Zahlreiche Funkmasten entstanden auch im Landkreis Haßberge, um die Notdienste Sanitäter, Feuerwehr und Polizei zu optimieren.Außer an der Ruine Raueneck entstand auch am Rennweg bei Bramberg solch ein lebenswichtiger "Funkspargel".

Beim Joggen entdeckt

Diesem vehementen Eingriff in die Natur widersetzte sich ein Waldkauzpärchen und ging zum Gegenangriff über: Seit vielen Tagen hält es am unteren Ende des Mastes einen Betonvorsprung beharrlich besetzt.
Das berichtet ein Jogger, der fast täglich daran vorbeikommt und sich wundert, dass die Tiere in völliger Starre verharren. Es kam ihm, wie er sagt, zunächst vor, wie "ausgestopfte Tiere für die Gäste in unserem Naturpark Haßberge".

Licht in das Dunkel bringt Harald Amon vom Bund Naturschutz in Ebern. Nach Begutachtung eines "Beweisfotos" ist er sich sicher, dass es sich um ein ausgewachsenes Paar des Waldkauzes handelt. Diese Vögel werden bis 40 Zentimeter groß und etwa 500 Gramm schwer. Ihre Flügelspannweite kann bis zu 80 Zentimeter betragen.

Verräterische Federspitzen

Typisch für ihr Aussehen ist die rindenartige Tarnfärbung, die unterschiedlich an den jeweiligen Lebensraum angepasst sein kann. Letztendlich sind die weißen Federspitzen über ihren großen Augenfeldern typisch. Waldkäuze sind monogam, so Harald Amon, sie paaren sich auf Lebenszeit in ewiger Treue.
Bei der Aufzucht zwingen die Paare ihre Jungen, flügge zu werden, sorgen aber darüber hinaus verantwortungsvoll für ihren Nachwuchs.

Dass sie sich den Sendemasten zum Ruheplatz ausgesucht haben hat mehrere Gründe erklärt Amon: Sie sitzen tagsüber regungslos auf dem sonnigen und sicheren Plätzchen, sie werden kaum gestört ( wer kommt schon vorbei) und haben mit Sicherheit in der Nacht ein "überaus reiches Mäuserevier".Wenn die Witterung ungemütlicher wird, werden sie voraussichtlich ein gemütlicheres Winterquartier beziehen.

Bedenken am Rande

Doch bis dahin mögen "Romeo und Julia auf dem Funkmast" nicht dasselbe Schicksal erleben, wie in der klassischen Literatur. Sie sollen sich ungestört und emsig der Verbreitung ihrer Art hingeben. Und vor allem: Hoffentlich wirkt sich die starke Strahlung des Notfunkmastes nicht nachteilig auf ihre Fortpflanzungsfreudigkeit und -fähigkeit aus. Alois Vogt