Nach den ungeklärten Todesfällen in der "Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf" im Landkreis Haßberge haben die Krankenversicherungs-Prüfer Kritik an ihrer Arbeit zurückgewiesen.

Pflegeskandal Gleusdorf: Über den Tod hinaus ausgeplündert?


Das Seniorenheim in Untermerzbach sei in den vergangenen Jahren fünfmal geprüft worden. Die veröffentlichten Prüfberichte wiesen jedes Mal auf manifeste pflegerische Defizite hin", erklärte die oberste Ärztin des Bereichs Pflege beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) Bayern, Ottilie Randzio, am Freitag in Würzburg. Vom gesetzlichen Prüfauftrag her sei es nicht möglich, strafrechtliche Verfehlungen zu erkennen.

Link: Der letzte Prüfbericht der Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf vom 19. August 2016

In dem Heim sollen Senioren wegen schlechter Versorgung gestorben sein. Im November waren zwei leitende Angestellte unter Totschlagsverdacht festgenommen worden.

Der MDK habe bei seinen Prüfungen die Ernährung und das Wundliegen von Patienten kritisiert, erklärte Randzio. Zudem sei der Einrichtung ein nicht bedarfsgerechter Umgang mit Medikamenten attestiert worden.


Anonymes Meldesystem gefordert

Ehemalige Mitarbeiter hatten zuvor Vorwürfe erhoben, die Heimleitung habe Bewohner mit Psychopharmaka "ruhiggestellt". Auch die Heimaufsicht fand bei einer ihrer Prüfungen Psychopharmaka, die keinem Bewohner zugeordnet werden konnten, berichtete das Gesundheitsministerium.

Randzio forderte ein anonymisiertes Fehler-Meldesystem, in dem Pfleger Mängel melden könnten: "Wenn wir das gehabt hätten, dann wären wir garantiert nicht da, wo wir stehen im Fall Gleusdorf."


Prüfer dürfen ohne Zustimmung der Leitung nicht ins Heim

Der MDK ist als unabhängige Institution für die Qualitätsprüfung der Pflegeheime zuständig. Zu Ermittlungen, Beweissicherungen oder verdeckten Operationen sei er aber nicht befugt, erklärte die Ärztin. Die Prüfer dürften ohne Zustimmung der Heimleitung nicht einmal das Haus betreten. "Es ist deshalb sehr wichtig, dass Staatsanwaltschaft und Polizei ihre gesetzlichen Sonderbefugnisse zu Ermittlungen auch in Pflegeeinrichtungen intensiv nutzen." Nach geltender Rechtslage müssten die Prüfer des MDK aus einer Liste der Bewohner, welche die Heimleitung ihnen vorlegt, per Zufallsauswahl Bewohner für eine Befragung benennen. Bewohner, die ihnen etwa als besonders dünn auffallen, dürften sie nicht einfach befragen.
 


Hintergrund: Was bedeuten die Pflege-TÜV-Noten?

Die Noten des "Pflege-TÜVs", der Angehörigen die Auswahl eines Pflegeheims erleichtern soll, haben nur eine geringe Aussagekraft. "Eine 1,0 heißt nichts anderes, als dass die Mindestanforderungen in der Pflege erfüllt sind", sagte Ottilie Randzio, leitende Ärztin für den Bereich Pflege beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Bayern, am Freitag in Würzburg. "Alles, was schlechter ist als eine 1,0, heißt: Es gibt Mängel in der Einrichtung." Das unterfränkische Altenheim Gleusdorf, in dem mehrere Senioren wegen schlechter Versorgung umgekommen sein sollen, hatte bei seiner letzten Prüfung die Note 1,7 erhalten.