Drei Problemfälle, eine Entscheidung. Zwei Lösungen verschoben: Dies ist das Fazit, das sich nach der Marktgemeinderatssitzung am Dienstagabend zum Ende der öffentlichen Sitzung nach einer Stunde ziehen lässt. Erneut ging es um die Dauerbrenner Fremdwasseranteil in der Kanalisation sowie Gestaltung der Grünfläche zwischen Vorstadt und Hepsenberg, einem "Jahrhundertprojekt", wie es Bürgermeister Willi Sendelbeck (SPD) genau vor einem Jahr bei einem Ortstermin bezeichnet hatte.

Damals hatte er für 2014 ein Aufblühen angekündigt, da sich zwei Frau bereit erklärt hätten, die Anpflanzungen zu übernehmen. Dazu kam es aber nicht. Passiert ist im zu Ende gegangenen Jahr gar nichts.

Das sollte sich am Dienstagabend ändern. Doch es erfolgte eine erneute Vertagung auf die Februarsitzung, weil die aktuellen Pläne nicht vorlagen. Die verwahrt eine Anliegerin, die wegen ihrer Geburtstagsfeier aber verhindert war.

Wunschliste seit dem Jahr 200

Stattdessen legte Bürgermeister Sendelbeck einen Aktenvermerk vor, in dem die Vorgeschichte aufgerollt wurde. Nun ein Jahrhundertwerk ist es nun nicht, aber seit April 2000 zumindest aktenkundig, als Anlieger per Unterschriftenliste eine schönere Gestaltung der Fläche wünschten.

Die Chronologie sorgte zunächst für einige Schweigeminuten, denn die Räte mussten sich erst in die Vorgeschichte einlesen. Dazu gehörte u.a. ein Gestaltungsvorschlag von Kreisfachberater Guntram Ulsamer, dessen Umsetzung damals 57 000 Mark gekostet hätte. Der wurde aber verworfen.

Sendelbeck erinnerte an einen Ortstermin im April 2013, bei dem sich Anwohner einen Ziehbrunnen mit Sitzgruppe und Pergola gewünscht hätten. Es folgten mehrere Anfragen bei Baumschulen, die letztlich in eine Kostensumme von knapp 5000 Euro mündeten. "Wir wollten noch pflanzen, aber das ging nicht mehr, weil die Firma wegen des nahenden Winters nicht mehr alles auf Vorrat hatte", erklärte der Bürgermeister die Verzögerung.

Details wusste Mathias Sperber (SPD) als Anlieger auch ohne Plan: "Bäume werden nur im oberen Bereich auf einer Fläche von rund 80 Quadratmetern gepflanzt. Teuer daran ist die Einfassung mit Granitsteinen. Im unteren Bereich passiert gar nichts, auch kein Brunnen."

"Wir haben uns das angeschaut, so können wir's gämach", signalisierte Willi Andres (CSU) Zustimmung, während Helmut Grell (ÜWG) für ein Vertagen plädierte, bis "im Februar auch die Manuela (Lohm) da ist". Volker Zürl (CSU) wollte wissen, ob die Arbeiten nun komplett von einer Firma erledigt werden? Dies sei der Fall, antwortete der Bürgermeister. "Die Anlieger können das nicht." Willi Andres fand, dass zumindest der Bauhof helfend eingreifen solle.

Wohin mit dem Fremdwasser?

Ein weiterer Dauerbrenner bleibt auch mit mehreren Fragezeichen auf der Aufgabenliste des Rates: das Problem des Fremdwassers in den Kanalleitungen. "Das beschäftigt mich seit 1978", blickte Willi Sendelbeck auf seine Zeit als Kommunalpolitiker zurück. In Rentweinsdorf seien große Rohre verlegt worden, weil es damals geheißen hatte, dass möglichst viel Wasser in der Kläranlage ankommen solle. Seit dem Anschluss an die Eberner Kläranlage habe sich dies geändert. "Weil jetzt gepumpt wird, soll es möglichst wenig Wasser sein. Schuld hat der Staat, der erst große Rohre fordert, und 30 Jahre später fordert der gleiche Staat genau das Gegenteil."

Widersprüche gegen Bescheide

Sendelbeck verwies auf die topografischen Gegebenheiten des Dorfes. "Wir können nicht das gesamte Oberflächenwasser ableiten, weil sonst die Gefahr besteht, dass die Vorstadt absäuft."

Auch wusste Sendelbeck, dass die Abwassermenge, die von Rentweinsdorf aus in Ebern ankommt, gar nicht gemessen wird. Weiter sprach er an, dass gegen die Abwasserbescheide der Gemeinde einige Widersprüche laufen.

Noch ein Problem ist dem Bürgermeister bekannt. Eine Kamerabefahrung der Leitung in der Hauptstraße habe gezeigt, dass die Hausanschlüsse damals nur mittels Einschlägen erfolgten. "Wenn wir das richten und abdichten lassen, kostet das den Anliegern viel Geld." Vielmehr werde darüber nachgedacht, ob es ein besser wäre, eine zweite Leitung in den bestehenden Kanal einzuziehen.

Willi Andres wunderte sich, dass die Abwassermenge, die aus Rentweinsdorf in Ebern ankommt, nicht gemessen wird. "Sollten wir da nicht den Einbau einer Uhr beantragen?" Und auch Mathias Sperber wunderte sich, wie
"Ebern so viel Geld verlangen kann, wenn gar nicht gemessen wird?"

Darauf hatte Ludwig Bock (ÜWG) anhand einer Liste, die er sich von der Verwaltung hatte geben lassen, eine Antwort: "Es handelt sich quasi um eine fiktive Zahl aus 1997, die sich im Verlauf der Jahre im wieder bestätigt hat." Auch Kurt Weißheimer (ÜWG) wusste, dass "der Mittelwert über die Jahre hinweg konstant blieb."

Bock ergänzte, dass die Abwassermengen von Ebern und Pfarrweisach gemessen würden, der Rest bleibe dann für Rentweinsdorf. Obgleich er wegen der Kosten und des höheren technischen Aufwandes zunächst davor gewarnt hatte, fand Bürgermeister Sendelbeck, dass der Einbau einer Meßeinrichtung Klarheit brächte. Kurt Weißheimer wollte dazu aber erst eine Expertenmeinung hören. Also sollen zu einer der nächsten Sitzungen die Fachleute Kittner und Lang geladen werden, die auch das Video von der Kamerabefahrung zeigen und erklären sollen.

Neues Gerät für Feuerwehr

Zu einer einstimmigen Entscheidung rang sich das Gremium bei einem Antrag der Feuerwehr durch, neue Rettungsschere und- spreizer anzuschaffen, da die bisherige Ausrüstung für neuere Automodelle nicht mehr tauge. Jonas Ludewig: "Beim Bus- und Lkw-Unfall bei Fischbach waren wir im Einsatz, hätten mit unseren 18 Jahre alten Gerätschaften Schwierigkeiten gehabt, Leute aus den Fahrzeugen zu befreien."

Der neue Hilfeleistungssatz verringere die Bergungszeiten und eigne sich durch die größere Maulweite auch für Lastwagen. Die Kosten bezifferte Ludewig auf maximal 25 000 Euro, wobei ein Zuschuss der Regierung von Unterfranken in Höhe von 6000 Euro zugesagt sei. Hinzu komme, dass die Altgeräte auch noch verkauft werden könnte. Ludewig: "Das ist keine Wunsch-, sondern eine Ersatzbeschaffung."

Auch Kreisbrandinspektor Thomas Habermann unterstrich die Notwendigkeit einer Neuanschaffung: "Wir haben den Einsatzschwerpunkt Bundesstraße und da ist die FFW Rentweinsdorf im Bereich südlich von Ebern dran, wozu neue Scheren benötigt werden. Das sah auch Feuerwehr-Referent Willi Andres so: "Wir haben die Bundesstraße und den Flugplatz, da wird technische Hilfeleistung immer wieder benötigt."