Dass gravierende Einschnitte bevorstehen, was die Haßberg-Kliniken betrifft, war schon vor dem 15. Mai klar. Aber an diesem Montag wurde es offiziell und verbindlich: Der Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens hat Beschlüsse gefasst, die der Öffentlichkeit nur schwer zu verkaufen sind, denn die Bevölkerung bangt um die medizinische Grundversorgung im ländlichen Raum.

"Eine schwere Entscheidung" hatte es Aidhausens Bürgermeister und Kreisrat Dieter Möhring (Freie Wähler) genannt, als er nach der rund vierstündigen Sitzung in Hofheim das interkommunale Bürgerzentrum verließ. Da hatten die Verwaltungsratsmitglieder unter Vorsitz von Landrat Wilhelm Schneider (CSU) gerade beschlossen, die stationäre Versorgung am Haus Hofheim ab Juli nicht mehr weiterzuführen und die Geburtsstation im Haus Haßfurt zum Ende des Jahres 2018 zu schließen. Das habe Überwindung gekostet, denn es seien Entscheidungen gewesen, "die man treffen muss, vom Kopf her, aber nicht treffen will, vom Herz her", so Möhring.


Ist-Zustand: Fass ohne Boden

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Drei Millionen Euro Minus als Ergebnis der Haßberg-Kliniken in den Jahren 2015 und 2016, seit fünf Jahren steckt das Kommunalunternehmen fortlaufend in den roten Zahlen, 2012 waren es minus 300 000 Euro, im Folgejahr minus 1,4 Millionen Euro, 2014 fast zwei Millionen Euro. Auf Dauer würde das den Kreishaushalt in große Schwierigkeiten bringen und damit auch die Kreiskommunen, die das Defizit über die Kreisumlage letztlich zu tragen haben.

Jetzt sollen die Haßberg-Kliniken umstrukturiert werden, es stehen viele Veränderung an, vor allem auch Sparmaßnahmen. Ob durch den Sparkurs die medizinische Grundversorgung im Kreis gewährleistet werden kann?
Susanne Kastner, Verwaltungsratsmitglied und langjährige Bundestagsabgeordnete der SPD, hat die Entscheidungen mitgetragen, "weil ich der Meinung bin, dass unsere Landkreisbevölkerung eine weiterhin gute gesundheitliche Versorgung hier im ländlichen Raum braucht" und die aktuelle Situation es nicht zulässt, alles so weiterlaufen zu lassen wie bisher. Selbst, wenn die Maßnahmen der Umstrukturierungen greifen, sind die Haßberg-Kliniken den Analysen der Münchner Beratungsgesellschaft "Oberender & Partner" zufolge noch lange nicht aus dem Schneider, im Jahr 2021 stünden immer noch rund zwei Millionen Euro Minus zu Buche, "das sind zwei Millionen zu viel", sagt Kastner.


Es liegt nicht nur am Landkreis

Das Thema medizinische Versorgung sei zudem so komplex, dass der Blick auf den Landkreis allein nicht ausreiche, um der Sache gerecht zu werden: Bundespolitisch und landespolitisch sei "alles Mist, was gemacht wird", weil Kliniken gefördert werden, die sich spezialisieren, "kleine Krankenhäuser treibt man in die Schuldenfalle". Diese kleinen "Krankenhäuser der Grundversorgung sind aber notwendig im ländlichen Raum".
Da nütze es auch nichts, dass etwa in den umliegenden Landkreisen Bamberg, Schweinfurt, Lichtenfels oder Coburg angeblich gut erreichbare Kliniken vorhanden sind: Würde es die Haßberg-Kliniken nicht geben und die Patienten in die Nachbarkreise ausweichen, wären die dortigen Krankenhäuser überlastet, sagt Kastner. Sie hatte sich nach der Verwaltungsratssitzung am 15. Mai auch kritisch gegenüber dem Vorstand der Haßberg-Kliniken geäußert: Es gehe bei der Umstrukturierung der Standorte Hofheim, Haßfurt und Ebern auch darum, wieder mehr Vertrauen zu schaffen, zum einen in Hinblick auf das Kommunalunternehmen selbst, aber vor allem, was die Kommunikation zwischen Verwaltungsrat und dem Vorstand betrifft.

In den vergangenen Jahren, in denen die Haßberg-Kliniken zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten geraten waren, habe es "etliche Versäumnisse des Vorstandes" gegeben. Es seien Erklärungen zur Situation geliefert worden, die nicht nachvollziehbar oder umfangreich genug waren, trotz mehrfachen Nachfassens. "Ich habe im Verwaltungsrat gesagt, Vertrauen kann man nicht verordnen. Vertrauen muss wachsen und muss erarbeitet werden." Dazu habe der Vorstand jetzt die Gelegenheit.


Kolck weist Kritik zurück

Die Kritik, nicht ausreichend kommuniziert zu haben, weist Stephan Kolck, Vorstandsvorsitzender der Haßberg-Kliniken, zurück. "Ich meine, dass wir den Verwaltungsrat immer sehr umfangreich informiert haben." Fünf bis sechs Mal im Jahr und gegebenenfalls auch anlassbezogen habe man sich mit dem Gremium ausgetauscht. Kolck nimmt die Äußerungen Kastners dennoch ernst und setzt auf offene Gespräche, um möglicherweise verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen, denn "wenn das der Eindruck im Verwaltungsrat ist, ist es natürlich unsere Aufgabe, dass es anders wird".


Bevölkerung soll aufwachen

Zu dem Vorhaben, die 25 Betten im Haus Hofheim ab Juli aufzugeben, und ab 2019 auch keine Geburtsstation mehr in Haßfurt zu betreiben, äußerte sich auch Rita Stäblein. Die Grünen-Kreisrätin ist Mitglied des Verwaltungsrats der Haßberg-Kliniken und arbeitet selbst als Krankenschwester in einem Krankenhaus.
Die Schließung des Hauses Hofheim und das Aus der Geburtsstation in Haßfurt trug sie mit, "damit unkalkulierbare finanzielle Belastungen nicht weiter den Kreishaushalt einschränken", erklärt sie. Die Gesundheitsversorgung auf dem Land müsse aufrecht erhalten werden, aber auch finanzierbar sein.

Sie zeigt sich froh, dass das Haus Ebern derzeit nicht zur Diskussion steht, auch, "weil die dortige Palliativ-Station in diesem Haus bestens aufgehoben ist". Stäblein hofft, dass die Bevölkerung in und um Ebern durch die Diskussion der vergangenen Monate nun "aufwacht und das Einrichtungsangebot ,Krankenhaus am Ort' mehr nutzt" und nicht auch in Ebern die gleichen Faktoren greifen, die das Haus Hofheim, wo von 25 vorhandenen Betten durchschnittlich nur 13 belegt sind, so schwer belastet haben.


Kommentar von Andreas Lösch: 'tschuldigung, sprechen Sie Fränkisch? - "No"

En Problem, auf das ich in Zusammenhang mit den Haßberg-Kliniken angesprochen wurde: Es soll öfter zu Kommunikationsschwierigkeiten kommen zwischen Arzt und Patient. Und zwar, weil einige der Ärzte ausländischer Herkunft sind und die deutsche Sprache nicht so gut beherrschen. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, das stimmt. Ich war selbst zweimal zur Behandlung in den Haßberg-Kliniken, einmal in Haßfurt, einmal in Ebern. Beide Male war der Arzt Ausländer. Beide Male wurde mir sehr gut geholfen. Doch habe ich nicht immer alles verstanden (und umgekehrt), so dass wir auch auf Englisch ausgewichen sind.

Mein Glück, dass mir das nichts ausmacht, aber ältere (beziehungsweise generell alle) Patienten dürfen durchaus erwarten, dass ihr Arzt gut auf Deutsch erklären kann. Daran arbeiten die Verantwortlichen der Haßberg-Kliniken, wie mir auf Nachfrage versichert wurde: Es werden Kommunikations- und Sprachkurse angeboten, die gezielt Gesprächssituationen aus dem ländlichen Alltag aufgreifen, unter anderem auch in fränkischem Dialekt. Hat was. Sprechzeiten werden deswegen dem Vernehmen nach aber nicht umbenannt in Plauderzeiten.