitung von Johannes Höfener und Janina Jung. Den begeisterten Zwischen- und Schlussapplaus hatten sie sich alle redlich verdient.