Der Eltmanner Wolfgang Brühl führt den SPD-Kreisverband Haßberge seit dem Jahr 2006. Und er kann seine Arbeit fortsetzen. Der 48-Jährige wurde bei der Kreiskonferenz seiner Partei am Freitagabend im Hartleb-Saal in Maroldsweisach erneut an die Spitze des Kreisverbandes der SPD gewählt. Rund 90 Prozent der Mitglieder votierten für den Amtsinhaber. Dass es einige Gegenstimmen aus den Reihen der Delegierten gab, sieht der Kreisvorsitzende gelassen. Das seien wohl die "Verbrauchsspuren der vergangenen Jahre", meint er.


30 Ortsvereine im Kreis

Die Zahlen und Daten, die bei der Kreisversammlung bekannt wurden, sprechen für Stabilität bei den Sozialdemokraten. Sie haben im Landkreis etwa 700 Mitglieder in 30 Ortsvereinen. Im Kreistag stellen die Roten 13 Kreisräte (von 60) und sie haben sieben Bürgermeister (von 26) in ihren Reihen.

Zählt man das Knetzgauer Gemeindeoberhaupt Stefan Paulus hinzu, sind es sogar acht rote Bürgermeister. Paulus ist kein SPD-Mitglied, wurde aber von SPD und CWG (Christliche Wählergemeinschaft) in Knetzgau auf den Schild gehoben.

Die SPD Haßberge hat damit laut Wolfgang Brühl die höchste Zahl an Bürgermeistern in einem unterfränkischen Landkreis. Dank dieser Bürgermeister läuft die kommunalpolitische Arbeit im Landkreis nach Einschätzung Brühls weitgehend reibungslos. "Das funktioniert ganz gut", sagte Brühl unserer Zeitung.

Sorge bereitet dem Kreisvorsitzenden die Altersstruktur der Mitglieder in der Partei. Zwar habe es durch den Martin-Schulz-Effekt allerorten Eintritte in die Parte gegeben, aber die Liste der Mitglieder, die seit der letzten Kreisversammlung gestorben sind und denen bei der Kreiskonferenz in Maroldsweisach ein Gedenken gewidmet wurde, war lang. Die SPD Haßberge hat wie andere Parteien und viele Vereine mit Überalterung zu kämpfen. Hoffnungen, um neue und junge Mitglieder zu gewinnen, setzt Brühl daher auf seine beiden neuen Stellvertreter Carolin Petersen und Felix Schwarz, die in dieser Richtung schon aktiv geworden sind.


Der Wahlkreis bleibt weiterhin auch von der SPD im Bundestag vertreten

Im September steht die Bundestagswahl an, und da kann die SPD sicher sein, dass der Wahlkreis weiterhin mit einer SPD-Politikerin vertreten sein wird. Die Ärztin Sabine Dittmar aus Maßbach im Kreis Bad Kissingen dürfte zwar kaum das Direktmandat gegen die CSU-Konkurrentin Dorothee Bär gewinnen, aber sie hat einen sicheren Listenplatz und steht damit vor dem Wiedereinzug im Parlament in Berlin. Sabine Dittmar sprach bei der Kreiskonferenz in Maroldsweisach. Sie wird im Landkreis Haßberge vor allem auch deshalb gebraucht, weil sie Kenntnisse aus erster Hand in der Gesundheitspolitik hat, und dieser Zweig der Politik spielt mit Blick auf die Haßberg-Kliniken derzeit eine besondere Rolle im Kreis Haßberge.


Bedauerlicher Einschnitt

Der Verwaltungsrat der Kliniken hat jüngst beschlossen, dass wegen des Millionen-Defizits das Haus Hofheim demnächst geschlossen wird, und die Geburtshilfe-Station im Haus Haßfurt muss Ende 2018 aufgelöst werden. Das bedauert die SPD Haßberge; sie sieht aber keinen anderen Weg, um die Kliniken in ihrer Gesamtheit nicht zu gefährden. Man müsse die Zahlen sehen, so wie sie sind, meint Wolfgang Brühl. Sie ließen keine anderen Möglichkeiten zu. Er fordert aber, dass die CSU mit ihren Ministern im Freistaat mehr für die Krankenhäuser und damit auch für die Haßberg-Kliniken tun muss.

Der Steigerwald bleibt auf der Agenda der SPD Haßberge. Die Roten schließen einen Nationalpark nicht von vorneherein aus, wie es andere tun. Man müsse diskutieren, wünscht Wolfgang Brühl, und zwar ergebnisoffen. "Die Diskussion ist notwendig", sagt er. Der Kreisvorsitzende, der keinen Hehl aus seiner Meinung macht, dass er für einen Nationalpark ist, verlangt eine Machbarkeitsstudie, um die möglichen Chancen auszuloten, die ein Nationalpark bietet. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, verabschiedete die SPD Haßberge eine entsprechende Resolution; es gab nur eine Gegenstimme.

Begrüßt hat die SPD in Maroldsweisach den Beitritt des Kreises Haßberge zum VGN, dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg. Er bietet viele Vorteile (einheitliches Ticket). Davon profitieren sollten nach Meinung Brühls aber nicht nur die zentralen Orte, sondern auf längere Sicht auch kleinere Dörfer im Hinterland.

Und noch ein Punkt: Die SPD sprach sich bei der Müllentsorgung und Wertstofferfassung im Landkreis gegen den gelben Sack (oder gelbe Tonne) aus. Die Sozialdemokraten wollen das bisherige System beibehalten: da es sich bewährt habe, weil es finanziell lukrativer sei und weil die Recyclingquote besser sei.


Das Ergebnis der Neuwahl bei der SPD Haßberge

Vorsitz Die SPD Haßberge hat bei ihrer Kreiskonferenz am Wochenende in Maroldsweisach die Kreisvorstandschaft weitgehend bestätigt. Vorsitzender bleibt der Eltmanner Wolfgang Brühl. Er erhielt etwa 90 Prozent der Stimmen. Der 48-Jährige steht seit 2006 an der Spitze der Kreis SPD.

Stellvertreter Bei den Stellvertretern des Kreisvorsitzenden gab es Änderungen. Helmut Dietz (Untermerzbach) und Paul Hümmer (Sand) wurden in ihren Ämtern bestätigt. Neue Stellvertreter sind Carolin Petersen (Haßfurt) und Felix Schwarz (Wonfurt). Ausgeschieden als Stellvertreter ist der Oberauracher Thomas Karg. Die SPD hatte die Zahl der Stellvertreter von drei auf vier Personen angehoben.

Funktionen Als Schatzmeisterin bestätigten die rund 50 (von 70) Delegierten die Ebernerin Brunhilde Giegold. Als Schriftführerin gehört Nicole Meyer (Stettfeld) dem Kreisvorstand der SPD an. Ferner wurden Beisitzer berufen. ks